Print

Posted in:

Somos muy inteligentes en trujillo

Spanischunterricht mit Ana

Ich werde wach und denke mir: „Zucker, Kuß!“ Doch mein Täubchen ist schon los. Klar, heute ist unser großer Tag in der „Spanish School Maria“. Wir fungieren drei Tage lang als Testpersonen für Ana. Ana liebäugelt mit einem Job als Spanischlehrerin. Zucker übernimmt die erste Schicht, Einzelunterricht.

Ich schaue in der tienda vorbei, welche mit „desayunos ricos“ (deftigem Frühstück) lockt. Genau mein Begehr: Zwei Spiegeleier gewendet mit scharfer Tomatensoße, frijoles (Bohnen), platanos (frittierte Bananen), weißem Käse. Dazu gönne ich mir einen pechschwarzen café americano. Blick aufs Meer! Der Strand von Trujillo ist recht verwüstet vom letzten Sturm, was aber durchaus seinen Reiz hat.
Noch mehr Reiz versprüht Jorge, der Wirt, der mir ein kaltes Bierchen reicht und auf zwei señores deutet.

„Alemanes!“ sagt er. Und wahrlich, er hätte es nicht treffender formulieren können, denn dort standen unsere beiden schwäbischen Doko-Partner aus Quetzaltenango (Guatemala). In den Freudentaumel hinein platzt Zucker mit Ana im Schlepptau. – Meine Schicht ruft.

In dreieinhalb Stunden, verabreden wir, gleicher Ort, gleicher Tisch, und Zucker ruft mir ein hämisches „viel Spaß“ hinterher.

Ana und ich nehmen Kurs auf die escuela. Wir begrüßen Maria, und ich werde dem Einstufungstest unterzogen. Getestet werden Wortschatz und Grammatik. Mir geht es in erster Linie um Konversation. Den Test mit Bravour bestanden, so glaube ich, macht mein Gegenüber einen eher ratlosen Eindruck. Doch plötzlich aber gemach ein „Ah!“ „S·a·b·e·s – t·ú – q·u·e – s·o·n – l·o·s – a·r·t·i·c·u·l·o·s?“

Ich muß wohl etwas bestürzt dreingeschaut haben, denn sie fährt fort: „Wir haben drei: den männlichen, den weiblichen und den neutralen. Es folgen Beispiele. Daraufhin holt sie -mich scheint sie kaum noch wahrzunehmen- das Arbeitsbuch hervor und öffnet mit Spannung die dritte Seite.

Auf der linken Hälfte ist ein Schiff abgebildet, rechts für den Sprachstudenten die englische Bezeichnung „ship“. Erwartungsvoll schaut mich Ana an. Ich, immer noch konsterniert, antworte nur zögernd mit „barco“. „Sí, sí“ freut sich meine Lehrerin: „Eres muy inteligente.“

Oh Mann, raus hier denk ich und bitte Ana: „Laß uns eine Runde im Dorf drehen und ein wenig kommunizieren.“ Sie ist begeistert. Kaum auf der Straße, hält sie ein Schwätzchen mit Tante, Oma, Onkel… nur nicht mit mir. Also versuche ich mit meiner profesora ein Gespräch anzuzetteln, Belangloses, nur reden (üben). Doch ihre Antworten sind knapp, so daß auch ich schnell die Lust verliere.

Irgendwann ist Schicht. Ich komme zum Treffpunkt, und Schwoob, Zucker und Schwoob haben ihr Wiedersehen reichlich gefeiert und warten nun zum einen auf meinen Schulerlebnis-Bericht und zum anderen auf den vierten Doko-Mann. Die Stimmung ist bombig, und Zucker gesteht mir nach jedem gewonnenen Spiel: „S·o·m·o·s – m·u·y – i·n·t·e·l·i·g·e·n·t·e·s – y – t·s·c·h·o – s·o·y – t·ú – a·z·ú·c·a·r!“

Written by dirk klaiber

dirk klaiber

dirk klaiber, geb. 1969, lebt in berlin, ist herausgeber des online kultur- und reisemagazins caiman.de / internet: www.caiman.de

69 posts