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mexiko: Rezension der Übersetzung "Nichts Freieres gibt es auf Erden"
Gedichte von Sor Juana Inés de la Cruz
BERTHOLD VOLBERG
[art. 1] druckversion:

[gesamte ausgabe]


spanien: Die Große Moschee von Córdoba (Bildergalerie)
BERTHOLD VOLBERG
[art. 2]
mexiko: CDMX - Käferlos herausgeputzt
ANDREAS DAUERER
[art. 3]
peru: Nach fünf im Urwald
Fünf unvergessliche Dschungelerlebnisse in Peru
TOURISMUSPORTAL PERÚ
[art. 4]
grenzfall: Königlich Nebel saufen
Kleine Geschichte des Tabaks
ALEXANDRA GEISER
[kol. 1]
sehem: So schön ist Panama
Länder - Menschen - Abenteuer
NDR
[kol. 2]
sehen: Sin Nombre – Zug der Hoffnung
KinoFestival im Ersten
ARD
[kol. 3]
lauschrausch: Kind of Spain
TORSTEN EßER
[kol. 4]





[art_1] Mexiko: Rezension der Übersetzung "Nichts Freieres gibt es auf Erden"
Gedichte von Sor Juana Inés de la Cruz
Übersetzung und Einführung von Heidi König-Porstner (Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke)
 
Sor Juana Inés de la Cruz (1651? - 1695) ist zweifellos die größte Dichterin Amerikas und zugleich die größte spanischsprachige Dichterin.

Die Übersetzerin König-Porstner bietet eine sehr zutreffende Einführung, die Juanas Lebensweg und spektakulären Werdegang als Künstlerin in einer von Männern dominierten Welt nachzeichnet. Von der bescheidenen Geburt als uneheliches Kind im Vizekönigreich Neu-Spanien (Mexiko), Eintritt ins Kloster, über ihren Aufstieg als "weltliche Nonne" zur philosophischen Hofdichterin und "Zehnten Muse" Mexikos und ihre literarischen Triumphe, mit denen sie Weltruhm erlang, bis hin zu ihrem grauenvollen Sturz. Mit dem tragischen Verzicht auf literarische Tätigkeit und dem Rückzug hinter die Klostermauern, der wohl vom perversen und vom Hass auf alles Weibliche erfüllten Erzbischof von Mexiko erzwungen wurde, machte sie sich 1693 - eher aus Angst denn aus Überzeugung - zur "Märtyrerin der Intelligenz", wie es Américo Castro formulierte. Was diese Dichterin, die von vielen als "erste Feministin" gefeiert wurde, vor ihrem erbärmlichen Tod an einer Seuche geschaffen hat, muss in seiner thematischen Vielfalt, philosophischen Tiefe und dem virtuosen Ausdruck in barocken Metaphernbergen genial genannt werden. Und viele (ich selbst eingeschlossen) halten ihr gewaltiges Gedicht "Erster Traum", das eine nächtliche Seelenreise beschreibt, für das genialste Gedicht, das je in spanischer Sprache verfasst wurde.

Juana de la Cruz (Autorin), Heidi König-Porstner (Übersetzerin)
Nichts Freieres gibt es auf Erden: Gedichte
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: konkursbuch (6. September 2017)
Sprache: Deutsch, Spanisch
ISBN-10: 3887695658

Die Übersetzerin König-Porstner konzentriert sich vor allem auf die zahlreichen Sonette von Sor Juana. Dabei vermeidet sie es, den Sinn der Sonette zugunsten einer strikten Beibehaltung des Reimschemas zu verbiegen. Sie übernimmt das Reimschema des Originals nur, wenn es sich harmonisch im Einklang mit der sinngemäßen Übertragung ergibt, während sie bei einigen Sonetten (z.B. "Deténte, sombra de mi bien esquivo", S. 67 oder bei "Verde embeleso de la vida humana, S. 71) weitgehend auf Reime verzichtet oder das Reimschema verändert.

An das poetische Hauptwerk der großen Mexikanerin - "Primero Sueño" (Erster Traum) - das Sor Juana nach eigener Aussage nicht als Auftragswerk, sondern ganz für sich allein geschrieben hatte, wagt sich die Übersetzerin nicht heran - aus gutem Grund. Denn dieses 975 Verse zählende metaphysische Metapherngebirge ist eigentlich unübersetzbar. (Es gibt eine Übersetzung, die es dennoch versucht hat und 1996 in der Sammlung von Alberto Pérez-Amador Adam, "Es höre mich Dein Auge", Verlag Neue Kritik, erschienen ist).

Besonders gelungen wirkt in der vorliegenden Sammlung "Nichts Freieres gibt es auf Erden" die Übersetzung des berühmten Gedichts, das von vielen als ein frühes Pamphlet des Feminismus interpretiert wurde: "Hombres necios que acusáis". In dieser "Sátira Filosófica" attackiert Sor Juana die männliche Heuchelei, die genau das an den Frauen kritisiert, was sie eigentlich reizt (sehr verkürzt formuliert: heimlich von einer Hure zu träumen, aber nur eine Heilige heiraten zu wollen). Man mag darüber streiten, ob das Adjektiv "necios" im Titel gebenden Eingangsvers mit "albern" nicht zu harmlos übersetzt ist (der eigentliche Sinn ist "töricht"), aber im Sinne einer modernen Übersetzung mit zeitgemäßem Vokabular ist dies annehmbar, zumal Inhalt und Absicht dieses satirischen Beitrags zum Kampf der Geschlechter insgesamt gut getroffen werden.

Die Art der Präsentation von Sor Juanas Gedichten und ihrer Übersetzungen lässt allerdings einiges zu wünschen übrig. Besonders für ein Publikum, das die Werke dieser philosophischen Nonne aus der Epoche des Barock noch nicht kennt, wären bei problematischen Gedichten punktuelle Erklärungen in Form von Kurzkommentaren oder Fußnoten angebracht gewesen. Das Verständnis und die Einordnung in den kulturhistorischen Gesamtzusammenhang werden auch dadurch erschwert, dass die Gedichte auf den ersten Blick nahtlos aneinander gereiht erscheinen - ohne klare Abgrenzung und ohne Kommentar (dieser findet sich zum Teil im Vorwort, hätte aber besser zu dem jeweiligen Gedicht gehört). Ein Beispiel für die unglückliche Präsentation: während bei den Sonetten die deutsche Übersetzung und die spanische Version schön gegenüber präsentiert werden zum direkten Vergleich, ist dies bei den längeren Gedichten nicht der Fall - man muss blättern und suchen, um die spanische Originalversion zu finden. Hier gerät das Ganze dann unübersichtlich.

Zwar hat Sor Juana in der Tat einigen ihrer Gedichte keine expliziten Titel gegeben, aber es wäre durchaus erlaubt gewesen, ihnen in der deutschen Version Titel (bei den Sonetten wäre dies in der Regel der Eingangsvers) voran zu stellen, und sei es auch nur zu einer besseren Abgrenzung voneinander. Die Intention, das grandiose Werk der Zehnten Muse Mexikos gerade auch deutschen Lesern, die sie bisher gar nicht kannten und kein Spanisch verstehen, nahe zu bringen, wird so nicht unbedingt erleichtert. Denn ein deutscher Leser, der die Originalgedichte nicht kennt, muss sich mehr als einmal fragen, wo denn nun welches Gedicht aufhört oder anfängt.

Zwar fasst die Übersetzerin manche Gedichte in thematischen Gruppen zusammen und stellt ihnen eine Art Kapitelüberschrift voran wie "Rosengedichte" oder "Sonette an Laura". Aber dies wird dann nicht konsequent eingehalten und manch ein Gedicht falsch "einsortiert". So taucht unter den Rosengedichten am Schluss - aber eben nicht klar abgetrennt - das Abschiedsgedicht "Estos versos lector mío...", welches natürlich nicht mehr der Schönheit und Vergänglichkeit von Rosen, sondern dem Leser gewidmet ist. Das eklatanteste Beispiel findet sich jedoch mitten unter den Rosen-Sonetten: ein Todes-Sonett ("Mas ya el dolor me vence..."), entnommen aus dem wichtigsten Theaterstück von Sor Juana, dem "Divino Narciso" (1689). Nur ganz am Schluss des Buches wird in einer Fußnote darauf hingewiesen, dass es sich hier um einen Extrakt aus einem Theaterstück handelt - das Sonett selbst und seine Übersetzung sind aber nicht mit dieser Anmerkung verbunden. So stolpert der Leser inmitten der Rosengedichte über diesen sakralen Text, in dem der Kreuzestod thematisiert wird und blättert irritiert weiter. Hier wäre doch wohl ein ausführlicher Kommentar fällig gewesen. Denn woher soll ein(e) zeitgenössische(r) deutscher Leser/in wissen, was ein barockes "Auto Sacramental" ist? Wie soll man das mutige und revolutionäre (in den Augen der Inquisition gar gefährlich blasphemische) Potential dieser Verse erkennen, wenn sie ganz aus dem Zusammenhang gerissen und ohne angemessene Erklärung des Hintergrunds zwischen Rosen-Sonetten platziert werden? Dazu hätte man schon erklären müssen, dass dieses Theaterstück in doppelter Weise synkretistisch ist. Zum einen vergleicht Sor Juana hier den christlichen Erlöser Jesus mit dem Narziss der griechischen Mythologie, der sich in sein Spiegelbild (in diesem Fall die menschliche Seele) verliebt. Das allein war schon äußerst gewagt. Und zum anderen verbindet es den Tod Christi am Kreuz mit der aztekischen Menschenopfertradition und lässt die aztekischen Protagonisten auf der Bühne sagen, dass sie im "Leib Christi" heimlich die Menschenopfer an ihren alten Kriegsgott weiter verehren. Eine größere Provokation der Inquisition war kaum denkbar. In einer kritischen und leserfreundlichen Ausgabe hätten solche Angaben unmittelbar als Kommentar zu den Versen dazu gehört, nicht losgelöst davon und ohne jede Fußnote ans Ende des Buches.

Dies schmälert zwar nicht die überwiegend gute Leistung der Übersetzerin, der es meist gelingt, den Sinn und die Intention dieser schwierigen spanischen Barockgedichte in angemessene deutsche Worte zu kleiden und dabei für Leser des 21. Jahrhunderts verständlich zu machen. Aber diese Leser hätten eine ausführlichere und glanzvollere Präsentation erwarten dürfen - es geht hier schließlich um Barock!

Text + Fotos: Berthold Volberg
Cover: amazon.de

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[art_2] Spanien: Die Große Moschee von Córdoba (Bildergalerie)
 
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Die Große Moschee von Córdoba, erbaut zwischen 785 und 980, ist die größte Moschee des Abendlands (und bis heute die drittgrößte der Welt gemessen an ihrer Grundfläche: 23.400 Quadratmeter, 180 Meter lang und fast 140 Meter breit). Heute heißt sie offiziell Moschee-Kathedrale, gehört zu den faszinierendsten Bauwerken der Welt und gilt als Symbol für die Verbrüderung von Islam und Christentum.

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Christliche Ikonen, Altäre, Gemälde und Skulpturen im Betsaal der Moschee

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Die weite Halle der Moschee von Córdoba, die mit ihren 856 Säulen wirkt wie ein geheimnisvoller Palmenhain im Dämmerlicht.

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Jesus und der Erzengel Rafael, Schutzpatron der Stadt Córdoba, inmitten der Moschee-Kathedrale

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Mit "brutaler Helligkeit" durchbricht die Renaissancekuppel der Kathedrale von Hernán Ruiz II. das mystische Dämmerlicht der riesigen Moschee

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Der Gesamtkomplex der Moscheekathedrale vom gegenüber liegenden Flussufer des Guadalquivir aus gesehen (Römerbrücke). Im Zentrum überragt die Kuppel der Kathedrale das Moscheegebäude.

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Text + Fotos: Berthold Volberg

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[art_3] Mexiko: CDMX - Käferlos herausgeputzt

Ich bin wieder da. Stehe an jenem Ort, wo sich meine Reiselust vor gut 20 Jahren so richtig in mein Herz zementiert hat. Auf dem Zócalo, in Mexiko Stadt. Viel hat sich getan in dieser Megalopolis seit ich hier als Rucksacktourist zum letzten Male durch verstaubte Straßen geschlendert bin, die mahnenden Worte meiner Freundin Artemisa habe ich noch immer im Ohr: Bloß keine Wertsachen mitnehmen, keine Kamera, keine Uhr am Handgelenk, bitte nicht auffallen. Was ich damals schon leicht übertrieben fand, gehört nun wirklich der Vergangenheit an.

Immerhin hatte D.F. (gesprochen: "de effe"), wie sie einst genannt wurde, auch zwei Dekaden Zeit, um den Staub abzuschütteln und sich herauszuputzen. Jetzt heißt D.F. nur noch CDMX (gesprochen: "se de mex") und sofort fällt auf, dass die Taxen überwiegend als weiß-rosa Toyotas unterwegs sind und nicht mehr in schnuckeligem grün-weiß und in Form des VW Käfers.

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Dafür erlebt der Käfer anderswo eine Renaissance. Wobei, was heißt hier Renaissance, eigentlich war er ja nie weg. Die Rede ist ganz generell von Insekten, wobei hier nicht die oft besungenen Cucarachas in schäbigen Garküchen gemeint sind, sondern vor allem jenes Kleingetier, das sich, mitunter recht ansprechend drapiert, mittlerweile auch auf den Tellern in gehobenen Restaurants der Stadt tummelt. Grashüpfer sowieso, aber neben den angesprochenen Käfern auch Larven, Raupen oder Wanzen.

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Vom biologischen Aspekt her ist das natürlich wunderbar: Proteinreich und durchaus in zahlreicher Menge vorhanden, besser geht’s nicht. Selbst dem normalen europäischen Magen sind sie leicht zuträglich, Montezumas Rache braucht man nach einem Verzehr nicht zu fürchten, es ist wohl eher das Ekelgefühl, das der gemeine Tourist hier überwinden muss. Aber die mexikanischen Köche geben sich jede Mühe dieser Welt, damit das Ganze nicht nur schmeckt, sondern auch optisch ein Hingucker ist. Also gibt es zur Molcajete, Tomatensoße mit Chili, natürlich noch die Schale mit den gerösteten Grashüpfern dazu. Quasi der Parmesan zur Pasta, wobei sie in Öl frittiert wurden und mit Limonensaft und Knoblauch gewürzt wurden. Und die Cocopaches sind fast schon allgegenwärtig geworden. Käfer. Mal verzieren sie den Tellerrand, mal den Käse, auf dem sie liegen. Irgendwann kommen dann auch die Escamoles auf den Tisch. Hinter dem, was die Einheimischen gerne die mexikanische Art des Kaviars betiteln, verbergen sich Ameisenlarven, die in der Regel frittiert auf den Tisch kommen. Geschmacklich haben sie mit Kaviar wenig gemein, aber sie sind sehr selten. Die Ameisen brauchen nämlich ganz bestimmte Bedingungen – meistens bauen sie ihre Höhlen auf Agaven oder kakteenhaltigem Boden – und werden nur zwischen März und April "abgeerntet". Hier ist Handarbeit gefragt, denn die Bauern müssen in die Höhle greifen, um an die Larven zu kommen. Man braucht nicht extra erwähnen, dass die Ameisen im Bau ihre Nachkommenschaft bis aufs Blut verteidigen, weshalb die Bauern hier spezielle Handschuhe tragen. Auch greifen sie nicht alle Larven ab, dann würden die Ameisen nämlich schnell weiterziehen und man müsste die neuen Höhlen erst wieder ausfindig machen.

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Natürlich darf in der Aufzählung der Gusano de Maguey nicht fehlen. Ein Wurm, der auf den fleischigen Agavenblättern zu finden ist und nicht selten als Mutprobe auf den Märkten von amerikanischen Touristen herhalten muss. Aber, er findet sich eben auch in der aktuellen mexikanischen Küche wieder. Etwa im Taco nebst Guacamole oder auch mal zum Salat.

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Das Gute an der mexikanischen Küche aber ist: Alles kann, nichts muss. Wer den Insekten partout widerstehen möchte, der schafft das spielend. Es gibt so viele Gerichte, in denen sie kein Bestandteil sind oder nur als separate Beilage gereicht werden. Mutige werden hingegen sicher damit belohnt, den eigenen kulinarischen Horizont erweitert zu haben. Und sollte es dann doch einmal dazu kommen, dass sich das Ekelgefühl wieder im Großhirn bemerkbar macht, dann hilft Mezcal sehr zuverlässig. Übrigens ganz ohne Wurm. Dessen Zusatz, das weiß doch inzwischen wirklich jedes Kind, war nur ein kleiner Marketinggag für die Touristen.

Text + Fotos: Andreas Dauerer

[druckversion ed 011/2017] / [druckversion artikel] / [archiv: mexiko]





[art_4] Peru: Nach fünf im Urwald
Fünf unvergessliche Dschungelerlebnisse in Peru
 
Das Amazonasbecken ist, neben den Anden und der Pazifikküste, eine der drei großen Regionen Perus und macht über die Hälfte der Fläche des südamerikanischen Landes aus. Kein Wunder also, dass ein Besuch im Dschungel viel Raum für ganz besondere Erlebnisse bietet. – So könnte ein abenteuerlicher Tag im peruanischen Regenwald aussehen:


Boot im Regenwald, Region Loreto (Inquitos)

Foto: PromPerú

Sonnenaufgang mit Delfinen
Der Amazonasdelfin unterscheidet sich von anderen Flussdelfinen in seiner Farbe, denn bis auf seinen grauen Rücken ist er strahlend rosa gefärbt. Die zweite im Amazonas vorkommende Delfinart ist der Sotalia. Im Alter verwandelt sich seine Farbe von grau bis nahezu weiß. Eine Begegnung mit diesen seltenen und wunderschönen Tieren in exotischer Umgebung ist ein perfekter Start in den Tag. Gern begleiten die Delfine das Boot  für eine Weile und lassen sich so perfekt beobachten.


Grauer Flussdelfin, Region Loreto (Inquitos)

Foto: PromPerú

Flossfahrt auf dem Amazonas
Im Regenwald spielt sich ein Großteil des Lebens auf dem Wasser ab, der Amazonas und seine Nebenflüsse sind Lebensadern und Transportwege für die Dschungelbewohner. Wie könnte sich also der Urwald authentischer erfahren lassen als vom Wasser aus? Eine besondere Erfahrung ist es, unter Anleitung des Guides aus den Baumstämmen und Lianen am Ufer ein eigenes Floss zu bauen und mit diesem den reißenden Strom hinunter zu schippern. Wer nicht nass werden möchte, sollte hier besonders sorgfältig ans Werk gehen!


Papagai, Reservat Tambopata (Puerto Maldonado)

Foto: PromPerú


Piranha-Fischen mit anschließendem Barbecue
Floss bauen ist harte Arbeit und eine Erfrischung gern gesehen. Mutige Dschungel-Abenteuerer wagen deshalb gern den Sprung vom Floss ins kühle Nass. Wer seinem Guide bereits beim Angeln zugesehen hat oder sich sogar selbst ans Fischen gemacht hat, mag diese Entscheidung noch einmal revidieren: die Dschungelflüsse wimmeln nur so vor Piranhas. Ein einmaliges Erlebnis ist es, selbst einen der Räuberfische zu fangen und am Abend auf dem Grill zuzubereiten. Ein köstliches Abendessen, das garantiert für immer in Erinnerung bleibt.


Manu Nationalpark

Foto: PromPerú

Auf der Suche nach Kaimanen
Kaimane sind Verwandte der Alligatoren, werden um die zwei Meter lang und leben meistens in kleinen Gruppen im Fluss verteilt. Durch ihre braun-grüne Farbe sind sie im Dschungel gut getarnt, in der Dämmerung jedoch tauchen sie oft leicht aus dem Wasser auf und ihre Augen blitzen im Schein der Taschenlampe. Um den Kaiman aus nächster Nähe begutachten zu können fängt der Guide mit bloßen Händen eines der Tiere und zieht ihn an Bord. Dieser wird anschließend wieder unversehrt ins Wasser entlassen.


Kaimane, Reservat Tambopata (Puerto Maldonado)

Foto: PromPerú

Nachtwanderung im Dschungel
Den Regenwald bei Tag erkunden kann jeder. Doch nach Sonnenuntergang zeigt sich der zuvor sattgrüne Dschungel von einer anderen Seite. Im nun düsteren Regenwald sind tausende Insektengeräusche und das "Quaken" von Fröschen zu hören. Denn bei Nacht zeigen sich tausende Tiere, die sich am Tag lieber verstecken.


Affe, Reservat Tambopata (Puerto Maldonado)

Foto: PromPerú

Eine Nachtwanderung gehört zu den Top Erlebnissen im peruanischen Regenwald. Die meisten Lodges bieten geführte Touren in kleinen Gruppen an, um das Erlebnis in vollen Zügen und vor allem sicher genießen zu können.


Kaiman, Reservat Tambopata (Puerto Maldonado)

Foto: PromPerú

Weitere Informationen unter www.peru.travel/de

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[kol_1] Grenzfall: Königlich Nebel saufen
Kleine Geschichte des Tabaks
 
Die Suche nach Handelswegen und allerlei Gütern wie Gewürzen und vor allem Gold trieb im späten 15. Jahrhundert eine Menge so genannter Entdecker übers Meer gen Westen. Im Verlauf diverser Atlantiküberquerungen fanden daher so einige nützliche Dinge wie Tomaten, Mais und Kartoffeln ihren Weg nach Europa. Im Rückblick betrachtet echte Exportschlager, auch wenn ihr Wert in Europa erst im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte erkannt werden sollte.

In Bezug auf ihren Nutzen umstritten, damals wie heute, war und ist eine weitere Kulturpflanze aus der Karibik, die Tabakpflanze. "Ein Geschenk der Götter", meinten die recht entspannten Inselbewohner, die ihre Blätter rauchten. "Stinkendes Teufelszeug", wetterten dagegen von Beginn an die moralischen Autoritäten der Spanier. Columbus jedenfalls schickte zur Erkundung der Insel Kuba zwei Weggefährten ins Landesinnere und diese berichteten von "Schornsteinleuten", Menschen, die riesige, gerollte Tabakblätter entzündeten, den "Rauch tranken" und dabei höchst vergnüglich ausschauten. Columbus allerdings war von dieser Sitte bei weitem nicht so angetan wie eben einer jener Reisegefährten, Rodrigo de Xerez, der sich das Rauchen bei der Gelegenheit gleich angewöhnt hatte. Zurück in Spanien wurde er dafür von der Inquisition in den Kerker gesteckt, denn wer Rauch aus Mund und Nase blies, konnte ja nur mit dem Teufel im Bunde stehen.

Zehn Jahre später, als sich das Rauchen auf der Halbinsel bereits fast so schnell verbreitet hatte wie ein weiterer Exportschlager aus der Neuen Welt, die Syphilis, kam de Xerez wieder frei und die Rauchgegner hatten für diesmal das Nachsehen.

Inzwischen war auch die Tabakpflanze selbst, importiert von einem weiteren forschungseifrigen Weggefährten Columbus`, dem Mönch Ramón Pane, bis nach Europa vorgedrungen. Mit ihren schönen kleinen und durchaus wohlriechenden Blüten wurde sie jedoch nur als Zierpflanze geschätzt, denn die Sitte des Rauchens, vor allem unter Matrosen verbreitet, galt weiterhin als verrucht und spaltete die Geister.

Gleichzeitig jedoch wollte man den angeblichen Heilwirkungen des Krautes auf den Grund gehen, womöglich hatte man ja "Braunes Gold" entdeckt! Während des Eroberungsfeldzuges von Mexiko wurde beobachtet, dass offene Wunden und Schwellungen mit Tabak behandelt wurden. Und Pane hatte schon früher berichtet, dass die einheimischen Kaziken manchen Kranken einen Brei aus Tabak verabreichten und das Erbrechen desselben die Krankheiten aus dem Körper vertreibe. Der spanische Historiker Oviedo y Valdés schrieb Anfang des 16. Jahrhunderts in seinem Buch über das Tabakrauchen: "Ich weiss, dass einige cristianos es schon gebrauchen, besonders einige, welche von der Lues (Syphilis) betroffen sind, denn sie sagen sich, dass sie in jenem verzückten Zustand die Schmerzen ihrer Krankheit nicht fühlen."

Die Ärzte in Europa waren natürlich begeistert und experimentierten freudig mit der Pflanze. Die moralischen Autoritäten jedoch, allen voran Bartolomé de las Casas, der erste Bischof in der so genannten Neuen Welt, wurden nicht müde, die Pflanze anzuprangern: "Die Pflanze, deren Rauch die Indianer einziehen, ist wie eine Art Stutzen oder Fackel in ein trockenes Blatt hineingestopft [...]. Die Indianer zünden es auf der einen Seite an und saugen oder schlurfen am anderen Ende, indem sie den Rauch beim Atmen innerlich einziehen, was ihren ganzen Körper in gewissem Sinne einschläfert und eine Art Trunkenheit hervorruft. Sie behaupten, dass sie dann keine Müdigkeit mehr empfänden. Diese "mousquetons", diese Tabaccos, wie sie sie selbst nennen, sind auch schon bei den Ansiedlern in Gebrauch. Ich habe mehrere Spanier auf der Insel Hispaniola gesehen, die sich dieser Dinge bedienten und, als man sie wegen solch hässlicher Gewohnheit tadelte, antworteten, dass es ihnen nunmehr unmöglich sei, diese wieder abzulegen."

Zurück nach Europa. 1559 hörte Jean Nicot, ein französischer Gesandter am portugiesischen Hof von der Heilkraft des Tabaks. Das Geschwür eines Dieners heilte nach der Behandlung mit Tabak in nur wenigen Tagen ab und Jean Nicot, überzeugt, dass die mittlerweile sagenumwobenen Kräfte der Pflanze ihre Richtigkeit hatten, berichtete in aller Ausführlichkeit an Katharina von Medici. Und diese, nachdem ihr Sohn, der später unter dem Namen Karl IX in die Geschichte eingehen sollte, per Schnupftabak Erleichterung für seine Kopfschmerzen fand, machte den Tabak salonfähig. Daraufhin wurde das Kraut auch einige Zeit "herbe de la médicée", Kraut der Medici, oder auch Kraut der Königin genannt. Nicot selbst war nur an den Heilkräften, und nicht am Rauchen interessiert. Dennoch wurde ihm und seiner überzeugenden Öffentlichkeitsarbeit zu Ehren das im Kraut enthaltene spezifische Alkaloid später Nikotin genannt und der botanische Name dieses Nachtschattengewächses lautet bis heute nicotiana.

Und so wurde nicotiana in Gelehrtenkreisen bald als Heilpflanze gegen Würmer, Krätze, Zahnfleischschwellungen, Kopfschmerzen und Hühneraugen, gegen Kurzatmigkeit, Husten und Wassersucht und sogar gegen die Pest gepriesen und in ganz Europa verbreitet. Gleichzeitig fand das Rauchen, von den Hafenstädten ausgehend, immer mehr Anhänger und natürlich Feinde. Aber ihre Verbotsversuche setzten sich nicht durch. Wo immer man Menschen das erste Mal rauchen sah, war das Erstaunen groß und ebenso die Unbeholfenheit, auszudrücken, was das eigentlich sei. Man behalf sich bis zur Erfindung des Wortes "rauchen" im 17. Jahrhundert mit "Tabak trinken", oder, wie ein eifriger Gegner im deutschen Sprachraum wetterte, mit "elenden Nebel saufen". Sir Walter Raleigh wurde, als er von seinem Diener zum ersten Mal schmauchend mit seiner Pfeife gesehen wurde, mit einer großen Bierkanne über den Kopf gegossen, weil der Diener glaubte, sein Herr sei in Brand geraten.

In Deutschland breitete sich die Gewohnheit des Rauchens übrigens durch die Soldaten im 30-jährigen Krieg aus: In einem kleinen Büchlein von 1667 schreibt Jacob Christoph von Grimmelshausen über die Soldaten: "Teils saufen sie den Tabak, andere fressen ihn, und von etlichen wird er geschnupft, also dass mich wundert, warum ich keinen gefunden, der ihn auch in die Ohren steckt."

Aber noch mal zurück nach England. Traditionell auf Distanz zu den Errungenschaften auf dem Kontinent blieb das Land gegenüber den Gelehrtenschriften und neumodischen Erscheinungen am französischen Hof zunächst ungerührt. Umso lebhafter aber war die Begeisterung, mit der die Engländer zwei Jahrzehnte später den Rauchgenuß aufnahmen, als sie ihn durch ihre eigenen Kolonien in Amerika kennen lernten.

Der erwähnte Sir Walter Raleigh, seines Zeichens bekannter englischer Seefahrer wurde 1586 von Freunden mit Tabak aus Virginia beschenkt. Er steht in der Literatur dafür, dass er das Tabakrauchen in die englische Öffentlichkeit trug und hoffähig machte, was schließlich zum gewerblichen Tabakanbau auf der ganzen Welt führte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren Verbotsversuche aller moralischen Autoritäten zum Scheitern verurteilt. Sogar die hohe Geistlichkeit und Landesfürsten in Europa brachen die Verbote, aber die wachsenden Steuererträge trösteten durchaus über die moralische Niederlage hinweg.

Raleigh selbst war übrigens nicht im Mindesten an den Medizinalkräften des königlichen Krautes interessiert. Er war schlicht in seine Pfeife vernarrt - so vernarrt, dass er sie auch nicht aus dem Mund nahm, als er im Londoner Tower das Schafott bestieg.

Das spätere kleine Loblied von Johann Sebastian Bach hätte ihm sicher gefallen:

Wenn Du die Pfeife angezündet,
so sieht man, wie im Augenblick,
der Rauch in freier Luft verschwindet
nichts als die Asche bleibt zurück,
so wird des Menschen Ruhm verzehrt
und dessen Leib in Staub verkehrt.

Ich kann bei so gestalten Sachen
mir bei dem Tabak jederzeit
erbauliche Gedanken machen.
Drum schmauch ich voll Zufriedenheit
Zu Land, zu Wasser und zu Haus
Mein Pfeifchen stets in Andacht aus.

(aus: Klavierbüchlein für Anna Magdalena Bach, 1725)

Text: Alexandra Geiser

[druckversion ed 11/2017] / [druckversion artikel] / [archiv: grenzfall]





[kol_3] Sehen: So schön ist Panama

Der Arbeitsplatz von Orlando ist der Golf von Chiriqui. Das Wasser dort schimmert in Dutzenden Blau- und Grünnuancen, für jede haben die Einheimischen ihren eigenen Namen. Orlando ist Friseur und fährt von Insel zu Insel mit dem Boot zu seinen Kunden. Frisiert wird direkt am Strand oder zu Hause.
 
"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto 1: Der Golf von Chiriqui an der Grenze zu Costa Rica hat zahllose Inseln mit traumhaften Stränden.

© NDR/docstation/Marco Berger

Info und Sendetermine

Titel: So schön ist Panama
Reihe: Länder - Menschen - Abenteuer
Sender: NDR | Länge: 45 Minuten

Donnerstag, 9. November 2017 | 20:15
Freitag, 10. November 2017, 13:15 bis 14:00 Uhr

Du findest die Serie im Anschluss an die Ausstrahlung auf NDR.de.

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Archäologen und Drehteam. Im Hintergrund altes Gebäude.
Foto 2: Die Farbe der Kakaofrüchte variiert von gelb bis dunkel rot.

© NDR/docstation/Marco Berger

Yoshi macht, nach eigener Einschätzung, "die beste Schokolade der Welt". Damit die Qualität stimmt, baut sie Kakao auf eigenen Plantagen an, in Changuinola, dort wo Panama besonders exotisch und abenteuerlich ist. Hier lebt ein Indianervolk. Fünf Tassen selbst geernteten und gerösteten Kakao trinken die Waldbewohner täglich. Ist das ihr Geheimnis für ein überdurchschnittlich langes Leben? 90 Jahre sind für sie ganz normal.

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Gómez und zwei Arbeiter in unterirdischem Gang.
Foto 3: Ein Passage durch den Panamakanal kostet für einen Tanker etwa eine halbe Million Dollar.

© NDR/docstation/Marco Berger


Felicia arbeitet auf einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt, dem Panamakanal. Die Biologin ist für die Sauberkeit des Wassers verantwortlich. Denn an den Ufern und auf den Inseln im Kanal leben und arbeiten Menschen. Wer sich nicht an die Auflagen hält, gefährdet die Schifffahrt und damit ein Milliardengeschäft.

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto 4: Der Panamakanal, die wichtigste Wasserstraße der Welt, hat Inseln und Sandstrände.

© NDR/docstation/Marco Berger

Yiscel Yanguez muss schnell sein, richtig schnell. Immer dann, wenn das Telefon klingelt, greift sie mit der einen Hand zum Hörer und mit der anderen ihren Koffer. Dort ist alles gepackt, was sie zur Rettung von Faultieren braucht. Gerade Jungtiere brauchen permanente Aufmerksamkeit. Sonst fallen sie dem Gesetz des Dschungels zum Opfer.

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto 5: Die Menschen in Panama zählen zu den glücklichsten der Welt.

© NDR/docstation/Marco Berger

Panama: ein kleines Land, der große Panamakanal und ein Kosmos voller Überraschungen. Der Film „So schön ist Panama“ zeigt die faszinierende Landschaft in beeindruckenden Flugaufnahmen. Schon der berühmte Panamakanal ist eine Überraschung. An ihm liegen Sandstrände und Trauminseln. Die Menschen in Panama zählen zu den glücklichsten auf der Welt und zu denen mit der längsten Lebenserwartung. Das kleine Land zwischen den Kontinenten bietet nahezu unberührte Natur, seine Hauptstadt Panama City ist die Tropenmetropole Nummer eins in Zentralamerika.

Text: NDR.de

[druckversion ed 11/2017] / [druckversion artikel]





[kol_3] Sehen: Sin Nombre – Zug der Hoffnung
 
Der junge Mexikaner Willy alias El Casper (Edgar Flores) ist Mitglied der „Mara Salvatrucha“, einer aggressiven Latino-Gang. Wer sich einmal in ihrem streng organisierten Netzwerk verfangen hat und dabei in Ungnade fällt, ist seines Lebens nicht mehr sicher. Ein Schicksal, das auch Willy am eigenen Leib erfahren muss. Sein minderjähriger Freund Benito, El Smiley (Kristian Ferrer) genannt, wird durch ein brutales Initiationsritual in den inneren Kreis der Gang eingeführt.

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto 1: Sayra (Paulina Gaitán) und Willy (Edgar Flores) wollen auf dem Dach eines Zuges von Mexiko in die USA flüchten.

© ARD Degeto

Info und Sendetermin

Sin Nombre - Zug der Hoffnung
KinoFestival im Ersten
Sender: Das Erste | Länge: 88 Minuten

Sonntag, 19. November 2017 | 23:35

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Archäologen und Drehteam. Im Hintergrund altes Gebäude.
Foto 2: Lil' Mago (Tennoch Huerta, 2. v. re.), unbarmherziger Chef der Mara-Gang, verlangt von seinem Bandenmitglied Willy (Edgar Flores, l.) absolute Loyalität.

© ARD Degeto

Im Anschluss stellt deren kaltblütiger Anführer Lil' Mago (Tenoch Huerta Mejia) Willy zur Rede: Der Bandenführer hat Willy in Verdacht, sich immer wieder unerlaubt vom Territorium der Bande zu entfernen. Willy streitet alles ab, verheimlicht aber, dass er in einem anderen Stadtteil seine Geliebte Martha Marlene (Diana García) besucht.

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Gómez und zwei Arbeiter in unterirdischem Gang.
Foto 3: Willy (Edgar Flores) und Martha Marlene (Diana García) lieben sich – auch wenn das gegen den Bandenkodex verstößt.

© ARD Degeto

Eines Abends werden die beiden jedoch von Lil' Magos rechter Hand El Sol (Luis Fernando Peña) beobachtet und zur Rede gestellt. Bei einer Gangversammlung am nächsten Tag taucht überraschend Martha Merlene auf. Lil' Mago, der Willy wegen seiner Lügen bestrafen lässt, versucht, sie zu vergewaltigen, wobei die junge Frau zu Tode kommt.

Anschließend besteigt der rücksichtslose Anführer gemeinsam mit Willy und Smiley einen Güterzug mit Hunderten von Emigranten, die sich auf ihrem Weg Richtung USA befinden. Unter ihnen befindet sich auch die junge Sayra (Paulina Gaitán) aus Honduras, die mit ihrem Vater und ihrem Onkel zur amerikanischen Grenze unterwegs ist, um illegal in die Vereinigten Staaten einzureisen und dort ein neues Leben zu beginnen.

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto 4: Nach dem Tod ihres bisherigen Bandenchefs übernimmt El Sol (Luis Fernando Peña, li.) die Führung der brutalen Mara-Gang.

© ARD Degeto

Als Lil' Mago die mit dem nötigsten Hab und Gut reisenden Flüchtlinge systematisch ausraubt und sich an Sayra vergehen will, tötet Willy seinen Anführer. Er schickt den kleinen Smiley fort und bleibt selbst auf dem Dach des Zuges.

Auf der langen, strapaziösen Bahnfahrt Richtung USA kommen sich Willy und Sayra näher. Noch ahnt das Mädchen nicht, in welcher Gefahr ihr neuer Begleiter schwebt. Denn die rachsüchtige Mara-Gang hat längst ihre Fühler ausgestreckt und Willys Aufenthaltsort ausfindig gemacht. Die brutale Jagd kann beginnen.

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto 5: Willy (Edgar Flores) und Sayra (Paulina Gaitán) lernen sich auf ihrem Weg in die USA kennen und werden Freunde.

© ARD Degeto

Mit seinem an Originalschauplätzen gedrehten Drama, das auf dem Sundance Film Festival den Preis für die Beste Regie und die Beste Kamera gewann, legte der 1977 geborene Amerikaner Cary Joji Fukunaga ein fulminantes Kinodebüt vor. In kraftvollen, geradlinigen und ungeschönten Bildern porträtiert er die harte Lebensrealität vieler junger perspektivloser Mexikaner, die weit über die grausamen Loyalitätsriten des Gang-Alltags hinausgeht. Verpackt als Roadmovie auf Schienen und spannender Verfolgungsthriller zeichnet Fukunaga das Land Mexiko und dessen Bevölkerung mit einer unmittelbaren Härte, die den Blick nach ganz unten wendet und darüber hinaus von der trügerischen Hoffnung vieler Einheimischer erzählt, sich den unwürdigen Zuständen durch eine Flucht ins „gelobte Land“ USA zu entziehen.

Text: ARD

[druckversion ed 11/2017] / [druckversion artikel]





[kol_4] Lauschrausch: Kind of Spain

Dass es möglich ist, einen ohnehin schon entspannten Flamenco-Pop-Song von Vicente Amigo in ein noch entspannteres Jazzstück zu verwandeln, war schwer vorstellbar, aber Wolfgang Haffner ist es gelungen: "Tres notas para decir te quiero" stahlt absolute Gelassenheit aus, bei gleichzeitiger Perfektion des Klangs. Gitarrist Daniel Stelter – wie alle anderen Mitspieler kein Spanier – beherrscht das "spanische Spiel" traumwandlerisch, alle Musiker üben sich in edler Zurückhaltung. Damit gehört der Titel zu dem Teil der Stücke auf "Kind of spain", die als Balladen bezeichnet werden können, wie auch "El Faro", eine Eigenkomposition, die dem auf Ibiza lebenden Haffner beim Blick auf den dortigen Faro de Moscarter eingefallen sein könnte, chill out-Musik auf höchstem Niveau.

Wolfgang Haffner
Kind of Spain
ACT 9848-2

Haffner, Deutschlands gefragtester Jazz- und lange Jahre auch Studio-Schlagzeuger, zeigt aber auch die leidenschaftliche Seite der Spanier, z.B. im vom Bassisten Lars Danielsson geschriebenen "Pasodoble" oder im traditionellen andalusischen Titel "El vito", der sich auf den Hl. Vitus bezieht und in dem Daniel Stelter und Christopher Dell am Vibraphon wunderbar harmonieren. In "El chaos" werden die arabischen Einflüsse auf die spanische Musik in den Vordergrund gestellt, mit dem "Concierto de Aranjuez" huldigt Haffner nicht nur dem bekanntesten Stück spanischer Musik, sondern auch Miles Davis – auf den er sich ja schon im Albumtitel bezieht – der diesen Titel auf seinem wegweisenden Album "Sketches of Spain" schon 1960 verjazzt hatte. Konsequenterweise kommt Trompeter Sebastian Studnitzky, der sonst viele Titel mit seinem Spiel zwischen samtweich (z.B. "Salinas") und fordernd ("El chaos") bereichert, nicht zum Einsatz.

In "Recuerdos de la Alhambra" des Katalanen Francesc Tàrrega kreieren die Musiker erneut eine dichte Atmosphäre, hier vor allem der Pianist Jan Lundgren und Lars Danielsson am Bass, und interpretieren so einen weiteren Klassiker der spanischen Musik auf ihre Art. "Spain" von Chick Corea darf nicht fehlen und wird konsequenterweise entschleunigt.

Das Album, auch auf Vinyl erhältlich, wechselt zwischen den beiden Polen Leidenschaft und Gelassenheit, die die Spanier i.d.R. besser beherrschen, als die Nordeuropäer. Das gilt nicht für die hier beteiligten Musiker! Eine Frage bleibt: An welches Werk von Antoni Tàpies hat Haffner bei der Komposition des gleichnamigen Titels wohl gedacht?

Text: Torsten Eßer
Cover: amazon

[druckversion ed 11/2017] / [druckversion artikel] / [archiv: lauschrausch]





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