ed 12/2016 : caiman.de

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spanien: Auf der Vía de la Plata
Eine Höllenwanderung ins Paradies
BERTHOLD VOLBERG
[art. 1] druckversion:

[gesamte ausgabe]


brasilien: Chamäleon im Winterschlaf
Ein Treffen mit dem Musiker Caetano Veloso
THOMAS MILZ
[art. 2]
argentinien: Kleine Kredite, die Großes bewirken
KATHARINA NICKOLEIT
[art. 3]
uruguay / paraguay: Unbekanntes Südamerika
Bildband "Reise durch Uruguay und Paraguay"
LARS BORCHERT
[art. 4]
erlesen: "Der Herbst des Goldenen Zeitalters"
von Karin Schüller
BERTHOLD VOLBERG
[kol. 1]
sehen: Mezcal, Hochprozentiges aus Mexiko
360° Geo Reportage
[kol. 2]
sehen: Gaucho-Treffen in Uruguay
Ein Film mit David Yetman / ARTE
[kol. 3]
lauschrausch: Orkesta Mendoza trifft Santo Machango
TORSTEN EßER
[kol. 4]





[art_1] Spanien: Auf der Vía de la Plata
Eine Höllenwanderung ins Paradies
 
20. Juni 2015: Um 6:30 breche ich in Cañaveral auf, der ersten Ortschaft hinter dem riesigen Stausee von Alcántara in der Extremadura, zu einem 28-Kilometer-Marsch (aus dem dann fast 34 Kilometer werden). Ich befinde mich auf der Vía de la Plata, dem Pilgerweg, der von Sevilla nach Santiago de Compostela führt. Nach der gestrigen Strapaze verzichte ich diesmal auf den steilen Anstieg zum offiziellen Wanderweg, der links parallel zur Landstraße verläuft und ziehe die deutlich flacher ansteigende Straße nach Grimaldo vor. Die Landschaft wird wieder grüner.

Nachdem der gestrige Weg vor allem durch baumlose Steppe nahe des Tajo-Stausees führte, dominieren nun rote Lehmböden und Steineichenwälder, die sich mit Viehweiden abwechseln.

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Die acht Kilometer bis zum 60-Seelen-Dörfchen Grimaldo schaffe ich in weniger als zwei Stunden. Leider ist die Dorfbar noch geschlossen, der erhoffte Kaffee bleibt also ein unerfüllter Wunsch. Aber der Brunnen zum Nachfüllen der Wasserflaschen ist in Betrieb - wie wichtig die drei Liter Wasser noch werden sollten, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Frohen Mutes biege ich von der Landstraße nun ab auf den offiziellen Via de la Plata, der ab hier ca. 20 Kilometer durch eine einsame Weidelandschaft verläuft, von Häusern oder gar Ortschaften ist bis zum Horizont nichts zu sehen und auch von dem knappen Dutzend Mitpilger, die man abends in den Herbergen trifft, keine Spur.

Mein Weg führt mich - zunächst erholsam und ereignislos - vorbei an gemütlich grasenden Kühen und Ziegen, die sich zwischen knorrigen Steineichen verlieren. Das Morgenlicht verfängt sich in den Moos bewachsenen Ästen dieser uralten Bäume, deren Anblick das Panorama der Extremadura prägt und die unendliche Ruhe ausstrahlen. In der Tat: von Hektik keine Spur. Ich finde bald meinen Rhythmus und dringe langsam, wie in Trance in diese endlos wirkende Landschaft vor, begleitet nur vom Gesang unbekannter Vögel, der ein oder anderen Eidechse, die vor meinen Schuhen davon huscht. Über mir kreist ein majestätischer Greifvogel, von dem ich nicht sicher sagen kann, ob es sich um einen Adler oder einen Knochenbrecher-Geier (Quebrantahuesos) handelt. Wahrscheinlich ersteres, denn ein Quebrantahuesos wäre wohl größer. Noch sind keine dunklen Schatten zu erkennen, das vertrocknete Gras neben dem Wanderpfad schimmert golden und ich fühle mich ein wenig wie im Paradies.

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Da taucht vor mir mitten auf dem Weg ein Weidetor auf (in der Extremadura führt der Weg zum größten Teil über private Weidegründe, die so weitläufig sind, dass meist nur alle zehn Kilometer ein neuer Zaun mit Gatter auftaucht). Normalerweise sind diese Gatter mit einfachen Drahtschlaufen versehen, die von Pilgern oder Wanderern zum Öffnen des Tores kurz angehoben und nach dem Durchgang wieder geschlossen werden. Diese Drahtschlaufe jedoch war fest mit dem Torbalken verschraubt und konnte nicht angehoben werden. Der gelbe Pfeil des Pilgerwegs zeigt aber ganz klar weiter geradeaus, so dass ich beschließe, einfach über das Gatter zu klettern und auf demselben Pfad weiter zu gehen. Die Sonne steht inzwischen hoch, der Schweiß rinnt und meine Schritte werden langsamer. Schon seit längerer Zeit habe ich auf den Steinen am Wegesrand keinen gelben Pfeil mehr entdecken können. Irritiert bemerke ich nun, dass der Pfad vor meinen Augen abwärts Richtung Osten und in ein paar Hundert Metern in weitem Bogen zurück gen Süden führt. Das kann nicht der richtige Weg sein, denn dieser verläuft immer nur nach Norden.

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Und plötzlich entdecke ich sie: riesige schwarze Schatten unter den Steineichen: Kampfstiere! Zuerst verharre ich eine Minute lang bewegungslos, wie eingefroren vor Schreck. Dann gehe ich ganz vorsichtig, wie in Zeitlupe, die ersten Schritte rückwärts, dabei die Ungetüme nicht aus den Augen lassend. Es ist eine kleine Herde, ein knappes Dutzend pechschwarzer Riesen mit gewaltigen, gefährlich spitz zulaufenden Hörnern. Die meisten grasen erfreulich friedlich, zwei liegen im Schatten einer Steineiche und dösen vor sich hin. Ich versuche, meinen Rückwärtsgang bergauf zu beschleunigen, bete zu Gott, dass die Toros brav weiter grasen und keine Notiz von mir nehmen und beglückwünsche mich dazu, mich heute morgen nicht für das grellrote, sondern das himmelblaue T-Shirt entschieden zu haben (die Farbe blau beruhigt, habe ich mal irgendwo gelesen).

Da hebt eines der Ungetüme den Kopf und schnaubt. Die Entfernung beträgt zwar schon über hundert Meter, aber ich sehe mich schon auf die nächste Steineiche klettern, die immerhin hoch genug scheint und dort stundenlang warten. Trotz der Hitze ist mir plötzlich kalt vor Angst, denn gegen einen galoppierenden Kampfstier habe ich bei einer Flucht bergauf keine Chance. Aber der schwarze Riese wendet sich dem Himmel sei Dank wieder seinem Gras zu und ich drehe mich um, um dann so schnell ich kann den Pfad zurück zum Zaun zu laufen. Atemlos klettere ich über das Gatter und muss mich kurz daran festhalten, um den Schreck zu verarbeiten.

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Dann leere ich eine meiner zwei Wasserflaschen in einem Zug. Mein Blick fällt auf einen gelben Pfeil mit Haken, der nach links zeigt: eine Umleitung! Schlagartig wird mir klar, dass der eigentliche Weg aktuell gesperrt ist (deshalb das fest verschraubte Tor) und es eine provisorische Umleitung gibt, die ins Dörfchen Riolobos führt. Schweißüberströmt vor Anstrengung und erlittener Angst marschiere ich nun entlang von bemoosten Steinquadern wieder leicht bergab, die Stiere jenseits der Mauer zurück lassend. Während ich noch fluche über die Idioten, die neue Pfeile für die Umleitung gemalt haben, ohne die alten, die zu den Kampfstieren führen, zu entfernen und mich aufrege über die vier Kilometer meines Energie verschwendenden Umwegs, brummt plötzlich ein Insekt von beträchtlicher Größe dicht an meinem Ohr vorbei. Eine Sekunde später ein brennender Schmerz in meiner linken Schulter: ein Hornissenstich! Am heutigen Tag scheint sich die ganze Natur der Extremadura gegen mich verschworen zu haben. Wohl selten wurden die ehrwürdigen Steineichen an diesem frommen Weg hier Zeugen von einer ganzen Serie von Flüchen, wie ich sie nun wütend heraus brülle. Immerhin fällt mir in diesem Moment ein Fläschchen Teebaumöl ein, das ich nun fast komplett über dem Hornissenstich entleere. Tatsächlich lässt der Schmerz deutlich nach und ich kann meinen Weg fortsetzen.

Als ich endlich gegen 13 Uhr bei Mittagshitze von 40 Grad die Landstraße erreiche und kaum noch Wasser habe, ein erneuter Schock: der direkte Pilgerpfad nach Galisteo ist hier gesperrt, weil die Latifundie eines offenbar pilgerfeindlichen Großgrundbesitzers genau dazwischen liegt. Der Umweg setzt sich also fort: ich muss über den glühenden Asphalt der Landstraße fast fünf Kilometer zurück gen Süden nach Riolobos. Ich bemühe mich aufrichtig, nicht mehr zu fluchen. Morgens um sechs Uhr mögen fünf Kilometer eine Lappalie sein, mittags kurz vor zwei bei glühender Hitze ohne Proviant und fast ohne Wasser auf einem schattenlosen Asphaltstreifen sind sie die HÖLLE.

Ich schleppe mich Richtung Riolobos. Die ersten Häuser tauchen, wollen aber einfach nicht näher kommen. Schweiß brennt in meinen Augen und lässt mich alles verschwommen sehen. Meine Kehle ist völlig ausgetrocknet und ich bin kurz vor dem Kollaps, als ich endlich den Ortsrand erreiche. Und hier erwartet mich nach all den Strapazen das Paradies: "Las Catalinas" ist alles in einem - Campingplatz, Pilgerherberge, Restaurant, Dorfbar, Freizeitzentrum mit Ferienwohnungen direkt neben dem Schwimmbad und Park der Gemeinde. Zuallererst bitte ich krächzend um ein eiskaltes Tonic Water, um mich vor dem Verdursten zu retten.

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Nach einem üppigen Mittagsmahl sitze ich mit dem sympathischen Herbergsvater bei einem Kaffee und er berichtet mir, dass sich heute noch zwei andere Pilger mit letzter Kraft und einem Hitzschlag nahe bei ihm über die Schwelle geschleppt hätten. Einmal angekommen, kann man in Riolobos, das ja nur durch die aktuelle "Umleitung" zu einem Ort am Pilgerweg nach Santiago geworden ist, wunderbar entspannen. Allen gestressten Mitteleuropäern sei empfohlen, einmal die neue Palmenallee zum Ortskern entlang zu flanieren und dort die Störche auf der Dorfkirche zu zählen.

Die Kirche von Riolobos dürfte den Storchennester-Rekord der Extremadura halten: zwei Dutzend Storchennester bevölkern Turm und Dach des Kirchleins und es gibt kaum noch Platz für "Neubauten".  Die Beobachtung der lustigen, torkelnden Flugübungen ganzer Schwadronen von Jungstörchen im Abendlicht ist ein schöner und sehr relaxter Ausklang eines turbulenten Wandertages, der am Ende Stiergefahr und Hornissenstich vergessen lässt.

Text + Fotos: Berthold Volberg

Tipp und Link:
Unterkunft und Verpflegung in Riolobos:
"Las Catalinas": Hauptstraße, am nördlichen Ortseingang linke Seite, Pilgerherberge, Übernachtung inkl. Frühstück im 2-Bett-Zimmer 15 Euro, Möglichkeit zum Wäsche waschen, Pilgermenü 9 Euro.

Der sympathische Herbergsvater bietet auch geführte Touren in den nahe gelegenen Naturschutzpark Monfragüe zum Beobachten von Geiern und Adlern an.
Tel. 927-451150 oder 605-824086

http://www.campinglascatalinas.es/

[druckversion ed 12/2016] / [druckversion artikel] / [archiv: spanien]





[art_2] Kuba: Der durch die Wolken schwebte
Erinnerung an eine regnerische Begegnung mit Fidel Castro

Es regnete schon seit früh in Strömen an jenem Montag, den 26. Juli 1999 in Cienfuegos. Wir hatten uns Stunden vor Fidels geplanter Ankunft aufgemacht, um einen guten Platz auf dem gigantischen Feld zu ergattern, möglichst nahe an der hölzernen Rednertribüne. Die Straßen waren an jenem Tag mit Fahnen und Spruchbändern geschmückt, auf denen dem "Movimiento 26 de Julio" gedacht wurde, der die kubanische Revolution einleitete: der Angriff auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba im Juli 1953.

Fast ein halbes Jahrhundert war seitdem vergangen. Längst knirschte es an vielen Stellen im kubanischen Staat, hinter vorgehaltener Hand erzählten uns die Menschen von den Missständen ihres Alltags. Trotzdem strömten sie auf das Feld in Cienfuegos, das in diesem Jahr für die Feierlichkeiten auserwählt worden war.

Unter Regenschirmen versuchten sich die Menschen vor dem Regen zu schützen, viele hatten sich transparente Plastikplanen übergestülpt. Solange es regnet, kommt er nicht, raunten sich die Umstehenden zu. Sein Hubschrauber könne bei dem Wetter nicht in Havanna starten. Und wenn doch, so könne er bei dieser geschlossenen Wolkendecke nicht landen. Es wurde immer später und düsterer, der grau-schwarze Himmel tünchte die durchnässte Umgebung in dumpfe Pastelltöne. "Er kommt nicht mehr, gehen wir", sagte mein Nebenmann. "Er kommt", entgegnete ein anderer. Wir blieben.

Als der Regen endlich aufhörte, vernahmen wir aus der Ferne ein leises Rotorengeräusch. Es summte irgendwo oberhalb der tiefhängenden Wolken, bis diese sich plötzlich öffneten, direkt über der Rednerbühne am Horizont unseres Blickfeldes. Durch das Loch im Himmel schoss zuerst ein gleißender Strahl der untergehenden Sonne hinab.Dann senkte sich langsam ein olivgrüner Hubschrauber durch die Wolkendecke und glitt entlang des Sonnenstrahls hinab zur Erde. Über dem Platz lag die Stille des Staunens, dann brandete Beifall auf. Wenig später betrat Castro die Rednertribüne, die er über die nächsten Stunden nicht mehr verlassen sollte.

Warum es mich damals so bewegte, weiss ich nicht, aber eine dürre Gestalt mit Barett und oliv-grüner Tarnuniform, die von einem Licht- und Lautsprecherturm hinab Fotos schoss, bereitete mir eine Gänsehaut. Ob es Alberto Korda war? Ob er ein Bild von mir gemacht hatte, wie ich mit ernstem Blick auf den winzigen Castro am Horizont blickte? Ich musste über meine eigene Dummheit lachen.

Wie lange wir noch in unseren aufgeweichten Kleidern auf dem Feld verharrten, weiss ich nicht mehr. Eine, vielleicht zwei Stunden. Dann gingen wir heim, vorbei an den Häusern, aus deren offenen Fenstern und Türen Castros Rede dröhnte. Alle Sender würden die Rede übertragen, hatten wir gehört. Nun redete er scheinbar ohne Ende weiter. Zum Schluss, als wir längst unseren Gutenachttrunk schlürften, soll er dann mit den Worten "Kuba setzt unerschütterlich seinen Vorwärtsmarsch fort" geendet haben.  

Am 25. November 2016 verstummte er nun für immer. Auf den Tag genau 60 Jahre nachdem er mit der Yacht Granma im mexikanischen Tuxpan Richtung Kuba aufgebrochen war. Ihm, der es stets verstanden hatte, seine Auftritte richtig zu timen, war das nun auch bei seinem Abtritt gelungen. Ob sich an jenem 25. November 2016 die Wolkendecke über Havanna öffnete, um Fidel Castro majestätisch durch sie hindurch in den Himmel zu hieven, ist jedoch nicht bekannt. Überraschen würde es mich nicht.

Text + Foto: Thomas Milz

[druckversion ed 12/2016] / [druckversion artikel] / [archiv: kuba]






[art_3] Argentinien: Kleine Kredite, die Großes bewirken
 
Eine gute Geschäftsidee alleine reicht meist nicht, um sich selbständig zu machen - es braucht auch eine Anschubfinanzierung. Die zu bekommen, ist in Argentinien fast unmöglich. Doch Kolping gibt Kleinunternehmer eine Chance.

Geradezu liebevoll setzt Margarita Graef einen Setzling nach dem anderen in die Erde. Noch ist nicht zu erkennen, welches Gemüse hier mal wachsen wird: Salat, Radieschen, Frühlingszwiebeln, Spinat – das sind nur einige der Produkte, die Familie Graef von ihrer Gemüsefarm an die Supermärkte der Umgebung liefert. "2007 haben wir mit dem ersten Gewächshaus angefangen", erzählt die Gemüsebäuerin. Umgerechnet 4.000 Euro brauchte die Familie, um in das Geschäft einsteigen zu können und die 52jährige erinnert sich mit Schaudern daran, wie schwierig es war, das Geld aufzutreiben. "Zu den Banken wollte ich nicht gehen. Die vereinbaren keine festen Zinsen, sondern passen diese ständig nach oben an, je nachdem wie Inflation und Dollarkurs stehen. Wir kennen viele Leute, die über einen kleinen Bankkredit alles verloren haben". Irgendwann empfahl ihr jemand das Kleinkreditprogramm von Kolping und Margarita und ihr Mann konnten Schattendächer und Schläuche zur Berieselung kaufen.

"Derzeit verlangen wir für einen Kredit 36 Prozent, inklusive aller Verwaltungskosten", erklärt Kati Weber und lacht, als der Besuch aus Deutschland hörbar nach Luft schnappt. "Doch, doch, das sind ausgezeichnete Bedingungen, zumal wir eine Laufzeit von bis zu 18 Monaten bieten und garantieren, dass die Zinsen nicht erhöht werden". Kati Weber von Kolpingwerk Misiones betreut die Kleinkreditnehmer, erörtert mit ihnen Marktchancen und erstellt gemeinsam Finanzierungspläne. Bei einer Inflation von rund 30 Prozent ist die Kreditvergabe in Argentinien ein heikles Geschäft. Banken, die darüber Gewinne erzielen wollen, werden unweigerlich zu Wucherern. Bei Kolping kommt es nur darauf an, das Stiftungsvermögen zu erhalten. "Und das ist uns trotz der in den letzten Jahren ständig steigenden Inflation gelungen!", berichtet Kati Weber nicht ohne Stolz.

Dass das Kleinkreditprogramm von Kolping in Misiones schon seit vielen Jahren erfolgreich läuft, hat viel damit zu tun, dass Kati Weber ein Gespür dafür hat, welche Geschäftsideen gut funktionieren. Einige davon sind recht ungewöhnlich – wie zum Beispiel das kleine Unternehmen "Pesque y Pague"- "Fisch und Zahl". Die zwölf Teiche von Raul Schorf sind eine Kombination aus Ausflugsziel und Fischzucht. Am Wochenende wird es schwer, hier einen freien Platz zu erwischen. Während die Kinder spielen, angeln die Väter mit der Garantie auf einen Fang. Sie bezahlen nach Gewicht, können sich ihren Tilapia, Karpfen oder Barsch gleich ausnehmen lassen und dann bei einem Picknick im Grünen grillen. "Die Teiche konnten wir selber ausheben und anlegen, das war kein Problem", erinnert sich Raul Schorf an die Anfänge seine Geschäfts im Jahr 2008. "Aber wir brauchten Material um Toiletten und einen Unterstand für die Gäste zu bauen. Kolping hat uns einen Kredit von 1500 Euro gegeben. Das ging schnell und unbürokratisch und reichte, um das Geschäft in Gang zu bringen".  Mit einem zweiten Kredit finanzierte der 32jährige Familienvater kleine Grillhütten, die die Gäste mieten können. Eine gute Investition, die sich gelohnt hat. "Je nachdem wie das Geschäft läuft, verdienen wir mit unserem Angelplatz damit zwischen 600 und 900 Euro im Monat. Davon können wir gut leben!"

Auch Margarita Graef nahm über die Jahre mehrere Kredite bei Kolping auf, um weitere Gewächshäuser zu bauen und eine Wasserpumpe anzuschaffen. Die Kredite pünktlich zurück zu zahlen, war kein Problem, die Nachfrage ist groß. "Wir könnten doppelt so viel Gemüse verkaufen, aber wir schaffen es einfach nicht, mehr anzubauen. Wir arbeiten so schon jeden Tag von sechs Uhr früh bis abends um neun", meint sie und wirkt ein wenig erschöpft bei dem Gedanken, was heute noch alles zu tun ist. Obwohl das Geschäft so gut läuft und die ganze Familie mitarbeitet, sinken die Gewinne. Inzwischen bleiben für jeden am Ende des Monats nur noch rund 300 Euro. "Der Klimawandel macht uns sehr zu schaffen, es gibt immer häufiger Starkregen, der unsere Ernte ruiniert." Deshalb will Maragrita Graef demnächst noch mal einen Kredit aufnehmen, diesmal für Regendächer. "Gut, dass ich mich an Kolping wenden kann", sagt sie und wirft einen dankbaren Blick in Richtung Kreditberaterin Kati Weber.

Text: Katharina Nickoleit

Weitere Informationen über die Autorin findet ihr unter:
www.katharina-nickoleit.de

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[art_4] Uruguay: Unbekanntes Südamerika
Bildband "Reise durch Uruguay und Paraguay"
 
Was muss ein Bildband können? Muss er beeindrucken, begeistern, unterhalten? Ist es Aufgabe eines Bildbandes zu informieren, zu differenzieren? Uruguay ist eines der Länder dieser Erde, von denen wahrscheinlich jeder schon einmal gehört hat. Aber kaum jemand kann wirklich etwas Konkretes damit verbinden. Rinder und beißende Fußballer, ja, die "Schweiz Lateinamerikas" auch noch, Tango vielleicht... Aber da schiebt sich schon die erste Blockade dazwischen: Moment mal, der kommt doch aus Argentinien. Zurück zum Thema: Uruguay. Uruguay? Wo liegt das noch mal? Und erst recht: Paraguay?

Titel: Reise durch Uruguay und Paraguay
Autorin: Katharina Nickoleit
Fotograf: Christian Nusch
ISBN: 978-3800342549
Seiten: 140
Verlag: Verlagshaus Würzburg - Stürtz
Auflage: 1. (4. April 2016)

Genau an diesem Punkt setzt die erfahrene Reisebuchautorin Katharina Nickoleit an. Um nicht zu sagen, an genau diesem Punkt holt sie die Leserinnen und Leser des Bildbandes Reise durch Uruguay und Paraguay ab: "Eingeklemmt zwischen den beiden großen Nachbarn Brasilien und Argentinien wird das zweitkleinste Land Südamerikas oft übersehen" lautet der erste vielsagende Satz. Gemeint ist Uruguay. Ihm folgt eine herrlich differenzierte und abwechslungsreiche Einführung in dieses unbekannte Land. Flankiert von den mal beeindruckenden, mal dokumentarischen, oft künstlerischen Bildern des Reportagefotografen Christian Nusch tauchen die Leser ein in die entschleunigte undramatische Vielseitigkeit Uruguays: In seine nicht enden wollende Weite, seine kurze aber kraftvolle Tradition und seine pittoresken Kolonialstädtchen. Die Betrachter der mehr als 220 Bilder werden sowohl zum Gast wilder Rodeos als auch Teilnehmer des längsten Karnevals der Welt. Sie begegnen Surfern und Gauchos, deren Rindern und Pferden ebenso wie herrlich alten Autos und auf Hochglanz polierten millionenschweren Yachten in den Häfen. Sie dürfen die beeindruckende Architektur Montevideos, der entspanntesten Hauptstadt der Welt, bewundern und die (ebenfalls) endlosen, unberührten Küsten dieses kleinen Landes, ihre Dünen und schroffen Felsen bestaunen.

Paraguay findet in dem Buch zwar sehr viel weniger Platz. Dennoch gelingt es Autorin wie Fotograf, die Einzigartigkeit dieses noch unbekannteren Landes in Wort und Bild lebendig werden zu lassen. Um nicht zu sagen: Sie zelebrieren seine Seele, die in der tiefen Religiosität der Menschen Heimat und in den Kirchen, Pilgerstätten und natürlich den Ruinen der Jesuiten-Reduktionen Ausdruck findet.

Wer mit Nickoleit und Nusch auf ihre Reise durch Uruguay und Paraguay geht, erlebt ein kraftvoll beeindruckendes Porträt zweier Länder, die zwar mit dieser Reise auf knapp 140 Seiten ihre Unbekanntheit verlieren aber ein Vielfaches an Anziehungskraft gewinnen.

Text: Lars Borchert

Von Lars Borchert im Reise Know-How Verlag erschienen ist der folgende Reiseführer zu Uruguay:

Titel: Uruguay – Handbuch für individuelles Entdecken
Autor: Lars Borchert
ISBN: 978-3831725908
Seiten: 300
Verlag: Reise Know-How
1. Auflage 08/2015

[druckversion ed 12/2016] / [druckversion artikel] / [archiv: uruguay]





[kol_1] Erlesen: "Der Herbst des Goldenen Zeitalters" von Karin Schüller

Schon das Cover unter dem programmatischen Titel legt die Meßlatte hoch, denn da räkelt sich – eher elegant als verführerisch – die berühmte Venus von Velázquez dem Leser entgegen. Und wer hinter dem violetten Vorhang der Venus einen anspruchsvollen historischen Roman erwartet, dessen Erwartungen werden von Karin Schüller voll erfüllt.

Im Zentrum ihres Romans steht die Lebensgeschichte eines irischen Mönchs, der fast sein ganzes Leben im goldenen Exil verbringt: im Spanien des 17. Jahrhunderts, vor allem in Salamanca und Madrid. Die unorthodoxen Ansichten dieses Protagonisten, sein Interesse an Kunst, Natur und "weltlichen Dingen" und nicht zuletzt seine Schönheit werden ihn im Spanien der Inquisition einigen Verführungen aussetzen und manches Mal in Bedrängnis bringen.

Der Herbst des Goldenen Zeitalters
Karin Schüller
Pro Business
Auflage: 1 (28. Juni 2016)
442 Seiten
ISBN-10: 3864602157
ISBN-13: 978-3864602153

Die Autorin lässt ihre Hauptfigur Hugh als Jugendlichen um 1605 im Hafen von La Coruña ankommen, am See von Sanabria ganz kurz das Paradies erleben, um ihn dann sein Gelübde für den Franziskanerorden ablegen zu lassen und Jahrzehnte lang durch Verhandlungen mit dem spanischen Königshaus zur Unterstützung des Freiheitskampfes der Iren gegen England und höfische Intrigen zu führen. Sie schickt ihn zur Erfüllung von Geheimaufträgen nach London und Rom, zur Pilgerreise nach Köln und während der großen Pest nach Prag. Bei der Darstellung der politischen Hintergründe (und Abgründe) sowie der diplomatischen Verflechtungen wird deutlich, dass Karin Schüller als Historikerin über reichhaltiges Detailwissen dieser Epoche verfügt, die man trotz aller Kriege und Katastrophen heute in Spanien die goldene nennt.

Dennoch verlangt dieser Roman vom Leser kein Hintergrundwissen, sondern richtet sich durchaus an ein breites Publikum. Dies erreicht die Autorin durch den Kunstgriff, Europas politische und religiöse Konflikte des 17. Jahrhunderts auf die fiktive und spannende Biographie des irischen Franziskaners zu projizieren. Mit den Augen ihres Protagonisten Hugh lässt sie den Leser die Schrecken (Inquisitionsprozesse) und die Schönheit des Goldenen Zeitalters sehen: Kunst und Theatervorstellungen. Dabei setzt Karin Schüller eine sehr ausgefeilte Sprache ein, die sich wohltuend abhebt von Fast Food Literatur und sich im Ton einer Hommage an das Siglo de Oro als würdig erweist.

Zu den besonderen Höhepunkten des Romans gehören die fiktiven Diskussionen der barocken Hofmaler Velázquez und Rubens mit dem Protagonisten. Sie zeugen nicht nur von den profunden kunsthistorischen Kenntnissen der Autorin. Sie glänzen vor allem durch die passende Charakterisierung dieser Künstlergenies des Goldenen Zeitalters: der vornehmen andalusischen Zurückhaltung des jüngeren Velázquez und seiner subtilen Pinselführung wird die polternde Eitelkeit des älteren, schon völlig etablierten Rubens gegenüber gestellt. Und ganz nebenbei lässt Karin Schüller ein im Brand des Alcázar von Madrid verloren gegangenes Gemälde des Velázquez wieder auferstehen und präsentiert zudem eine ebenso originelle wie geniale Idee zur Entstehung der Venus des Velázquez, die auf dem Buchcover erscheint.

Der "Herbst des Goldenen Zeitalters" war in Wahrheit der eigentliche Glanz von Spaniens Goldenem Zeitalter, denn während die Eroberungserfolge und der Wirtschaftsboom sich vor allem über das 16. Jahrhundert erstreckten, kam es zeitversetzt vor allem Mitte des 17. Jahrhunderts, als Spanien von allen Seiten unter Beschuss geriet und zwischen Wirtschaftskrisen und Staatsbankrotten taumelte, zu einer beispiellosen Blüte der spanischen Kunst, deren größte Exponenten die Maler Velázquez, Zurbarán, Murillo, die Bildhauer Martínez Montañés und Pedro Roldán, alle aus Sevilla, Universalkünstler Alonso Cano aus Granada, die Architekten der Barock-Dynastien der Figueroa in Sevilla und der Churriguera in Kastilien sowie die kastilischen (Theater)Dichter Calderón de la Barca, Lope de Vega und Tirso de Molina waren.

Dem Andenken dieser Kunst-Giganten ist Karin Schüllers Roman gewidmet - und ist dabei selbst ein über 400 Seiten starkes Stück Kunstliteratur geworden.

Text: Berthold Volberg
Cover: amazon

[druckversion ed 12/2016] / [druckversion artikel] / [archiv: erlesen]





[kol_2] Sehen: Höllentrip nach Tijuana
 
Gefahren lauern überall, vor allem für Frauen. Trotzdem sind es Tausende, die sich täglich auf den Weg machen ins gelobte Land. Der Traum von einem Leben in den USA muss riesengroß sein. Monatelang sind sie unterwegs und das ARD-Team um den SWR-Mittelamerika-Korrespondenten Peter Sonnenberg begleitet sie auf diesem unkalkulierbaren Weg durch Süd- und Mittelamerika.

In mehreren Kapiteln dokumentiert der Film die gefährlichsten Abschnitte der Flucht nach Norden.

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto: Flöße aus einer Hölle in die nächste. Der Rio Suchiate trennt Guatemala und Mexiko.

Copyright: WDR/SWR


Sendetermin und Hintergrundinfo
HÖLLENTRIP NACH TIJUANA
Eine WELTWEIT-Reportage von Peter Sonnenberg
Mittwoch (19.10.16) um 22:55 Uhr / 30 Minuten / WDR

Armut ist in den wenigsten Fällen der Motor zur Flucht, die Bedrohung durch Maras oder Drogenhändler im eigenen Land sind der Antrieb. Der Film wirft ein besonderes Augenmerk auf die Frauen, deren Flucht in El Salvador beginnt, im Haus von Veronica Gomez. Sie erzählt, dass sie ihren 14-jährigen Sohn davor schützen will, dass die Maras ihn in ihre gewalttätige Bande ziehen. Dafür lässt sie ihre beiden kleineren Kinder zurück.

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto: Weite Strecken legen die Flüchtlinge zu Fuß zurück. Gepäck? Praktisch keines.

Copyright: WDR/SWR


In mehreren Kapiteln dokumentiert der Film die gefährlichsten Abschnitte der Flucht nach Norden. Von illegalen Grenzübertritten und den verschiedenen Fluchtrouten durch Mexiko. Hier warten kriminelle Banden, die rauben und vergewaltigen. Coyoten - so heißen die Schlepper in Lateinamerika - bieten Fluchtpakete an. Für 8000 Dollar von El Salvador nach Los Angeles, meist im Bus.

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto: Warten auf den nächsten Güterzug Richtung Norden.

Copyright: WDR/SWR


Doch wer das Geld nicht hat, muss mit dem Boot über den Pazifik, mit dem Güterzug durch Mexiko oder zu Fuß durch Chiapas und weiter nach Norden.

edes Jahr verschwinden Hunderte, sterben an Erschöpfung, werden ermordet oder verstümmelt. Gesicherte Zahlen gibt es nicht, aber die meisten erreichen ihr Ziel nicht: das gelobte Land, die Vereinigten Staaten.

Weitere Infos: WDR

[druckversion ed 10/2016] / [druckversion artikel]






[kol_3] Sehen: Gaucho-Treffen in Uruguay
Einblicke in eine missverstandene Religion
 
Das kleine Uruguay macht selten internationale Schlagzeilen. Doch die von Pferden und Rindern geprägte Alltagskultur sucht auf dem amerikanischen Kontinent ihresgleichen. Und in einem ist Uruguay weltweit führend: dem Bestreben, eine glückliche Gesellschaft zu formen.

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto 1: Die ganze Familie lebt die Gaucho-Kultur; alle machen mit, auch die Kinder.

Copyright: ARTE France


Uruguay liegt zwischen seinen beiden großen Nachbarn Brasilien und Argentinien an der Atlantikküste. Die Hauptstadt Montevideo liegt südöstlich von Buenos Aires, der Hauptstadt Argentiniens. David Yetman reist in das Gaucho-Städtchen Tacuarembó im Norden des Landes. Hier wird die alljährliche Gaucho-Parade veranstaltet.

Sendetermin und Info
Gaucho-Treffen in Uruguay
Reihe: Reise durch Amerika
Sender: ARTE | Länge: 30 Minuten
Montag, 2. Januar 2017 | 18:40

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto 2: Clara Fros, die Tochter von Serrana und Dario Fros, reitet mit dem Pferd zur Schule.

Copyright: ARTE France


In ganz Uruguay, auch auf den entlegensten Ranches, bereitet man sich eifrig auf das große Fest vor. Der Umzug ist das Highlight des Jahres, die Gelegenheit, um sich zu präsentieren und zu zeigen, dass man sich mit seiner Kultur identifiziert.

In den 70er Jahren litt Uruguay unter einer brutalen Militärdiktatur. Kulturelle Veranstaltungen wie das Gaucho-Fest waren verboten. Aber in den letzten 40 Jahren haben die Bewohner Uruguays gelernt, sich für eine gerechtere Gesellschaft einzusetzen, die ihre vielfältigen kulturellen Wurzeln kollektiv feiert.

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto 3: Große Teile des Landes bestehen in Uruguay aus kleineren landwirtschaftlichen Anwesen, auf denen Rinder und Schafe gezüchtet werden. Vor allem im Nordwesten ist die jahrhundertealte Gaucho-Kultur sehr lebendig.

Copyright: ARTE France


Der Sozialwissenschaftler, Autor, Fotograf und promovierte Philosoph David Yetman bereist in der neuen Staffel von "Reise durch Amerika" unter anderem Uruguay, Mexiko und Brasilien sowie die beiden Karibikinseln Trinidad und Tobago. Dabei führt er durch faszinierende Landschaften und stellt unbekannte Völker und Geschichten vor.

Weitere Infos: ARTE

[druckversion ed 12/2016] / [druckversion artikel]





[kol_4] Lauschrausch: Orkesta Mendoza trifft Santo Machango

Mit Vamos a guarachar erschien im Oktober diesen Jahres ein weiteres Album von Sergio Mendoza, einem musikalischen Multitalent aus dem Dunstkreis der Band Calexico. Aufgewachsen in der Grenzstadt Nogales, wo er mit Rancheras, Cumbia, Mambo und Rock ‚n‘ Roll in Berührung kam, später in Tucson auch mit elektronischen Klängen, entwirft der Multiinstrumentalist – u.a. Keyboard, Gitarre, Schlagzeug – mir seinen Kollegen einen vielfältigen Mix aus zuvor genannten Genres. Gut gemachte cumbias fügen sich in die momentan global beliebte Tanzmusik ein, schnelle "Pop"songs mit Farfisa-Orgel-Sound und Bläsersätzen ("Mapache") laden ebenso zum Tanzen ein wie dekonstruierte Mambos ("Mambo a la Rosana") oder der einzige englischsprachige Song, "Shadows of the mind", ein Funk-Soul-Boogaloo-Verschnitt.

Orkesta Mendoza
Vamos a guarachar
Glitterbeat Records

Sänger Salvador Durán schmilzt in der schönen Ballade "Místerio" dahin, umrahmt von Streichern und Klavier. Videospielklänge tauchen auf ("No volvere"), Walzerrhythmen ("Igual que ayer"), eine schnelle Klarinette ("Contra la marea") oder harte Gitarrenriffs über schnellen Salsarhythmen im Song über einen Trommelwirbel ("Redoble"). Ein abwechslungsreiches und tanzbares Spaßalbum, ohne Texte mit Tiefgang. Let’s party!

Ähnlich tanzbar, aber mehr in der anglophonen Musik (Funk, Rock) verankert und wesentlich härter, ist das letzte Album von Santo Machango aus Barcelona. Street Funk und bläserlastige Crossover-Songs ("Simio") mit - teils auf Englisch - gerappten Texten über harten Sex ("Mojo"), oder Metal-Funk ("Yonkys in da house") bzw. Metal-Ska ("Super hot") heizen kräftig ein.

Santo Machango
Mojo
Kasba

"Esperando" dagegen erinnert an Molotov, eine angenehm melodiöse Pause zwischen all dem konstruktiven Krach, ebenso "Solo con más billetes". Zwischendurch klingt ein wenig Reggae an oder auch Big Band-Sound im Abschlußstück "Vividor". Treibende urbane Musik über die Probleme in einer großen Stadt: "Insert coin", Party on!

Text: Torsten Eßer
Cover: amazon

[druckversion ed 12/2016] / [druckversion artikel] / [archiv: lauschrausch]





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