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Das Geheimnis des Cajuina-Saftes

Es ist vollbracht! Eines der am besten gehüteten Geheimnisse ist endlich gelüftet – das Geheimnis des Cajuína-Saftes, dieses wunderbaren Getränks.

Bis in die ländlichen Ausläufer Teresinas waren wir vorgedrungen und litten unter der höllischen Hitze als eine 78-jährige Frau an unsere Türe klopfte und uns einen Eimer voller Caju-Äpfel schenkte. Oder sollte ich zum besseren Verständnis Cashew sagen? Der Caju-Apfel ist die Faust große Frucht, auf der die weltbekannte Cashew-Nuss sitzt. Nur zur Info.

„Wollt Ihr das Geheimnis des Cajuína-Saftes kennen lernen?“, fragte uns die Dame, und so gingen wir mit ihr in jenen Hinterhof des Hauses ihrer Schwägerin, auf der anderen Seite jener Straße, die das kleine Dörfchen teilt.

An großen Tischen „sezierten“ die Arbeiterinnen und Arbeiter des Familienbetriebs Caju-Äpfel und drehten sie durch eine Art Fleischwolf. „120 Flaschen Saft produzieren wir in zwei Stunden“, sagte der schwitzende Mann an der Fleischwolfmühle ohne aufzublicken. Die Schwägerin fing den ausgepressten Saft in einem Eimer auf. Später dann wird sie gut zwei Liter der Flüssigkeit mit Gelatine anrühren und danach erneut dem Eimer zuführen. „So wird der Saft gereinigt, was nötig ist bevor wir ihn erhitzen können“, erklärte sie.

40 Minuten nach dem Erhitzen gießt die Schwägerin den Saft durch einen Filter aus Stoff, bevor er in kleine Flaschen abgefüllt und mit Kronenkorken verschlossen wird. Danach geht es ab ins Wärmebad, einer über einem Feuer stehenden Badewanne voller Wasser. Zwei Stunden lang müssen die Flaschen im heißen Bad verweilen, wobei das Wasser im Laufe dieses Prozesses nur 30 Minuten lang kochen darf. „Mit Hilfe der Hitze erreichen wir einen natürlichen Konservierungsprozess, der den Saft für zwei Jahre haltbar macht.“

Während einer Caju-Ernte produziert die Familie auf diese Weise 700 Flaschen Cajuína. „Die Hälfte davon verschenken wir an Freunde und Verwandte, den Rest verkaufen wir zu 2,50 Reals die Flasche.“ Die 78-Jährige holt ein paar Flaschen aus dem Eisfach, damit wir das himmlische Getränk probieren können. KÖSTLICH!

PS: Für all diejenigen, die keine Anhänger von Cajuína sind, haben wir ein tolles Mango-Eis-Rezept mitgebracht:

1 Dose gezuckerte Kondensmilch (Milchmädchen)
1 Becher Sahne
1 Glas Milch
1 Ei (ohne Eigelb)
3 Gläser Mango-Fruchtextrakt

Das Ganze im Mixer verrühren, ab in die Kühltruhe. Und viel Spaß beim Essen. HIMMLISCH!

Fotos: Thomas Milz

Written by Thomas Milz

Thomas Milz

Seit 1999 ist Tom für den Caimán in Südamerika unterwegs, seit 2002 lebt er in Brasilien. Dort arbeitet er als Texter und Fotograf für den Bayerischen Rundfunk (BR), die Katholische Nachrichtenagentur (KNA), die Deutsche Welle (DW), die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) und andere Zeitungen und Magazine. Bibliografie: "Brasil Subtil" (deutsch, 2004), "O Brasil dos correspondentes" (portugiesisch, 2008, Herausgeber), "Joias de Crioula" (Fotobuch 2010). 

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