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Brahma (argentinisches und brasilianisches)

Zecas alte Liebe

Ist dieses Bier wirklich so gut, dass man seinetwegen einen Bierkrieg vom Zaun bricht? Das Caiman-Team hat sich aufgemacht, um dieser Frage nachzugehen.

Brahma ist eigentlich ein alter Hut. In den letzten Jahren hat es viele Anhänger an Skol abgeben müssen, das zurzeit beste Bier unter den großen überregionalen Marken. Genau wie Antarctica werden Skol und Brahma von AmBev (American Beverage) vertrieben, einem Unternehmen, das sich vor einigen Jahren durch den Zusammenschluss von Brahma und Antarctica bildete.

BrahmaAmBev ist offizieller Sponsor der brasilianischen Fußballnationalmannschaft und versucht seit Jahren mit dieser Partnerschaft sein Softgetränk Guaraná weltweit zu lancieren.

Vor einigen Wochen wurde die gemeinsame Zusammenarbeit von AmBev und der belgischen InterBrew bekannt gegeben, die unter anderem das deutsche Becks weltweit vertreiben.
Ziel dieser Partnerschaft soll sein, Brahma zu einer weltweiten Marke auszubauen. Und so wirbt Brahma zurzeit mit dem Slogan „Brahma – o Brasil conquistando o mundo“ (Brahma – Brasilien erobert die Welt).

Wir haben uns Brahma mal etwas genauer zur Brust genommen und ein paar Schlucke gewagt. Zur Bewertung standen drei Varianten: die herkömmliche, in Brasilien vertriebene Variante und ihre Light-Schwester, sowie die in Argentinien hergestellte Brahma-Version.

Sowohl die argentinische als auch die brasilianische Vollversion können mit 5% Alkoholanteil aufwarten. Dem augenscheinlich großen Durst der Argentinier wurde Rechnung getragen, so dass Brahma hier in 0,473 Liter Dosen vertrieben wird, wohingegen die brasilianische Version in der 0,35 Liter Dose im Regal zu finden ist.

Vom Outfit her sind beide Dosen nahezu identisch, lediglich kleine Änderungen wurden im Logo vorgenommen. Das argentinische Logo trägt eine lorbeerbekränzte „1“, wobei das brasilianische einen größeren Maßkrug abbildet als sein argentinisches Gegenüber.

Schon kurz nach dem Eingießen müssen wir feststellen, dass die argentinische Variante eine wesentlich kräftigere Farbe hat, in einem strahlenden Gelb daherkommt. Demgegenüber erscheint das brasilianische Pendant heller, wässriger, bildet dafür einen Tick mehr Schaum als das argentinische. Nach dem ersten Schluck weisen beide nur geringfügige Unterschiede auf. Vom Zungenspitzen-Geschmack her überzeugt letztlich das argentinische, wobei die brasilianische Variante insgesamt mehr Körper hat, dicker und herber erscheint. Diese recht kleinen Unterschiede sind jedoch auf die regional unterschiedlichen Wasserqualitäten zurückzuführen, da die verwendeten Ingredienzien identisch sind.

Brahma Light ArgentinienDiesen beiden letztlich eher durchschnittlichen Bieren stellen wir die brasilianische Light-Version gegenüber. Zuerst die gute Nachricht: dieses Bier ist vollkommen tageszeiten-unabhängig – egal, wann man es herunterwürgt, es schmeckt immer gleich schlecht.

Lediglich 3% Alkoholgehalt erwarten uns. Bei gleicher Farbschattierung wie die brasilianische Vollversion bietet Brahma Light letztlich nicht viel anderes als pures Wasser, das so muffig riecht und schmeckt wie ein vom Rheinhochwasser durchtränktes Fotoalbum aus den 30er Jahren. Damit erfüllt es alle Kriterien, die ein Bier braucht, um als für die Mittagpause eines Buchhalters ideal zu gelten. Für alle anderen sei gedroht: Finger weg von diesem Gemisch.

Fazit: Sowohl in Brasilien als auch in Argentinien gibt es bessere Biere. Aber zur Not ist es zu ertragen, besonders, wenn man keine andere Wahl hat.

Bleibt die Frage, ob sich der in den letzten Wochen um dieses Bier entstandene „Bierkrieg“ lohnt. Unserer Meinung nach nicht, denn Skol ist um Längen besser!

Wenn also demnächst auch in Ihrem kleinen Supermarkt am Ende der Welt plötzlich ein brasilianisches Bier namens Brahma im Regal steht, wissen Sie, was Sie erwartet. Und sagen Sie bloß nicht, dass wir Sie nicht gewarnt hätten.

Bier-Bewertung: Brama (Brasilien)

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Bier-Bewertung: Brahms Light (Brasilien)

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Written by Thomas Milz

Thomas Milz

Seit 1999 ist Tom für den Caimán in Südamerika unterwegs, seit 2002 lebt er in Brasilien. Dort arbeitet er als Texter und Fotograf für den Bayerischen Rundfunk (BR), die Katholische Nachrichtenagentur (KNA), die Deutsche Welle (DW), die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) und andere Zeitungen und Magazine. Bibliografie: "Brasil Subtil" (deutsch, 2004), "O Brasil dos correspondentes" (portugiesisch, 2008, Herausgeber), "Joias de Crioula" (Fotobuch 2010). 

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