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Göttliches im Hafen La Libertad

Mindestens einmal im Monat fährt jeder Capitaleño (Haupstadtbewohner) zum Hafen von La Libertad. 37 Kilometer von San Salvador an der Pazifikküste gelegen, bietet er die spontane Möglichkeit, sich vom hektischen Treiben der Hauptstadt El Salvadors zu erholen. Der Fischerort trägt den Namen des Hafens und ist mit seinen 40 623 Einwohnern eher beschaulich. Parallel zum Strand verlaufen vier Straßen, die von weiteren neun gekreuzt werden.

Mit dem Auto beträgt die Fahrt 30 Minuten, außer man wählt die abenteuerlichere Variante und nimmt den Bus, Route 102, der eineinhalb Stunden benötigt und lediglich einen Dollar kostet.

Vamonos al puerto! ist unter den Einheimischen eine gängige, beliebte und Tageszeit unabhängige Aufforderung, die Mittagspause oder den Abend in einem der Restaurants am Meer zu verbringen. Die Möglichkeit innerhalb kürzester Zeit auf einer übers Meer gebauten Terrasse zu sitzen, die Brandung zum Greifen nah, die Sonne im Gesicht, einen Cocktail in der Rechten und Gambas in der Linken, treibt einem hier zu Lande Tränen in die Augen.

Eine Live-Band, Trios oder Combos genannt, bilden die kleine Variante der berüchtigten Mariachis. In kunterbunten Hemden, mal weniger gut mal besser aufspielend, preisen sie für zwei bis vier Dollar pro Song ihr Liedgut an. Kult sind beispielsweise: El Rey, Mujeres Divinas, Cielito Lindo, Gema, Tres Regalos, Reloj, Serenata Guazteca. Unerfahrene in dieser Musikrichtung, sollten die Auswahl ruhig der Band überlassen.

Restaurants
Den Strand entlang gibt es ein Meeresfrüchte-Restaurant nach dem anderen. Oft wird man schon an der Straße auf die Vorzüge des jeweiligen Lokals hingewiesen, muss sich allerdings manchmal vehement der Muchachos erwehren. Die Anzahl und Namen der Restaurants oder kleineren Comedores wechseln ständig, doch findet man ebenso ein paar alt gediegene und empfehlenswerte.

Fährt man nach La Libertad ein und hält sich rechter Hand Richtung San Diego (zehn Kilometer entfernter schöner Badestrand) so trifft man zunächst auf das Restaurant La Curva, das einen tollen Ausblick und prima Cocktails zu Mojarra, panierter mit Garnelen gefüllter Süßwasserfisch, bietet. Ganz in der Nähe befindet sich das Dolce Vita.

Die mit Meeresfrüchten gefüllte Languste veranlasst einen, dem Chefkoch persönlich die Hand zu schütteln. In dieser Richtung befinden sich auch in Stein belassene Schwimmbäder und ein sehenswerter Wasserfall.

Hält man sich in La Libertad links, durchquert die kleine Stadt und biegt hinter dem Fischer-Steg rechts ab, so bietet sich einem eine große Auswahl an kulinarischen Köstlichkeiten. Das beste Restaurant, Rancho Mar El Delfin, liegt am Ende der Straße und wartet mit einer unglaublichen Aussicht in alle Himmelsrichtungen auf. Dort kann man typisch salvadorianische Meeresgerichte und landestypische Musik genießen. Weitere gute Restaurants sind das Restaurante Sandra und das Punta Roca.

Meeresfrüchte
Hoch im Kurs stehen frische Austern und Conchas, schwarze Muscheln, sowie deren große Schwester, die Casco de Burro (Eselshufe), die allerdings nicht immer vorrätig ist. Letztere müssen fangfrisch sein. Dies testet man am besten, indem man die Muscheln mit Limonen Saft beträufelt. Sie müssen zappeln!

Ebenfalls ein Muss sind die cocteles, Meeresfrüchte-Cocktails, die nichts mit Drinks zu tun haben:
• Coctel de camarones: in Limonensaft gegarte Gambas. Als Variante wird der Cocktail auch in Aioli gereicht.
• Ceviche: in Limonensaft gegarter Fisch, Krake, Calamaris, Languste oder Conchas.
Zu überzeugen weiss auch die Mariscada, eine Meeresfrüchte-Suppe, die entweder nur auf Gemüse und Fond basiert oder mit Milch und Sahne angemacht wird.

Die beliebteste Variation ist diejenige, die mindestens fünf Meeresfrüchte enthält: Fisch, Garnelen, Languste, Krebs und Kalamaris und mit einem Schildkrötenei dekoriert ist (letzteres ist eigentlich nicht mehr zugelassen und sollte nicht unterstützt werden).

Dann gibt es noch die Cremas, Suppen, die nur eine der oben genannten Meeresfrüchte enthalten und mit Creme Fraiche zubereitet werden.

Boquita-Bars
Zum Fisch wird eiskaltes Bier getrunken. Tatsache ist, dass jederman in El Salvador zu seinem Bier eine Gratis-Boquita (Kleinigkeit zu Essen) bekommt. In El Salvador wird daher das Restaurant nach den vorrätigen Boquitas ausgewählt. Die Beliebtesten sind: Conchas, Chaqualines en tomatada (kleine Krabben frittiert mit Tomate und Zwiebeln) und Tortillas (frittiert und mit geriebenem Käse bestreut).

Fischer-Steg
Der Steg ist einen Besuch wert. Hier werden von Muscheln über Seepferdchen bis hin zum beliebten Haifischzahn alle Arten von Souveniers feilgeboten. Auch hier gibt es ein paar Essenstände mit Pupusas de Chaqualin (Maistortillas gefüllt mit luftgetrockneten Krabben) und Pupusas de Pescado (Fisch). Sie schmecken köstlich, sollten aber von denen, die ihrem Magen nicht trauen, gemieden werden. So gegen 16 Uhr laufen hier die Fischerboote ein und versteigern ihren Fang. Frischen Fisch billig zu ersteigern ist hier an der Tagesordnung und Rabatt wird immer gewährt.

Fotos: Camila Uzquiano