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Finesse, Frucht und Mineralität

Finca Moncloa: Stattlicher Tinto aus der Heimat des Sherrys

Seit 3.000 Jahren wird in dem andalusischen Städtedreieck Jerez de la Frontera, Sanlucar de Barrameda und Puerto de Santa Maria Sherry vinifiziert. Heißt es. Das ist aber ein Irrtum. Denn es waren die Mauren, die den spanischen Weinbauern das Sherrymachen beibrachten. Und das war zu Beginn des 9. Jahrhunderts – nachdem sie den südlichen Teil der iberischen Halbinsel erobert hatten.

Finca Moncloa Cabernet Sauvignon & Syrah 2006.
Finca Moncloa Cabernet Sauvignon & Syrah 2006.

Inzwischen, 1.200 Jahre später, wachsen in den Weinbergen der Region auch wieder Rebsorten für klassische Rot- und Weißweine. Die Finca Moncloa, die zu dem Sherry-Imperium González Byass gehört, ist der Pionier auf dem Weg zurück zu den (Wein-)Wurzeln.

Einer ihrer am meisten beachteten Weine ist der Finca Moncloa Cabernet Sauvignon & Syrah 2006.

Diese Cuvée besteht aus 51% Cabernet Sauvignon, 38% Syrah, 12% Merlot und 1% Tempranillo. Sie ist auch einer ihrer meist prämierten Weine – unter anderem mit der Silbermedaille des renommierten britischen Weinmagazins Decanter. Zu Recht, sie ist einer der finessenreichsten Rotweine des gesamten spanischen Südens und kommt neben ihrer faszinierenden Frische und beispielhaften Mineralität ungemein dicht und gehaltvoll daher. Tief kirschrot mit purpur-rubinroten Glanzlichtern fließt sie ins Glas und entfaltet dort einen opaken Kern. Ein vielschichtiges Bukett aus roten Beeren, Vanille, Edelhölzern, Gewürzen und dunkler Schokolade steigt in die Nase.

Am Gaumen ist dieser stattliche rote Botschafter aus dem Sherry-Dreieck weich und fruchtig, zugleich aber auch kraftvoll und vielschichtig. Sein Tannin legt sich reif und seidig über Zunge und Zähne. Keine Spur von marmeladiger Überreife, von Rumtopfnoten oder einer Alkoholdominanz: allesamt unerwünschte Parameter, die Gaumen und Nase unschön attackieren. Stattdessen brillieren Präzision, Frische und Fruchttiefe. Absolut beeindruckend auch der Spannungsbogen von der Zungenspitze bis in den warmwürzigen Nachhall, der Vanille, Kaffee und Kakao aufleben lässt.

Mit dieser Cuvée ist der Finca Moncloa ein Wein gelungen, der beweist, dass der spanische Süden noch eine lange weinreiche Zukunft vor sich hat – mit oder ohne Sherry. Und das ist sicherlich kein Irrtum.

Lars BorchertText + Fotos: Lars Borchert

Über den Autor: Lars Borchert ist Journalist und schreibt seit einigen Jahren über Weine aus Ländern und Anbauregionen, die in Deutschland weitestgehend unbekannt sind. Diese Nische würdigt er nun mit seinem Webjournal Der Wein-Vagabund. Auf caiman.de wird er ab jetzt jeden Monat über unbekannte Weine aus der Iberischen Halbinsel und Lateinamerika berichten.

Written by Lars Borchert

Lars Borchert

Lars Borchert ist Journalist und schreibt seit einigen Jahren über Weine aus Ländern und Anbauregionen, die in Deutschland weitestgehend unbekannt sind. Diese Nische würdigt er nun mit seinem Webjournal wein-vagabund.net. Auf caiman.de berichtet er ab jetzt jeden Monat über unbekannte Weine aus der Iberischen Halbinsel und Lateinamerika.

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