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Vier Damen aus Brasilien (10/2008)

Clara Bellar
Meu coração brasileiro
Alô Alô / galileo mc

Wer seinen Sommer mit brasilianischen Klängen in den Herbst hinein verlängern möchte, sollte eines der folgenden Alben erwerben – oder gleich alle vier? Mit Clara Bellars CD beginnen wir eine Reise, die mit klassischen Bossa Novas aufwartet. Die Sängerin interpretiert mit ihrer angenehmen und leichten Stimme 16 im Klang ein wenig modernisierte Bossas und Sambas von berühmten Komponisten wie Gilberto Gil oder Chico Buarque – nur ein Song ist neu – und hat sich ebenso bekannte Unterstützung eingeladen: Milton Nascimento, João Bosco und Dori Caymmi singen bei einigen Titeln mit.

Juliana Aquino
Disco [meets] Bossa
Peacelounge/ Alive

Juliana Aquino wählt für ihr Album einen originelleren, aber auch schwierigeren Weg. Sie nimmt Disco-Klassiker wie „I’m every woman“ von Chaka Khan und entschleunigt sie auf Bossa-Nova-Niveau. Interessant wäre zu sehen, wie John Travolta zu „Staying Alive“ in diesem Tempo sein Jackett weggeschleudert hätte… Weiteren 70er-Jahre-Partyhits wie „I will survive“ oder „Love is in the air“ verpasst Aquino gekonnt brasilianisches Flair – ohne die Texte zu übersetzen – und einen jazzig-coolen Touch, auch wenn es zunächst gewöhnungsbedürftig ist einen Tanzflächenknüller wie „Don’t let me be misunderstood“ von Santa Esmeralda auf diese Art zu hören. Bei einigen Songs wird so erst ihre Qualität jenseits des dancefloors hörbar. Ein Album mit einigen Überraschungsmomenten.

Marissa
Alô Alô
Alô Alô / galileo mc

Viel Wert auf Tanzbarkeit legt hingegen Marissa Groberg mit ihrem Album „Alô Alô“. Moderne Arrangements mit mal dezenteren, mal härteren (Break) Beats („Mundo melhor“) durchziehen die Stücke der Percussionistin und Sängerin aus Rio de Janeiro. Marissa präsentiert eine zeitgenössische Sambaversion mit Anklängen an die Bossa. Der Titelsong „Alô Alô“ wurde 1933 von André Filho komponiert und von Carmen Miranda berühmt gemacht.

Lygia Campos
Meu Nome E Brasile
galileo mc

Ebenfalls aus Rio stammt Lygia Campos, die aber heute in München lebt. Sie präsentiert uns 12 Eigenkompositionen (und zwei Cover), die von Samba-Batucada bis Pop reichen. Und sie zeigt uns eine jazzigere („Theresa“) und jazzrockigere („Trem pra Munique“) Seite der brasilianischen Gesangskunst ohne dabei die typische Leichtigkeit zu verlieren. Hier spielt Gitarrist Paulo Morello eine wichtige Rolle, der sich hörbar an Carlos Santana orientiert. „Meu Nome E Brasile“ demonstriert zwischen afrikanischen Rhythmen und Swing die Liebe von Lygia Campos zu ihrem Land.

Fotos: amazon