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[kol_4] Lauschrausch: Salsa - Party - Fania - Salsa - Party - Fania - Salsa …

Bekanntermaßen entstand die heute in der ganzen Welt beliebte Salsa (so wie ihr kleiner Cousin Boogaloo) nicht in Lateinamerika, sondern im New York der 1960er Jahre: Musiker wie Rubén Blades, Ray Barretto, Johnny Pacheco oder Willi Colón mixten aus kubanischen und karibischen Rhythmen, Rock, Jazz und Soul ein explosives Gemisch, teilweise mit sozialkritischen Texten. Die Clubs und Tanzsäle brodelten, die Konzerte entwickelten sich zu Manifestationen lateinamerikanischer Lebensfreude im Big Apple. Eine wichtige Rolle in der Vermarktung dieser Musik spielte das 1964 gegründete Label "Fania". Dort nahmen alle Latino-Stars auf; neben den zuvor genannten auch Celia Cruz, Mongo Santamaria, Tito Puente und Eddie Palmieri. Viele von ihnen spielten zudem in der Salsa-Supergroup Fania All Stars.

V.A.
New York City Salsa 2
Fania/ V2 Records

Die salsa dura ergoss sich in den 70ern über Lateinamerika, entwickelte sich zu einer latino-identitätsstiftenden Musik und löste dort einen Boom von Interpreten und Bands aus. In den 80ern gelangte sie dann nach Europa und Japan. Ihre geographische und stilistische Diversifizierung trug zu einem Bedeutungsverlust der New Yorker Szene und von "Fania" bei. Das Label wurde 2006 verkauft. Dabei tauchten viele verloren geglaubte Masterbänder der rund 2.000 Fania-Produktionen wieder auf, was seither zu einer erfreulichen Schwemme von Re-Issues führt.

V.A.
El Barrio
Fania/ V2 Records

Die Compilations "New York City Salsa 2" und "El Barrio” von V2-Records fahren mit ihren treibenden Rhythmen von Richie Ray ("Aguzate”), Celia Cruz ("Tres dias de Carnaval"), Orchestra Harlow ("Rise up") oder Pete & Louie ("Evil ways") in die Beine. Die jeweils 15 Titel haben erfreulicherweise noch nichts mit der kitschigen salsa romantica der 80er Jahre zu tun.

Willie Colón
The Player
Fania/ V2 Records

Posaunist und Sänger Willie Colón ist den neuen Besitzern des Fania-Backkatalogs sogar eine Doppel-CD wert (inkl. dickem Booklet). Der auch als "El Malo" bekannte Puertorikaner hat in seinen 23 Jahren bei Fania (1966-1989) unzählige Hits produziert, oft im Duett mit anderen Stars. Viele davon finden sich hier: einlegen und abtanzen!

V.A.
Latin Jazz
Putumayo/ Exil 90330-2

Nicht aus dem Fania-Archiv aber ebenso partytauglich sind die beiden CDs, die Exil-Records in Deutschland vertreibt: Auf "Latin Jazz" finden sich vor allem die langsamerem Latino-Rhythmen Son, Mambo und Cha Cha Cha, die aber nicht weniger tanzbar sind. Herausragend: Ray Barrettos Version des Gershwin-Klassikers "Summertime" sowie "Rumdrum" des isländischen (!) Percussionisten Tómas Einarsson, eingespielt in Havanna.

Spanish Harlem Orchestra
United we swing
Six Degrees/ Exil 90262-2

Das Spanish Harlem Orchestra, gegründet von Oscar Hernández im Jahr 2000, läßt die alten Salsa-Dura-Zeiten wieder aufleben, spielt aber auch die langsameren kubanischen Rhythmen. Salsa in der Spielweise des neuen Jahrtausends, eine gelungene Kombination. Als besonderes Schmankerl singt am Ende Paul Simon seinen Hit "Late in the evening" zu einem Salsa-Arrangement.

Text: Torsten Eßer
Fotos: amazon

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