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Genuss im Schlauch

Flor del Montgó Monastrell 2008

Soll ich, oder soll ich nicht – Wein in einem Plastikschlauch kaufen? Kann das überhaupt ein guter Wein sein, oder einfach nur billige übersäuerte Plörre?

Flor del Montgó Monastrell 2008
Flor del Montgó Monastrell 2008

Fakt ist: Schon von der Antike an bis hin ins Mittelalter wurde Wein neben Amphoren und Fässern auch in elastischen Gebinden transportiert und gehandelt. Gerade in Spanien war die bota de vino (oder kurz bota), ein Trinkbeutel aus Leder, sehr beliebt. Diese Beutel gibt es sogar heute noch. Traditionellerweise wurden sie innen mit einer dünnen Schicht Pech versiegelt, heute dagegen werden sie meist mit Gummi beschichtet. Während in den vergangenen Jahrhunderten spanische Landarbeiter und Bauern ihren Trinkbeutel mit zur Feldarbeit nahmen, nehmen heute vor allem Touristen die botas als buntbedrucktes Souvenir mit nach Hause.

Die moderne Antwort auf die botas ist schon seit Jahrzehnten der Plastikschlauch, auf Marketingdeutsch Bag-in-Box genannt. Die üblichen Größen sind drei und fünf, manchmal auch zehn Liter. Diese Weinschläuche stecken in einem Karton mit Zapfeinrichtung, die keine Luft hineinlässt, sodass der restliche Wein nicht oxidiert. Deshalb ist es möglich, den angebrochenen Schlauch über Wochen allmählich zu leeren, ohne dass der Wein an Qualität verliert. Mittlerweile werden nicht nur einfache, sondern auch bessere Weine im Schlauch angeboten.

Einer von ihnen ist der Flor del Montgó Monastrell von der Bodega Montgó. Sie liegt im Osten Spaniens in der Nähe von Murcia. Weinmacher ist David Tofterup, ein Däne, der in Spanien ein neues Zuhause gefunden hat. Der Flor del Montgó Monastrell besteht zu 85 Prozent aus Monastrell und zu 15 Prozent aus Shiraz. Erhältlich ist er sowohl als auch: in Flaschen – und Schläuchen. Die Reben für diesen Wein sind über 30 Jahre alt. Ein klarer Wein von intensiver kirschroter Farbe. Im Glas entwickelt er ein duftiges Bukett mit leichten Anklängen an Kirsche und Brombeere. Auch im Mund dominieren Kirschnoten, außerdem dunkle Beeren und eine Kräuternote. Eine frische Säure und knackige Tannine legen sich über den Gaumen. Im Abgang ist er lange anhaltend.

Sicherlich ist dieser Wein eher für Picknicks oder Partys geeignet als für ein Fünf-Gänge-Menü oder einen Abend zu zweit am Kamin. Aber es spricht nichts gegen einen simplen, gut gemachten Biowein, der gerade mal sechs Euro die Flasche oder 15 Euro im Drei-Liter-Schlauch kostet. Und: Vergleicht man die Bag-in-Box mit einer gängigen Glasflasche, so spart man 85 Prozent Abfall und 55 Prozent CO2-Emissionen; was ebenso bemerkenswert ist wie das Preis-Genuss-Verhältnis dieses Monastrell.

Lars BorchertText + Fotos: Lars Borchert

Über den Autor: Lars Borchert ist Journalist und schreibt seit einigen Jahren über Weine aus Ländern und Anbauregionen, die in Deutschland weitestgehend unbekannt sind. Diese Nische würdigt er nun mit seinem Webjournal Der Wein-Vagabund. Auf caiman.de wird er ab jetzt jeden Monat über unbekannte Weine aus der Iberischen Halbinsel und Lateinamerika berichten.

Written by Lars Borchert

Lars Borchert

Lars Borchert ist Journalist und schreibt seit einigen Jahren über Weine aus Ländern und Anbauregionen, die in Deutschland weitestgehend unbekannt sind. Diese Nische würdigt er nun mit seinem Webjournal wein-vagabund.net. Auf caiman.de berichtet er ab jetzt jeden Monat über unbekannte Weine aus der Iberischen Halbinsel und Lateinamerika.

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