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Ode an die Biodynamik

Laderas de Montejurra 'Emilio Valerio' Navarra 2012

Biodynamischer Anbau bedeutet im Weinbau vor allem eines: Der Weinberg wird als lebendiger Organismus verstanden und so gepflegt, dass er sich selbst erhält. So kommen ausschließlich biodynamische Pflanzenstärkungsmittel sowie Kompost-Präparate zu ganz bestimmten Zeiten zum Einsatz. Die Produzenten setzen lediglich in bestimmten Mengen die sogenannte „Bordeaux-Brühe“ (Kupfer) und Schwefel ein, um den Echten und Falschen Mehltau zu bekämpfen. Konventionelle Agrochemikalien und Düngemittel sind nicht erlaubt.

Laderas de Montejurra 'Emilio Valerio' Navarra 2012
Laderas de Montejurra ‚Emilio Valerio‘ Navarra 2012

Viele Menschen bezweifeln, dass diese Art Weinbau funktionieren kann und behaupten, dass Wein, den man sich selbst überlässt, automatisch zu Essig wird. Dass dies ein Vorurteil ist, beweisen die vielen großartigen Gewächse, die es mittlerweile gibt. Eines der Weingüter, das zu einem echten Experten im biodynamischen Weinbau geworden ist, ist „Laderas de Montejurra“ in Dicastillo im ehemaligen Königreich Navarra.

Das kreisförmige Gebäude der Bodega wurde vor sieben Jahren erbaut und befindet sich inmitten von 25 Hektar Weinbergen, die an den Hängen des Montejurra liegen. Dabei handelt es sich um ein Massiv, das vor allem durch Sand- und Kalkstein geprägt ist. Die Winde Navarras sind etwas rauer und salzhaltiger als im Rest des Landes und die Parzellen der Bodega, die aufgrund des Bodens und ihrer Ausrichtung alle etwas anders beschaffen sind, befinden sich rund 400 bis knapp 700 Meter über dem Meeresspiegel. Auch der Niederschlag variiert hier stark; gemessen wurden in den vergangenen Jahren zwischen 200 und 1.000 Liter pro Quadratmeter pro Jahr.

Aufgrund dieser Herausforderungen hat sich lange Zeit niemand getraut, Weinbau zu betreiben – bis die Eigentümerfamilien von Laderas de Montejurra in den 1980er Jahren damit begannen, dieses Terroir zu kultivieren. Ihnen ist es gelungen, die Vielfalt der Böden und Höhen sowie die besonderen geologischen und klimatischen Gegebenheiten für die biodynamische Herstellung ihrer charakterstarken Weine zu nutzen. Dabei bestand die erste große Herausforderung darin herauszufinden, welche Rebsorten am besten zu den jeweiligen Parzellen passen. Im Weinkeller wird der Wein jeder Parzelle separat in Holzfass, Stahltank oder Beton ausgebaut.

Auch der Emilio Valerio 2012 ist ein biodynamisch erzeugter Wein, der die Leidenschaft der Winzer und ihren Respekt vor der Natur vereint. Vier Rebsorten hat die Bodega in diesem Wein assembliert: Cabernet Sauvignon, Merlot, Graciano und Garnacha. Schon seine Farbe demonstriert die Kraft dieses Weins: Kirschrot fließt er ins Glas. Bei genauerem Hinsehen offenbaren sich violette Reflexe. Intensive Aromen von Waldbeeren, Sauerkirsche und Cassis steigen in die Nase, begleitet von üppigen Thymian-, Rosmarin und Salbeinoten. Am Gaumen dominieren ebenfalls Sauerkirsche und Cassis, ergänzt von einer feinen Mineralität und einer belebenden Säure. Auch im Nachhall demonstriert dieser Wein seine Kraft: langanhaltend, aromatisch, leicht würzig und mit erfrischenden Fruchtnoten verabschiedet er sich. Von Essig keine Spur.

Lars BorchertText + Fotos: Lars Borchert

Über den Autor: Lars Borchert ist Journalist und schreibt seit einigen Jahren über Weine aus Ländern und Anbauregionen, die in Deutschland weitestgehend unbekannt sind. Diese Nische würdigt er nun mit seinem Webjournal Der Wein-Vagabund. Auf caiman.de wird er ab jetzt jeden Monat über unbekannte Weine aus der Iberischen Halbinsel und Lateinamerika berichten.

Written by Lars Borchert

Lars Borchert

Lars Borchert ist Journalist und schreibt seit einigen Jahren über Weine aus Ländern und Anbauregionen, die in Deutschland weitestgehend unbekannt sind. Diese Nische würdigt er nun mit seinem Webjournal wein-vagabund.net. Auf caiman.de berichtet er ab jetzt jeden Monat über unbekannte Weine aus der Iberischen Halbinsel und Lateinamerika.

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