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Kultur-Metropole Montevideo

Der Karneval, die schönen und andere Künste

Das kulturelle Leben der Hauptstadt Uruguays ist vielfältig, und das das ganze Jahr über: Theater und Konzerte, Museen, Galerien und Ausstellungen, zahlreiche Musikumzüge, Tanzvorführungen und -veranstaltungen, Feste und – natürlich der Karneval. Er wird in Montevideo mehr als einen Monat lang mit täglichen Straßen- und Bühnenauftritten („Tablados“), auch im Teatro de Verano im Parque Rodó, gefeiert und ist damit zeitlich gesehen der längste der Welt. Die ganze Stadt befindet sich im Rausch, wenn die großen Paraden ähnlich der Río de Janeiros durch die Straßen ziehen (allerdings ohne nackte Brüste und ohne meterhohe Wagen), wenn auf den öffentlichen Plätzen, in den Parks, Bars und an anderen Orten spontan Spektakel improvisiert werden oder wenn bei dem großen offiziellen Wettbewerb die Menschen in unterschiedlichen Kategorien wie der Murga (einer Mischung aus Musik, Gesang, Verkleidung und schwarzem politischen Humor) und den Lubolos (einer afrikanisch geprägten farbenprächtigen Musikpantomime) gegeneinander antreten.

Foto: Karneval in Montevideo / Copyright: Embajada del Uruguay

Während der Karneval (nicht nur in Montevideo, auch in vielen anderen Städten des Landes) ausschließlich im Sommer stattfindet, gibt es Candombe-Umzüge das ganze Jahr über samstags und sonntags in einigen Vierteln der Stadt (vor allem in Barrio Sur und Palermo). Diese aus Afrika stammenden Trommler- und Tänzer-Umzüge (ursprünglich veranstaltet zur Austreibung von Krankheiten und anderen Übeln) sind neben dem Tango die wichtigste musikalisch-kulturelle Ausdrucksform der Uruguayos und zählen seit 2009 zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO. Zu ihren traditionellen Figuren gehören die molembas de ebano (Ebenholzgazellen, gemeint sind attraktive Tänzerinnen, die für Jugend und Lebensfreude stehen), die Matriarchin mama vieja (alte Mutter) und ihr Ehemann, der gramillero (Medizinmann), sowie der escobero bzw. bastonero (Stabmann). Zum Rhythmus der Trommeln und begleitet von Fahnenschwingern ziehen die Figuren durch die Straßen und Bars.

Mindestens genauso populär wie Candombe und Tango ist die größte Bühne der Stadt, zugleich das zweitälteste Theater Lateinamerikas: das Teatro Solís am Rande der Ciudad Vieja. 1856 mit einer Oper von Giuseppe Verdi eingeweiht, wurde das Theater 2004 nach sechsjähriger Renovierung wiedereröffnet. Alles, was in der Theater-, Konzert- und Opernwelt Rang und Namen hat, tritt hier auf. Aus gutem Grund wird das Haus im selben Atemzug mit dem Teatro Colón in Buenos Aires oder dem legendären Opernhaus von Manaus im brasilianischen Regenwald genannt.

Foto: Montevideo, eine Stadt im Rausch / Copyright: Embajada del Uruguay

Neben dem Teatro Solís und anderen kleineren Theatern finden sich in Montevideo zahlreiche Kinos (meist in den „Shopping“ genannten Kaufhäusern beheimatet) sowie eine Cinemathek. Diese Cinemateca Uruguaya ist der wichtigste alternative Filmclub des Landes und zeigt pro Monat zahlreiche Filme unterschiedlichster Regisseure und Nationalitäten zu günstigen Preisen.

Die große Zahl wichtiger Museen in Montevideo ist beeindruckend: Sei es das Museum für plastische Kunst oder das Museum zeitgenössischer Kunst (Espacio de Arte Contemporáneo), das in einem ehemaligen Gefängnis beheimatet ist, sei es das Museum für visuelle Kunst (Museo Nacional de Arte Visuales) im Rodó-Park oder das dem Maler Torres García gewidmete Museum in der Altstadt – sie alle sind ebenso faszinierend wie die historischen Museen der Stadt, zu denen das Fußball-Museum im Estadio Centenario (hier fand 1930 die erste Fußball-WM überhaupt statt) und das Gaucho-Museum gehören.

Reiseführer Uruguay: Dieser Text ist dem Reiseführer Uruguay – Handbuch für individuelles Entdeckenerschienen im Reise Know-how Verlag entnommen. Wer nicht bis zum nächsten caiman warten, sondern möglichst schnell mehr über Uruguay erfahren möchte, kann sich diesen Reiseführer für 16,95 Euro unter info@larsborchert.com persönlich beim Autor bestellen oder im gut sortierten Buchhandel kaufen.

Titel: Uruguay – Handbuch für individuelles Entdecken
Autor: Lars Borchert
ISBN: 978-3831725908, Seiten: 300, Verlag: Reise Know-How

Written by Lars Borchert

Lars Borchert

Lars Borchert ist Journalist und schreibt seit einigen Jahren über Weine aus Ländern und Anbauregionen, die in Deutschland weitestgehend unbekannt sind. Diese Nische würdigt er nun mit seinem Webjournal wein-vagabund.net. Auf caiman.de berichtet er ab jetzt jeden Monat über unbekannte Weine aus der Iberischen Halbinsel und Lateinamerika.

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