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Xibeca, Estrella und der Hunger

Wir flogen von Memmingen aus nach Girona in Katalonien. Von Berlin aus nicht der nahegelegenste Flughafen, aber eine märchengleiche Hochzeit am Starnberger See hatte uns nach Bayern geführt. Eine Hochzeit in Reichweite des Klosters Andechs. Dort brennen sie einen guten, sehr süffigen Obstler. Ideal zur emotionalen Einstimmung, wenn sich die Hübschen das Ja-Wort geben, ideal gegen frühherbstliche, regnerische Kaltwetterfronten über dem See und ideal zur Einstimmung auf 10 Tage Kinderferien mit Papas.

Aus Sicht der Papas nicht zuletzt mit dem Ziel, möglichst viele Biere zu verkosten. Handwerklich hergestellte Biere kleiner Brauereien, Eigenmarken von Supermarktketten und einfach alle Biere, die wir noch nie getrunken hatten.

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Tag 1: Sonntags sind auch an der nördlichen Costa Brava in ausgewählten Städten die Supermärkte bis 15 Uhr geöffnet. Wir konnten also direkt nach der Landung mit dem ersten Einkauf eine ganze Reihe uns unbekannter Biere erstehen. Als Basis jedoch führt natürlich kein Weg vorbei an Xibeca und Estrella.

Xibeca, das leichte, so sensationell, weil unglaublich zurückhalten im Geschmack, Estrella, das unvergleichbar angenehm in der Hand liegende. Die 0,33 Liter Dose der katalanischen Hausmarke ist mit einer de Sinnen schmeichelnden und die Haut zärtlich streichelnden Oberfläche versehen.

Nach dem Einkauf haben die Kinder Hunger. Also rüber zu Conce und Paco. Über den Feldweg, der das Restaurant im Nachbardorf mit unserem verbindet. Paco strahlt: „Jungs, ich hab von San Miguel zu Estrella gewechselt.“ Und stellt uns zwei gezapfte, mit einer dünnen Eisschicht überzogene Gläser auf unseren Tisch in der Sonne. Kinder glücklich mit Melone und Schinken, Fisch und Pommes und zum Abschluss Eis, Papas glücklich, dass auf dem Rückweg nur der Feldweg zu meistern ist. An Verkostung war an diesem Tag nicht mehr zu denken.

Tag 2: Wanderung auf der Cap de Creus zum kleinen Leuchtturm. Im Gepäck die geliebten Estrella-Dosen. Zurück mit Hunger. Grillen und dazu passend Xibeca. Keine Verkostung möglich.

estrella-doseTag 3: Vierter Papa reist an mit Geburtstag. Er wünscht sich: Estrella und Fisch. Bekommt er auch. Erste Craft Biere finden den Weg aus dem Kühlschrank in den Vorratskeller, um Platz zu schaffen. Nichts ist’s mit Testen neuer Sorten.

Tag 4: Irgendwie haben die Kinder – nach Absage des 5. Papas bleibt es bei sechs an der Zahl – immer Hunger. 7.30 Uhr: Müsli. 9.30 Uhr: Würstchen und Spiegelei. Wandern auf der Cap de Norfeu mit 12 Uhr: Picknick. Rückfahrt 14.30 Uhr: Hungerstillen mit Baguette.

17 Uhr: Die ersten Kinder sterben schon vor Hunger, was die Stimmung drückt. Schnell ne Pasta und viel Xibeca. 19 Uhr: Bananen und Cornflakes. Zur Vermeidung, dass wir mit den Kindern in die Federn sinken, hilft definitiv kein Verkosten eines neuen Bieres, sondern Cuba Libre.

Tag 5 bis Tag 9: 6.30 Uhr: Frühstück! Frühstück! Sechs Kinder springen abwechselnd auf vier Papas herum und schreiben ihren ohrenbetäubenden Hungergesang. 8.30 Uhr: Das 2. Frühstück ist beendet. Aber nicht, weil die Kleinen satt wären, sondern weil es zu wenig Würsten gab und sie grölend und streitend zum Dorf-Metzger gezogen sind. Vier Papas versuchen mit vereinten Kräften ein wenig Ordnung ins Küchenchaos zu bringen, da hilft nur um 8.45 Uhr: Xibeca. Verkostung rutscht ins Abseits.

Tag 10: Nach der morgendlichen hungerstillenden Routine und dem Packen, denn in drei Stunden geht der Flieger, fällt uns ein einsames kühles Craft Bier, dass sich ganz hinten im Kühlschrank hinter drei Liter-Flaschen Xibeca (köstlich im Anblick) und sechs Estrella-Dosen (bei Berührung Verzehrung unausgeschlossen) verschanzt hatte, entgegen. Während Xibeca und Estrella mit auf Tour gen Flughafen gehen, verbleibt Craft mit dem Versprechen der baldigen Verkostung zurück.

Die riesigen vier Baguette und die 30 Würstchen stillen den Hunger gerade Mal bis Bremen. Dann muss ein Papa losziehen, um in den fünf Minuten bis zur Abfahrt des Zuges Nachschub zu besorgen.

Vor dem Brezel-Bäcker eine lange Schlange. Nach vier Minuten erfolgreich, allerdings reicht die zeit wirklich nicht mehr, auch noch Bier zu besorgen. Im Zug sitzen brezelglückliche Kinder seit an seit mit verstörten Papas. Da spricht mich ein Andechser Mönch an: Mogst an Obstler?