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La Paloma – das (Jahrhundert-) Lied (09/2008)

Auch der Hamburger Musikjournalist Rüdiger Bloemeke ist der Melodie von La Paloma verfallen und hat im Jahr 2005 ein Buch über die Geschichte dieses Liedes auf den Markt gebracht. Erstaunlicherweise bedient sein Cover das Meeres-Klischee, obwohl er die Bedeutungswandlung des Liedes im Buch kritisch beschreibt. In seinem Werk hat er über die bekannten Fakten hinaus viele Details gesammelt, so zum Beispiel den Text der DDR-Version des Liedes oder die Anekdoten zu Don Robertson, dem Texter der Elvis-Version. Überhaupt leistet sich Bloemeke viele ausschweifende Geschichten zu einzelnen Personen, die für das Lied Bedeutung hatten, wie Heinrich Rupp, der Texter der ersten deutschsprachigen Version, oder für die das Lied Bedeutung hatte, wie für den Dichter Joachim Ringelnatz.

Rüdiger Bloemeke
La Paloma – das Jahrhundert-Lied
Voodoo Verlag Hamburg, 2005
Seiten: 158, Euro: 15,80

Dessen Text erscheint streckenweise persönlicher als jener der Autoren Faltin/Schäfer (s.u.), weil er mit seinen musikalischen und politischen Vorlieben nicht hinter dem Baum hält, wenn er beispielsweise beschreibt, wie La Paloma zur Zeit der 68er in der Schlagerecke verkam und so als „Vogel der Liebe, der Lust, des Friedens“ die Chance verpasste, „die Botschaft geistiger und sexueller Freiheit“ zu verbreiten. Seine Meinung, die Freddy-Version(en) des Liedes sei(en) überragend, kann ich allerdings nicht teilen.

Sigrid Faltin und Andreas Schäfler haben das Begleitbuch zum Film verfasst. Ihm liegen die ersten vier CDs der Trikont-Reihe bei, bestimmt auch, weil sie bei Sigrid Faltin den Auslöser zur Produktion des Films darstellten. Faltin hat ihre Reisen für die Drehs auch genutzt, um noch mehr Geschichten über das Lied zu sammeln, so dass das Buch inhaltlich weit mehr bietet als der Film. Natürlich auch, weil ab Seite 120 Gastautoren zur Feder greifen, u.a. Kalle Laar, der hier eine neue Zusammenfassung seiner Booklet-Texte bietet (zu den vier beiliegenden CDs) und Saxophonist und Komponist Klaus Doldinger, der im Soundtrack zum Film „Das Boot“ mehrfach eine Platte mit La Paloma im Hintergrund erklingen ließ. Übrigens ist das nur einer von vielen Filmauftritten des Liedes. Im französischen Film „Das Auge“ summt Hauptdarstellerin Isabelle Adjani das Lied jedes Mal nachdem sie einen Liebhaber umgebracht hat (berichtet wiederum Rüdiger Bloemeke).

Faltin/Schäfler übernehmen Fakten und einige Geschichten aus Bloemekes Buch, bieten insgesamt aber einen internationaleren Zugang zum Phänomen La Paloma, basierend auf der Recherche zu Faltins Film. Sie erzählen Geschichten aus Sansibar, Hawaii und Mexiko, aber auch aus Afghanistan, wo Ahmed Zahir der Lied in den 70er Jahren populär machte (kommt nicht im Film vor). Das Autorenteam präsentiert natürlich den aktuellen Forschungsstand und ergänzt ihn sogar um eine eigene, neue Erkenntnis: Die ursprüngliche Version von La Paloma ist länger als die bekannte, die beiden Autoren haben die andere Hälfte des Liedes in der Kunstschule von Vitoria gefunden.

Sigrid Faltin / Andreas Schäfler
La Paloma – Das Lied
mare Buchverlag Hamburg, 2008
Seiten: 192 [inkl.4 CD’s], Euro: 48,00

Das Buch zum Film ist aufwendiger gestaltet und bietet reichhaltigeres Foto- bzw. Abbildungsmaterial als Bloemekes Werk, trotzdem empfehle ich La Paloma-Fans beide Bücher zu lesen.

Cover: amazon