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momostenango und der teufelstanz

Es ist der 31. Dezember. Wir sind mit dem Auto auf dem Weg nach Momostenango und haben keine Ahnung, was wir uns unter dem Tanz der Teufel vorzustellen haben, hoffen aber natürlich, daß es sich lohnt. Nach etlichen Kurven und Schlaglöchern erreichen wir ein kleines Dorf, das vielen anderen in Guatemala gleicht. Nichts Außergewöhnliches bemerkend nähern wir uns der Dorfmitte und werden langsam etwas unruhig. Oh Gott, haben wir etwa diesen Teufelstanz verpaßt? Schnell stellen wir das Auto ab und beginnen unsere Erkundung zu Fuß.
„Ay, perdón abuelita, findet heute hier nicht ein Teufelstanz statt?“
„Sí sí, die haben auch schon getanzt.“
“ Wie, ist es schon vorbei?“
„No no, die kommen wieder, das geht alles bis spät in die Nacht; wenn Sie auf dem Marktplatz Musik hören, ist es wieder soweit.“
Wir sind beruhigt, auf dem Marktplatz steht tatsächlich eine wacklige, bunt bemalte Holzbühne.

Ansonsten ist hier aber keine Menschenseele. Sollten wir vorsichtshalber noch einmal jemanden fragen? Ach was, die alte Frau wird uns schon keinen Bären aufgebunden haben.
Also, erstmal einen Kaffee trinken. Wir finden ein cooles Café, der Treff im Dorf, gute Shakes und frisch gemachte Pommes, ein Familienunternehmen (auf Anfrage darf man auch die private Toilette der Familie benutzen… falls man kein Dorfbewohner ist, versteht sich).
15.00 Uhr! Da flitzt doch tatsächlich ein Teufel am Fenster vorbei, nichts wie los, dem Ungetüm hinterher. Der erste von wenigen denken wir. Aber weit gefehlt!
Auf dem Marktplatz stoßen wir auf mindestens 30 seiner Art, und es werden mehr und mehr. Und wenn jemand gedacht hat, alle Teufel sähen gleich aus… schon wieder weit gefehlt!
Es gibt rosafarbene mit weißen Punkten, schwarze, weiße, fliederfarbene, blaue, braune, bunte, einige mit riesigen Flügeln (Hell´s Angel Aufdruck), andere ohne Flügel, einige mit kunstvoll gefertigten, bestickten Kostümen und andere, die sich anscheinend nur das Bettlacken umgehängt haben, junge, alte…

Doch sie haben auch Gemeinsamkeiten: Sie tragen alle wild aussehende, ganzköpfige Gummimasken und sind offensichtlich nicht mehr allzu nüchtern. Die Musik fängt an, die Band kreischt und findet auch nach mehreren Anläufen keinen durchgehend harmonisch klingenden Rhythmus. Plong-Plong-Pling-Pling-Yeah, wir sind begeistert, einfach genial, und die klapprige Bühne wackelt gefährlich.
Die Teufel, mehr oder weniger einen Kreis bildend, beginnen mit dem Tanz. Sie sind ganz aus dem Häuschen, zwei Schritte nach vorne, einen zurück, einen zur Seite und irgendwann mehr zufällig eine rasante Drehung. Choreographisch vielleicht keine herausreagende Leistung, aber den Teufeln macht es Spaß, das ist ja wohl die Hauptsache!
In der Mitte liegt eine 15 Meter lange Metralleta, was wörtlich übersetzt Maschinengewehr bedeutet und auch fast so klingt: Ratarataratarata! Auf der Metralleta tanzen zwei leicht komatös wirkende Gestalten, die anscheinend kein Kostüm mehr bekommen haben (übrigens die einzigen Beiden, die kein Interesse daran hatten vor der Kamera zu posieren). Grund zur Sorge? Ach was, die Jungs haben Übung.

Das ganze Dorf (was davon noch abzüglich der Teufel übrig ist) schaut zu, auch nicht mehr ganz nüchtern. Und wir entdecken sage und schreibe noch zwei andere multikulturelle Freunde anderer Nationen (Touris). Also doch nicht die einzigen… aber fast! Abrupt verstummt die Musik. Sich nach Farben sortierend zieht jede teuflische Gruppe für sich vor ihre bar preferido. Eine Reihe bildend und vornüber gebeugt wird diese erstürmt, um dann bei der nächsten Tanzrunde noch intensiver mitwirken zu können (Wiederholung erfolgt stündlich).

Nicht schlecht, offenbart sich doch dem erstaunten Touristen der Zweck dieser Aufstellung erst, nachdem ihm klar wird, daß das Durchqueren einer 1,8 Meter hohen Türöffnung für die mit Flügeln 2,5 Meter großen Teufelchen unmöglich ist.
Schönes neues Jahr, sage ich da nur, und wenn Ihr zufällig in Guatemala seid, guckt es euch an!

Tips: Der Ausflug kann mit einem Abstecher nach „San Fransisco el Alto“ abgerundet werden, dort gibt es sonntags einen sehr schönen Tiermarkt. Er liegt auf dem Weg, ca. 20 Minuten von Momostenango entfernt.