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Lateinamerikanische Autoren in Deutschland (12/2013)

Interview mit César Rosales-Miranda (Asociación de los autores latinoamericanos en la emigración europea)

Auf der Frankfurter Buchmesse ist seit 15 Jahren ein Verein vertreten, der sich um die Belange lateinamerikanischer Autoren in Deutschland / der EU kümmert. Ziel des Vereins „Asociación de los autores latinoamericanos en la emigración europea“ ist die Verbindung zwischen Autoren, Literaturagenten und Verlegern herzustellen, um Werke veröffentlichen zu können.

Mit dem „Vereinsvorsitzenden“, dem Peruaner César Rosales-Miranda aus Hannover, hat sich Torsten Eßer in Frankfurt unterhalten.

Wie viele Mitglieder hat euer Verein?
Aktuell sind es zwischen 40 und 50, aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas. Die Fluktuation ist hoch, da viele Schriftsteller häufiger umziehen und sich bei mir nicht ummelden (lacht!). Aber ich würde uns auch eher als Autorengemeinschaft bezeichnen, denn als Verein.

Wie ging es los?
Im Jahr 1999 wurden einige von uns von der litprom (Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika), die die Gastprogramme für die Buchmesse in Halle 5.0 organisiert, zur Buchmesse eingeladen. Sie hatten einen kleinen Bereich – vier Quadratmeter – für lateinamerikanische Autoren reserviert und suchten Autoren, die in der Emigration leben. Und so kamen dort u.a. aus Berlin Esther Andradi (Argentinien), eine kolumbianische Autorin, Walter Lingan (Peru) aus Köln und ich zusammen. Wir stellten dort unsere Bücher aus und vor. Das ging vier Jahre so weiter, aber dann zerfiel die Gruppe, auch weil einige Mitglieder Deutschland wieder verließen. Ich habe dann – ehrenamtlich – das Ruder übernommen.

Handelt es sich um bekannte Autoren?
Es sind schon professionelle Autoren, aber leben können sie davon nicht, also haben die meisten noch einen anderen Job. Natürlich gibt es auch Anfänger, aber die Mehrheit von uns hat auch schon vorher, in unseren Heimatländern, publiziert.

Warum leben sie in Europa?
Die meisten kamen aus politischen Gründen in die BRD und in die DDR, zu Zeiten der Militärdiktaturen in Lateinamerika. Einige kamen auch während der Wirtschaftskrise in Argentinien. Heute leben rund 100.000 Lateinamerikaner in Deutschland, davon sind etwa 30.000 hier geboren.

Was für Erfolge kann der Verein vorweisen?
Zum Beispiel die Wiederauflage eines Buches von Esther Andradi, ein Erzählband, in dem sie 14 lateinamerikanische Autoren und Autorinnen versammelt und das zuvor schon in Argentinien erschienen, aber nicht mehr erhältlich war. Und mit unserer Hilfe konnte es in Spanien erneut veröffentlicht werden. Und für viele andere Autoren haben wir es über fundraising geschafft, zweisprachige Titel ihrer Werke herauszugeben oder Übersetzungen zu finanzieren. Viele dieser Werke sind außerdem insofern „besonders“, als dass sie in der Migration entstanden sind und deshalb eine spezielle Sicht vorweisen, von Lateinamerikanern in Europa auf Dinge in Europa oder in der fernen Heimat.

Und was bringt euch der Stand auf der Buchmesse?
Hier knüpfen die Autoren Kontakte. Und sie können auch einige Bücher verkaufen, samstags und sonntags. Aber die Kontakte zu Institutionen und Veranstaltern sind sehr interessant. Denn wir organisieren ja z.B. selbst keine Lesungen, arbeiten aber eng mit solchen Vereinen zusammen, wie der Tertulia „La Ambulante“ in Köln. Probleme gibts natürlich auch: Ein Problem ist bzw. wird die Standmiete auf der Messe. Sie wurde viele Jahre von der Messe gesponsert. Das war dieses Jahr vorbei: Aus Platzgründen mussten wir zudem noch auf eine andere Halle ausweichen. Hier in Halle 5.1., wo die etablierten Verlage und ganze Länder sich präsentieren, sind die Mieten viel höher als in Halle 5.0. So musste ich alternative Geldquellen erschließen, doch aufgrund von Spenden hat es dann geklappt. So sind wir neben dem Stand von Peru gelandet, für den ich während der Messe ohnehin schon immer Sachen organisiert habe.

Foto: Torsten Eßer

Buchtipps:
César Rosales-Miranda
Migrafiti Alemania. Cuentos sobre inmigrantes hispanohablantes
Schmetterling Verlag, Frankfurt 2013

Esther Andradi (Comp.)
Vivir en otra lengua: Literatura latinoamericana escrita en Europa
Ediciones del Instituto Movilizador de Fondos Cooperativos, Buenos Aires 2007

Carlos Müller
Die Kanarischen Inseln. Reise durch die Zeit
Dagmar Drewes Verlag, Celle 2005
http://www.carlos-mueller.de/index.html