logo caiman
caiman.de archiv
 

Lauschrausch: Nuñez - Suba

Die monatliche Kolumne zu Musik aus Lateinamerika, der Karibik, Spanien und Portugal. Hier findet ihr Folklore, Latinjazz, Rock und Elektroakustik neben Speedmetal, Funk und Kammermusik. Ob Tango, Kaseko, Guajira, Flamenco, Fado, Axé, Punta oder die Mischung aus allem, hier kommt es auf den Prüfstand. Vorgehört und serviert von Torsten Eßer.

Various
Gerardo Núñez presenta
The New School of Flamenco Guitar
ACT 9413-2

"Meine Leidenschaft, meine Form, mich auszudrücken, ist der Flamenco - ich bin Flamenco", schreibt Paco de Lucia im Vorwort zum Buch "Flamenco" von Bernard Leblon. Dieses Gefühl vermitteln auch die sechs Gitarristen auf der neuen Produktion des Labels ACT. Gerardo Núñez gehört zur Nachfolgegeneration von Paco de Lucia und sicher momentan zu den besten Flamencogitarristen Spaniens. Aber er spielt nicht nur den "reinen" Flamenco: In vielen Projekten hat er sein musikalisches Wissen erweitert, mit Musikern aus Kuba oder im Jazz-Projekt "Jazzpaña II". Diese Wissen gibt er nun weiter und neuen Talenten eine Chance ihre Kompositionen einem größeren Publikum vorzustellen.

Anfang 2002 lud er fünf Nachwuchsgitarristen in sein Studio ein, bearbeitete mit ihnen ihre Stücke und nahm sie auf. Herausgekommen ist eine wunderschöne und weitgefächerte Darstellung dessen, was sich im Flamenco auf der iberischen Halbinsel tut. Dabei nutzen die die gesamte Bandbreite der Flamencostile, ob Bulería, Fandango oder Rumba.


José Manuel León, neben Núñez der einzige Andalusier, unterlegt seine Kompositionen sparsam mit Perkussion und E-Bass und knüpft so direkt an die Innovationen an, die Lucia einst in den Flamenco einführte. Ebenso macht es der Madrider Antón Jiménez in einer Komposition.

Er hat, wie auch der erst 15jährige Jesús de Rosario, eine Rondeña für dieses Album bearbeitet, einen alten, kaum noch populären Flamencostil, bei dem sich normalerweise ein Violine zur Gitarre gesellt. Vicente Cortés und Juan Antonio Suarez "Cano", stammen beide aus Barcelona. Während Cortés eine hitverdächtige Rumba ausgewählt hat, bleibt "Cano" Purist und spielt seine drei Stücke ohne Begleitung. Als letzter tritt der "Meister" selbst auf. Und man hört den kleinen Unterschied: Nah kommen seine Schüler an Núñez‘ Spiel heran, aber nur nah. Doch man wird sicher noch viel von ihnen hören.

Suba
Tributo
Ziriguiboom 80275

Suba stand bei seinem tragischen Tod im November 1999 kurz davor, einer der gefragtesten Musikproduzenten Brasiliens zu werden. Als er beim Brand seines Studios ums Leben kam, hatte er gerade sein eigenes Album "São Paulo Confessions" fertiggestellt und arbeitete mit Bebel Gilberto an ihrer Platte "Tanto Tempo". Freunde und Mitstreiter aus diesen Produktionen traf sein Tod so sehr, das sie Ihm zu Ehren "Tributo" produzierten.

Da auch die Originalbänder der Songs von "São Paulo Confessions" bei dem Brand vernichtet wurden, ist "Tributo" eine Sammlung von Remixen, postmortem fertiggestellten Kooperationen, älterem Live-Material und neuen Songs. War schon die CD des gebürtigen Serben Suba eine sehr tanzbare Überraschung, so sind es die Stücke auf "Tributo" erst recht.

So hat sich Subas langjähriger Freund Vanjus aus Novi Sad des Stückes "Tanto Desejos" angenommen, die Sängerin Cibelle, die ebenfalls auf Subas Album vertreten war, arrangierte "Sereia" neu, Boys from Brazil steuerten ein neues Stück bei und Kátia B vollendete das mit Suba angefangene "Are you sleeping?". Diese CD wird Subas Anspruch gerecht, seine geliebte brasilianische Musik vorsichtig zu erneuern und weiterzuentwickeln. Suba ist tot, es lebe Suba!

Text: Torsten Eßer
Fotos: amazon.de

Weitere Artikel zur Kolumne findet ihr im Archiv.







newsletter//abonnieren
Archiv
nach




© caiman.de GbR - disclaimer - impressum - mediadaten pa´rriba