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Poetik des argentinischen Rock (03/2012)

Luis Alberto Spinetta, einer der einflussreichsten argentinischen Rockmusiker, ist am 8. Februar im Alter von 62 Jahren gestorben. Er ist einer der vier Musiker, die im Buch von Oscar Conde behandelt werden, das im Jahr 2010 auch auf Deutsch erschienen ist. Neben Spinetta sind in „Poetik des argentinischen Rock“ weitere Kapitel Charly García, León Gieco und Andrés Calamaro gewidmet. Alle vier haben die Geschichte des argentinischen Rock (mit)geschrieben, der wiederum wegweisend für viele andere Länder des lateinamerikanischen Kontinents war, wenn man an den Einfluss von Bands wie „Sui Generis“ oder „Soda Stereo“ denkt.

Oscar Conde
Poetik des argentinischen Rock
450 Seiten
AbrazosVerlag, Stuttgart 2010

Diese Geschichte, die publizistisch sehr gut aufgearbeitet ist und die 1965 zum Beispiel das erste spanisch gesungene Rockalbum hervorbrachte, beleuchtet Oscar Conde auf rund vierzig Seiten, schildert die politischen Rahmenbedingungen und geht auf die Bedeutung der Texte und Texter dieser Musik ein. Denn die Analyse der in Spanisch und Deutsch abgedruckten Texte bildet den Schwerpunkt der dann folgenden Musikerporträts, die auf Interviews des jeweiligen Autors – alles Literaturwissenschaftler – und viel Archivarbeit beruhen.

Dabei fallen die Kapitel sehr unterschiedlich aus: Während Belén Iannuzzi ihre 100 Seiten über Spinetta als eher trockene Textanalyse angelegt hat, reichert Josefina Russi das Porträt von Gieco mit weitaus mehr persönlichen Details an. Conde selbst hat den 150seitigen Text über Charly García verfasst, den Gottvater des argentinischen Rock, der Schlüssellieder wie „Canción de Alicia en el país“ geschrieben hat, deren politische Bedeutung in dem Buch genau beschrieben wird. María José Mascia schließlich behandelt mit Andrés Calamaro den jüngsten der vier wortstarken Musiker. Calamaro verbrachte einen Teil seiner Karriere („Los Rodríguez“) in Spanien, kehrte aber nach sechs Jahren in die Heimat zurück. Sein Werk ist insgesamt weniger politisch, was sich aus seiner im Vergleich zu den Anderen späteren Geburt erklären lässt.

Das Buch liefert – trotz seiner manchmal etwas hölzernen Übersetzung – einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des argentinischen Rock, aber auch der dortigen Jugendkultur und Gesellschaft. Krönendes Beiwerk ist eine CD mit 18 Songs aus den Jahren 1967-2007, inklusive der spanischen und deutschen Texte. Sie enthält auch eines der wichtigsten Lieder des argentinischen Rock, „La balsa“ aus dem Jahr 1967.

Cover: amazon