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Pancho-Essen: der heiße Hund

Letzte Woche wurde ich von einigen Argentinos eingeladen. Zum „Pancho-Essen“. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, aber dennoch verbirgt sich da weit mehr als nur ein Schnellimbiss mit Freunden und Bekannten. Wir konsultieren also das Diccionario del lunfardo:

Pancho. Lenguaje popular. Tipo de salchicha alemana que se popularizó hace algunas décadas entre nosotros y se come con mostaza, mayonesa y ketchup en trozos o en sandwich.

Jetzt haben wir es. Das gute alte Wienerwürstchen (oder auch Frankfurter genannt) ist also gemeint – eine Fleischwurst eben. Und das Ganze garniert mit Senf, Mayonnaise und Ketchup. Im Brötchen oder in kleinen Scheiben. So ähnlich, wie sie hier im Rheinland wohl die Currywurst servieren. Und weiter:

Es el clásico hot dog estadounidense.

Das verwundert mich jetzt schon, warum gerade die Argentinier sich an die USA ernährungstechnisch anlehnen, wo sie dem nordamerikanischen Kollegen doch sonst in allen Lebenslagen gerne die Stirn bieten. Uns ist das in diesem Moment egal und wir beginnen unser Essens-Zeremoniell, das doch noch ein klein wenig erweitert wird.

Um einen gelungenen Pancho zu servieren, geht man wie folgt vor: Die kleinen, leicht gesüßten weißen Brötchen werden erst mal getoastet. Anschließend wird das heiße Würstchen in das Brötchen gelegt und dann gehts richtig los. Ketchup, Senf, Mayonnaise, Gürkchen, Tomaten, Peperoni (normal und eingelegt), Mais, geraspelter Käse und dann, das darf gar nicht fehlen, Chips oben drauf. Salz und Pfeffer sollten ebenfalls bereit stehen.

Das wunderbare an diesem einfachen Mahl ist die mannigfaltige Belegung des Panchos. Je nach Gusto können natürlich auch alle anderen Zutaten auf der argentinischen Ausgabe des Hot Dogs landen. Sehr gut eignen sich diese „Pancho-Essen“ dann, wenn es weitere Reste zu verwerten gibt. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Außer durch die Abmessung des zu belegenden Brötchens vielleicht.

Natürlich wird dazu gut gekühltes Bier serviert, der Wein muss brav im Regal bleiben, denn der passt da gar nicht zu! Denkt man streng national, dann bitte Quilmes. Ob als Premium oder als dunkler Bock ist herzlich egal. Auch Isenbeck kommt in die engere Wahl, zumal es sich dabei um deutsches Bier handelt – die Familie wanderte im späten 19. Jahrhundert nach Argentinien aus, um dort ihre Braukunst an den Mann zu bringen. Tja, das einzige was dann noch fehlen kann, sind nette Tischgespräche, die mit gefüllten Bäuchen noch leichter zu bewerkstelligen sind!

In Buenos Aires selbst findet man den Pancho an vielen Ecken und er ist super lecker. Vom einfachen Laden bis zum unübersichtlichen Schnellimbiss-Durchschleif-Restaurant, mit zig Eimerchen, die die verschiedensten Garnierungsmöglichkeiten bieten, ist für jeden Geschmack etwas dabei.