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[kol_4] Lauschrausch: Orkesta Mendoza trifft Santo Machango

Mit Vamos a guarachar erschien im Oktober diesen Jahres ein weiteres Album von Sergio Mendoza, einem musikalischen Multitalent aus dem Dunstkreis der Band Calexico. Aufgewachsen in der Grenzstadt Nogales, wo er mit Rancheras, Cumbia, Mambo und Rock ‚n‘ Roll in Berührung kam, später in Tucson auch mit elektronischen Klängen, entwirft der Multiinstrumentalist – u.a. Keyboard, Gitarre, Schlagzeug – mir seinen Kollegen einen vielfältigen Mix aus zuvor genannten Genres. Gut gemachte cumbias fügen sich in die momentan global beliebte Tanzmusik ein, schnelle "Pop"songs mit Farfisa-Orgel-Sound und Bläsersätzen ("Mapache") laden ebenso zum Tanzen ein wie dekonstruierte Mambos ("Mambo a la Rosana") oder der einzige englischsprachige Song, "Shadows of the mind", ein Funk-Soul-Boogaloo-Verschnitt.

Orkesta Mendoza
Vamos a guarachar
Glitterbeat Records

Sänger Salvador Durán schmilzt in der schönen Ballade "Místerio" dahin, umrahmt von Streichern und Klavier. Videospielklänge tauchen auf ("No volvere"), Walzerrhythmen ("Igual que ayer"), eine schnelle Klarinette ("Contra la marea") oder harte Gitarrenriffs über schnellen Salsarhythmen im Song über einen Trommelwirbel ("Redoble"). Ein abwechslungsreiches und tanzbares Spaßalbum, ohne Texte mit Tiefgang. Let’s party!

Ähnlich tanzbar, aber mehr in der anglophonen Musik (Funk, Rock) verankert und wesentlich härter, ist das letzte Album von Santo Machango aus Barcelona. Street Funk und bläserlastige Crossover-Songs ("Simio") mit - teils auf Englisch - gerappten Texten über harten Sex ("Mojo"), oder Metal-Funk ("Yonkys in da house") bzw. Metal-Ska ("Super hot") heizen kräftig ein.

Santo Machango
Mojo
Kasba

"Esperando" dagegen erinnert an Molotov, eine angenehm melodiöse Pause zwischen all dem konstruktiven Krach, ebenso "Solo con más billetes". Zwischendurch klingt ein wenig Reggae an oder auch Big Band-Sound im Abschlußstück "Vividor". Treibende urbane Musik über die Probleme in einer großen Stadt: "Insert coin", Party on!

Text: Torsten Eßer
Cover: amazon

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