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Fischmarkt in Palma

Fisch-Variationen soweit das Auge reicht: Muränen, dicke Muscheln, Sardinen, Sardellen, Haie, Camarones, Pulpos…

Sechs Fischverkäuferinnen befinden sich in unserem unmittelbaren Sichtradius. Alle kauen (wie sich herausstellt hundsgemeine Kartoffelchips), trinken Rotwein oder Bier und rauchen eine Zigarette nach der anderen. Ab und an pulen Sie mit den Fingern zwischen ihren Zähnen oder werkeln am Fisch: entschuppen, ausnehmen, köpfen. Danach werden die Hände kurz in den einzigen Wassereimer getaucht und weiter geht die Nascherei.

Der Anblick ist faszinierend, haben wir doch mit dem „De´s Peix“, dem Marisco-Tapa-Stand in mitten des Geschehens der Fisch-Markthalle Palmas, den idealen Beobachtungsposten gefunden.

Wir halten es mit den Verkäuferinnen, schlürfen Vino Rosado, rauchen Fortunas und testen eine Tapa nach der anderen: kleine Sepia am Spieß, Gambas in Meerwasser gekocht und einen scharfen Cocktail aus diversen Mittelmeer-Schweinereien.

Drei Halbwüchsige entdecken den halben Hai am ersten Stand. Sofort wird die gesamte Schulklasse zusammengetrommelt, und bald tatschen, kneifen, streicheln, schlagen 40 flinke Hände den nur noch aus Kopf und Brustkorb bestehenden Jäger. Am meisten Spaß aber hat die Fischmamsel, die zur Freude der Kleinen, dem Schrecken des Meers immer wieder das Maul aufreißt und sich dann am Rumpf des Kollegen zu schaffen macht, sprich Scheiben abschneidet und verkauft.

Es ist 13.40 Uhr, wir bestellen Boquerones en vinagre. Die Ruhe, die eingekehrt war, nachdem der Lehrer seine Schäflein zum Aufbrechen hatte motivieren können, verflüchtigt sich nun zu Sehens. Der Feierabend rückt näher, und die Stimmung unter den Fischmägden und den wenigen männlichen Verkäufern steigert sich im Verlauf der nächsten halben Stunde zu euphorischen Liebesbekundungen, feist-spaßigen Beschimpfungen, sexuell sehr eindeutigen Gestiken bis hin zu kleineren Fischschlachten…

Ja, Palma de Mallorca im Februar ist eine Reise wert:

enge Gassen, Strand-
promenade, Straßencafes, Tapa-Bars – einige besonders exzellente verbergen sich in den Kellergewölben nahe der Kathedrale „La Seo“.

Absolut bissfestes Highlight jedoch sind Palmas Fisch-Markthallen „Mercat de´l Olivar“ (im Nordosten der Altstadt). Genießt das Treiben und gönnt euch ein paar meeresfruchtige Leckereien im „De´s Peix“.

Öffnungszeiten: von den unchristlichen Morgenstunden bis etwa 14.30 Uhr. Also spätestens gegen 13.00 Uhr den Platz am Tresen des einzigen Tapastandes sichern.

Written by dirk klaiber

dirk klaiber

dirk klaiber, geb. 1969, lebt in berlin, ist herausgeber des online kultur- und reisemagazins caiman.de / internet: www.caiman.de

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