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caiman.de 02. ausgabe - köln, februar 2001
deutschland international

Freiwillige vor!

Wenn ich begeistert erzähle, daß ich bei der UN ein Praktikum gemacht und später dort auch gearbeitet habe, dann kommt die ebenso begeisterte wie interessierte Frage: Und wo warst Du? In New York? Genf? Wien? Hm, nein! In Bonn, bei den United Nations Volunteers!
Aber ich würde Euch nur ungern von meinem Praktikum in der ARLAC-Abteilung oder meiner Arbeit bei SSG erzählen, denn viel interessanter sind die Antworten auf die Frage:

Wer oder was sind die United Nations Volunteers (UNV)?

Seit 1996 sitzen im Haus Carstanjen verschiedene UN-Organisationen:
UNIC Bonn (UN Information Centres and Services - Informationszentrum der Vereinten Nationen), UNV (United Nations Volunteers - Freiwilligenprogramm der UN), UNFCCC (Secretariat of the UN Framework Convention on Climate Change - Sekratariat der Klimarahmenkonvention), UNCCD (Secretariat of the UN Convention to Combat Desertification - Sekretariat der Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung) und UNEP/CMS (UN Environment Programme/Convention on Migratory Species - Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten).

teilnehmer
des unv-workshop
1999


Doch was macht das Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen? Wer sind die Menschen, die dort arbeiten, die sogenannten Freiwilligen?

Das Freiwilligenprogramm wurde 1970 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als Partner für praktische Tätigkeiten im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit gegründet. Als multilaterales Programm untersteht es dem Verwaltungsrat des Entwicklungsprogramms der VN (UNDP) und agiert, vertreten durch die UNDP-Länderbüros, auf der ganzen Welt.

Derzeit arbeiten über 4.000 qualifizierte, erfahrene und engagierte Frauen und Männer aus über 140 Nationen in Entwicklungsländern als Fachberater und Entwicklungshelfer. Seit 1971 waren rund 20.000 UN-Freiwillige aus 150 Entwicklungs- und Industrienationen in einer vergleichbaren Anzahl von Ländern tätig.
UNO-Freiwillige arbeiten in technischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereichen unter vier Hauptgesichtspunkten:

1. Technische Zusammenarbeit
2. Basisorientierte Entwicklungszusammenarbeit
3. Humanitäre Hilfe und Rehabilitation
4. Menschenrechte, Wahlen, friedensschaffende Maßnahmen.

Es sind Fachleute, die sich um partnerschaftliche Zusammenarbeit bemühen, in dem sie unterrichten und ausbilden, motivieren und fördern, zuhören und diskutieren. Darüber hinaus teilen UNO-Freiwillige ihr Wissen und ihre Kenntnisse und tauschen ihre Erfahrungen und Ideen mit anderen Menschen aus.

In welchen Bereichen arbeiten sie?

Das Freiwilligenprogramm umfaßt ein weites Spektrum von Tätigkeiten: In der Kandidatenkartei von UNV sind 110 Berufszweige vertreten. An vorderster Stelle stehen Landwirtschaft, Gesundheit und Bildung, gefolgt vom sozialen Bereich, der Berufsbildung, Industrie, Verkehrswesen und Bevölkerungsfragen. Seit Frühling 1998 machen die Bereiche humanitäre Hilfe, Rehabilitation, friedensschaffende Prozesse und Wahlunterstützung zusammengenommen mehr als 30% der Einsätze aus.

Wo arbeiten sie?

Über die Jahre waren UNO-Freiwillige in rund 150 Ländern im Einsatz. Heute arbeiten 30% in Afrika und 25% in Asien und im pazifischen Raum; die übrigen in den arabischen Staaten, in der Karibik, Mittel- und Südamerika sowie im Rahmen jüngerer Programme auch in Mittel- und Osteuropa. Fast drei Viertel sind in den ärmsten Ländern der Welt tätig: in den am wenigsten entwickelten Ländern, den Ländern ohne Zugang zum Meer und den kleinen Inselstaaten.

Die Hälfte der Freiwilligen arbeitet außerhalb von Haupt- und Großstädten, häufig in entlegenen Städten und Dörfern. Gerade dort ist die Arbeit der Freiwilligen notwendig und spiegelt ihr Engagement eindrucksvoll wider. Dies gilt vor allem für die im sogenannten "Graswurzel-Bereich" tätigen Fieldworker des UNV-Programms für partizipative Entwicklung im pazifischen Raum, Asien und Afrika. Diese aktiven Praktiker mit weitreichenden Erfahrungen versuchen, den Erfahrungs- und Wissensaustausch sowie lokale Basisinitiativen anzuregen.

Wie arbeitet das Programm?

UNV arbeitet in Partnerschaft mit Regierungen, UN-Organisationen, Entwicklungsbanken sowie Nichtregierungsorganisationen (NROs) und Basisinitiativen. Die Projekte, in denen UN-Freiwillige tätig sind, werden normalerweise von Regierungsstellen durchgeführt. Gezielte technische Unterstützung gibt es oft durch Sonderorganisationen des UN-Systems, wie z.B. der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), dem Welternährungsprogramm (WFP), der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), dem Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR), der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) oder der Weltbank. Auf Anfrage von Regierungen führt UNV auch selbständig Projekte durch.

Wie wird UNV finanziert?

Ein Teil der Finanzmittel stammt aus den UNDP-Länder- und Regionalprogrammen. Andere wichtige Quellen sind die Programmhaushalte von UN-Organisationen, Beiträge von Gastländern, zweckgebundene Zuschüsse von Geberländern und der UNV-Sonderfonds. Zusammengenommen erreichen die Beiträge zu den allgemeinen UNV-Fonds sowie den Sonderfonds jährlich rund 17 Millionen US-Dollar.
Wer sich darüber hinaus noch für persönliche Berichte der Volunteers interessiert, sollte sich "Freiwillige für Frieden" zu Gemüte ziehen. Die Veröffentlichung des UNO-Freiwilligenprogramms gibt die Erfahrungen von neun UNO-Freiwilligen (UNVs) wieder, die humanitäre Hilfe geleistet und UNO-Friedensmissionen unterstützt haben: Sie organisierten und beobachteten die Wahlen in Kambodscha, Südafrika, Mosambik und zuletzt in Haiti. Sie demobilisierten Soldaten, arbeiteten als Flüchtlingshelfer im früheren Jugoslawien und in Ruanda und unterstützten die UN Mission in Somalia.

Tipp: Freiwillige für Frieden, Horlemann-Verlag, Bad Honnef, 1998, 261 S. mit zahlreichen Abbildungen. Erhältlich im Buchhandel oder bei United Nations Volunteers, External Relations Group, Postfach 260111, 53153 Bonn.

Doch wie sieht der Aufbau des UNV-Headquarters vorort in Bonn aus?

Das Office of the Executive Co-ordinator (OEC) ist der Kopf der HQ: es leitet das UNV Programm, definiert langfristige Ziele und unmittelbare Zielsetzungen; es koordiniert die Policyformulierung und führt Verhandlungen mit den Gastländern und Geberländern, NGOs and privaten Institutionen.

Der External Relations Group (ERG) fällt die Aufgabe zu, das UNV Programm in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, geeigneten Bewerbern Stellen anzubieten und die notwendigen finanziellen Ressourcen zu mobilisieren. Sie organisiert zwischenstaatliche UNV- und beratendene Treffen.

Die Strategy and Research Group (SRG) vermittelt dem OEC Informationen, Analysen und Policy- Leitung hinsichtlich der Aktivitäten, Beziehungen mit verschiedenen staatlichen Organisationen und dem UN System.

Das Humanitarian Relief Unit and Liaison Office entwickelt Projektkonzepte und -dokumente und engagiert sich in der Programmentwicklung, speziell im Hinblick auf Krisenprävention und -linderung, aber auch für Konfliktresolutionen und vertrauensbildende Maßnahmen.

Die Resources Group (RG) ist verantwortlich, einen Pool von Kandidaten für das UNV Programm bereitzuhalten, ein dynamisches Netzwerk von Volunteers zu erhalten, andere außerhalb von UNV stehende Ressourcen für ein UNV Programm zu gewinnen und zu koordinieren.

Die Operations Group (OG) ist wiederum in verschiedene Länderabteilungen unterteilt. Sie alle sind verantwortlich für die Programmentwicklung, die Identifikation und das Versenden der Kandidaten in die entsprechenden Länder. Die OG pflegen die Kontakte zu dem UN Netzwerk, NGOs und anderen betroffenen Parteien. Es gibt folgende OG: Africa Section (Africa), Asia, Pacific, Europe and Commonwealth of Independent States Section (APEC) und Arab States, Latin America and the Caribbean Section (ARLAC).
Schließlich ist hier noch die Programme Management Support Unit (PMSU) zu nennen. Sie nimmt eine koordinierende und unterstützende Rolle im Programme Operations und Strategy and Research ein. Schwerpunkte liegen hierbei in drei Bereichen: Financial Management Support, Programme Management Support und Volunteer Management Support.

Die Support Services Group (SSG) dagegen stellt administrativen, personellen und finanziellen Service für das UNV HQ zur Verfügung. Sie gewährleistet die bürokratische Rahmenbedingung, die einen reibungslosen Arbeitsablauf der UNV-ArbeitnehmerInnen ermöglichen soll. Die SSG ist dafür in verschiedende Sektionen gegliedert: es gibt die Headquarter Administration Section, die Finance Section, die Information Systems Unit (ISU) und die Common Services Unit.

Wenn ich also das nächste Mal wieder stolz erzählen sollte, daß ich ein Praktikum bei der UN gemacht habe, dann fragt mich: Und wo warst Du? In New York? Genf? Wien? Bonn?! Und dann erzähle ich Euch, wie die Arbeit im UNV HQ war....

pa`rriba


Text: maria-josé poddey

PS.: Der Verein für Entwicklungspolitik lädt ein zu einem Besuch im UNV HQ
Zeit: Mittwoch, den 7. Febr. 2001, 13.50 Uhr
Kosten: keine
Anmeldung: bis 4.2.01 bei Lay oder Caroline
Zielsetzung und Tätigkeitsbereich von UNV werden vorgestellt.
Eine Anmeldung ist notwendig, da der Besuch nur stattfindet, wenn mindestens 20 Personen teilnehmen.
Bitte meldet euch bei:
Layhieng Dang
(Tel:0228/238886, mail:uzs692@uni.bonn.de)
Caroline Seiler
(Tel: 0228/465331)

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