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Montblanc – Im Monat der katalanischen Feste

In Spanien müsste der Neujahrstag eigentlich der 1. September sein, denn die Menschen denken in Intervallen von Sommer zu Sommer. Sätze wie: „Nach dem Sommer mache ich …“ gehören genau wie die berühmt-berüchtigten guten Vorsätze zu den letztendlich sich in Schall und Rauch auflösenden Versprechen.

1Der September ist dennoch ein guter Monat, prall gefüllt mit Sommerenergie und Sommerideen, die aus der angenehmen Trägheit der Mittagshitze geboren wurden. Mit dem Ende des letzten wirklich heißen Monats und dem Beginn des spanischen neuen Jahres verändern sich aber nicht nur die Einheimischen, sondern auch die Besucher des Landes. Jetzt kommen diejenigen, die nicht nur Sonne suchen, sich dafür aber mutig in Kulturelles stürzen. Wer dazu nach Katalonien fliegt, der kommt um Barcelona kaum herum, sollte aber nicht vergessen, dass es noch viel mehr zu entdecken gibt.

Besteigt man in Barcelona (am besten in der Estació de França, einem der schönsten Kopfbahnhöfe Europas) den Zug in Richtung Lleida, so erreicht man nach zwei Stunden das Städtchen Montblanc, im katalanischen Hinterland gelegen.

Die mittelalterliche Stadt mit ihren 6000 Einwohnern liegt in dem rötlich-erdfarbenen Tal Conca de Barberà, das von einer immergrünen Bergkette vom Meer getrennt wird.

Gesprochen wird überwiegend Katalanisch, mit dem so charakteristisch breiten e’ Südkataloniens. Der ganze Stolz Montblancs ist die mittelalterliche Stadtmauer, die seit einigen Jahren liebevoll wieder in Stand gesetzt wird. Diese verleiht der Stadt einen Hauch vergangener Zeiten, und es fällt nicht schwer, sich einen der über zwanzig Türme mit Wachtposten besetzt vorzustellen. Tatsächlich – so will es jedenfalls die Sage – tötete hier an einem ausgewiesenen Stadttor der heilige Georg einen Drachen. Seit einigen Jahren wird der Kampf während der alljährlichen Mittelalterwoche von den Einwohnern Montblancs inszeniert.

Aber auch ohne Sagen, die der Stadt ein wenig Tourismus bescheren, kann man Montblanc und seine kleinen historischen Gässchen genießen. Der Freund historischer Monumente findet sich in Montblanc im Zentrum der Zisterzienser-Route, die drei der wichtigsten Klöster in ganz Katalonien anläuft: Poblet, Santes Creues und Vallbona de les Monges. Großzügige, geradezu reiche Architektur, gepaart mit der Enthaltsamkeit der Zisterzienser, machen die Klöster ganz besonders sehenswert. In dem historisch bedeutsamsten der Drei, Poblet, liegt der Erobererkönig Jaume I. begraben, einer der wichtigsten Könige des katalanischen und des aragonesischen Königreichs.

Neben dieser „offiziellen“ Kultur gibt es die gemeine Volkskultur. Ein gutes Stück populärer Kultur bilden die festes majors der Dörfer und Städte, die gerade jetzt, gegen Ende des spanischen Sommers, überall gefeiert werden.
Diese Feste sind tatsächlich Volks-Feste, hier feiert das ganze Dorf auf die ihm eigene Art. Abends versammeln sich Jung und Alt zu den Klängen eines Orchester oder einer Disco mit Laser Show. Die Qualität der Musiker ist dabei ebenso fragwürdig wie zweitrangig: Sie tut der Stimmung keinen Abbruch. Was zählt sind gute Laune, eine Flasche Cava (spanischer Champagner) und der Tanz bis Sonnenaufgang. Da im Sommer jedes Dorf an einem anderen Datum feiert, ist es ein Leichtes von einer festa zur anderen zu wanken. Neben den Tanzveranstaltungen, die sicherlich der Dreh- und Angelpunkt einer jeden festa major sind, gibt es aber auch vielerlei andere kulturelle Aktivitäten.

Das beginnt bei dem traditionellen Tanz der Giganten. Jedes Dorf (bei Städten jeder Stadtteil) besitzt sie, diese vier Meter hohen Figuren, auf den Schultern getragen, die historische Persönlichkeiten, typische Dorfbewohner oder auch Phantasiegestalten darstellen. Sie sind Teil des Umzuges Richtung Marktplatz. Dort angekommen, ertönt dann spezielle Musik, zu der diese Riesen tanzen. Die Kraftanstrengung ist trotz der Leichtbauweise der Figuren für die Träger enorm, und die daraus resultierenden Bewegungen eher langsam und behäbig.

Zwischen den Füßen dieser Giganten tummeln sich häufig die caps grossos, die Großköpf. Sie besitzen Lebensgröße, so dass der Kopf Körper und Beine des Trägers verdeckt. Zu den anderen traditionellen Festaktivitäten zählt das Knallerspektakel correfoc und die xocolatada, bei der kostenlos und für alle der dickflüssige katalanische Kakao ausgeschenkt wird. Neben der traditionellen Kultur zeigen die Dörfer aber auch, was sie sonst noch so an Kunst zu bieten haben. Für ein paar Tage verwandeln sie sich und legen ihren verstaubten Charme zugunsten einer glänzenden Vitalität ab. Montblanc selber begeht sein großes Fest vom 6.-11. September, so dass sich ein Besuch besonders zu dieser Zeit lohnt.

Tipps:

Unterkunft
In Montblanc wohnt man am besten in einer der kleinen Fondas (Herbergen), da nach allgemeiner Ansicht das große lokale Hotel Ducal einiges zu wünschen übrig lässt.

Speis und Trank
Hervorzuheben ist das typisch katalanische Essen, das in den Fondas angeboten wird, insbesondere der Fonda dels Àngels. Zum Essen gereicht wird Allioli (Knoblauch und Öl), dessen Name Rezept ist: aus dem kalt gepressten, nativen Öl, das aus einer kleinen und sehr kräftigen Sorte Oliven (den arbequines) gewonnen wird, vermischt mit reichlich Knoblauch und viel Muskelkraft, gewinnt man eine Art Paste, die zu Brot oder Fleischgerichten unglaublich gut schmeckt. Dazu gibt es einen meist leicht gekühlten lokalen Rotwein. Wer eine bessere Flasche sucht, der kann sich an die örtliche Kooperative oder einen der Weinkeller mit seinen Preis gekrönten Produkten wenden.

Umgebung
Für den Naturfreund fangen bei Montblanc die herrlichen Berge von Prades an, die mit ihrem dichten Pinienbewuchs und den klaren Quellen zu Spaziergängen und Wanderungen einladen. Auf riesigen Felsplateaus, 1200 Meter über dem Meeresspiegel, kann man aus der Ferne die Sonne untergehen sehen und das Spektakel der Farben vor dem unendlich weiten Land genießen. Einige wenige Berghütten stehen für Übernachtungen bereit.

Anreise
Montblanc ist von Barcelona aus bequem mit dem Zug in rund zwei Stunden erreichbar. Auch von Tarragona fahren täglich mehrere Züge nach Montblanc. Der nächste Flughafen ist Reus, den aber im wesentlichen Chartermaschinen anfliegen.

Reisezeit
Eigentlich das ganze Jahr. Im Frühjahr und im Herbst regnet es von Zeit zu Zeit und im Winter kann es durchaus auch mal kühler werden. Von Minusgraden ist man aber meist trotzdem noch ein Stück weit entfernt. Aufgrund der besonderen klimatischen Bedingungen regnet es im allgemeinen wenig in der Conca, aber sicherheitshalber gehört etwas gegen den Regen in das Gepäck.

Services
Montblanc hat alles, was der Tourist so braucht. Im Kreisamt kann man kostenlos im Internet surfen und es gibt sogar ein kleines Krankenhaus. Banken, wie überall in Spanien, ohne Ende.

Infos im Netz
www.conca.altanet.org Die offizielle Webseite des Kreises Conca de Barberà mit allgemeinen Infos. Leider nur auf Katalanisch.
www.larutadelcister.info Infos über Montblanc und die drei umliegenden Zisterzienserklöster.