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Antarctica (Brasilien)

Man schmeckt vor allem eins – Wasser. Hansapils grüßt Brasiliens Pinguine.

„Für Brasilien heißt es jetzt ALCA (amerikanische Freihandelzone unter US-Führung) oder Antarctica“, hat George W. Bush letzte Woche gesagt, und die Brasilianer scheinen eine passende Antwort darauf gefunden zu haben: Lula wählen und Antarctica trinken. So einfach geht das. Dabei trinkt der Brasilianer im Durstschnitt 50 Liter Gerstensaft pro Jahr, der Deutsche drei mal so viel. Dafür ist das Bier hier durchgefroren.

Bier Antarctica Brasilien

Die blonde Schönheit des Antarctica-Werbespots benutzt das Bier als Parfum, zum Bügeln und gießt es sich in den Ausschnitt. Dieser, so meldete gestern eine Zeitung, sei übrigens mit jeweils 175ml erweitert worden, allerdings Silikon statt Bier. Insgesamt also 350ml, genau die Menge einer der hier so beliebten Dosen. Na dann Prost! Und auf zum Test.

Ein erster Blick ins Internet verrät, dass es sieben verschiedene Varianten von Antarctica gibt: Antarctica Pilsen, Antarctica Pilsen Extra, Antarctica Pilsen Extra Crystal, Antarctica Original, Antarctica Malzbier (wird hier übrigens Mausiebär ausgesprochen), Chopp (vom deutschen Schoppen), Antarctica Claro (also hell) und Chopp Antarctica Escuro (also dunkel). Hm? Der Typ an unserer Tankstelle kennt auf jeden Fall nur eine, und die auch nur in der Dose. Auch im Supermarkt um die Ecke gibt’s nur die einfache Dosenversion mit 5% Alkohol, Antioxidationsmittel INS 316, Stabilisator INS 405, Karbonhydrate, Wasser, Malz und dem guten alten Hopfen.

Wenn die Sonne knallt und man seit Stunden nix mehr getrunken hat, kann Antarctica richtig gut sein. Jetzt, beim Test in der heimischen Küche, schmeckt es zu aller erst mal nach Wasser. Dann kommt lange nix, und dann ein verhaltener Rülpser. Ziemlich sprudelig, das Ganze. Allerdings haben die Dosen heute auch schon einiges mitgemacht: Mein Kumpel hat sie in das Eisfach gelegt, den Kühlschrank dann auf 7, die höchste Stufe, gedreht, und sie dann einfach vergessen. Sogar die Margarine im untersten Fach war steif, und die Dosen dermaßen im Eisfach festgefroren, dass ich den ganzen Kühlschrank abtauen musste, um sie loszubekommen. Jetzt schmeckt das ganze eher nach Sprudelwasser als nach Bier. Aber mein Kumpel hat eine andere Erklärung parat: „Antarctica schmeckt überall anders, weil sie immer verschiedenes Wasser benutzen, je nach Region.“ Aha. „Und im Nordosten schmeckt Antarctica richtig lecker.“ Ach so!

Auch wenn eine hiesige Zeitschrift verkündet, dass Antarctica bei einem streng wissenschaftlichen Biertest im guten Mittelfeld gelandet ist, für mich ist es das schlechteste der vier großen brasilianischen Biermarken. Gegen SKOL, BRAHMA und KAISER verliert Antarctica eindeutig. Man bekommt ja noch nicht einmal Kopfschmerzen nach einer durchzechten Nacht. Und von den angeblichen 5% ist auch nichts zu spüren. Vielleicht soll das ja heißen, dass nur in 5% der gesamten Biermenge Alkohol zu finden ist? Dann habe ich wohl bisher immer die restlichen 95% getrunken. Und nicht umsonst ist es bei unserer Tankstelle auch noch das billigste: SKOL 1,60 R$, KAISER und BRAHMA 1,40 R$, Antarctica 1,30 R$. Hansapils lässt grüßen.

Da können sich die beiden Pinguine auf dem Logo auch nur dumm anglotzen.

Bier-Bewertung: Antarctica aus Brasilien (1-4)

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Written by Thomas Milz

Thomas Milz

Seit 1999 ist Tom für den Caimán in Südamerika unterwegs, seit 2002 lebt er in Brasilien. Dort arbeitet er als Texter und Fotograf für den Bayerischen Rundfunk (BR), die Katholische Nachrichtenagentur (KNA), die Deutsche Welle (DW), die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) und andere Zeitungen und Magazine. Bibliografie: "Brasil Subtil" (deutsch, 2004), "O Brasil dos correspondentes" (portugiesisch, 2008, Herausgeber), "Joias de Crioula" (Fotobuch 2010). 

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