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[kol_4] Lauschrausch: Sexteto Electronico Moderno trifft Bajofondo Tango Club

Sexteto Electronico Moderno
Sounds from the elegant world
Vampisoul 036
Der Hammond-Sound wabert aus den Boxen, ein relaxtes Gefühl stellt sich ein. Trotz einer miserablen Wirtschaftslage und instabiler Verhältnisse im Uruguay der 60er Jahre, florierte in Montevideo das Nachtleben und Gruppen wie das "Sexteto Electronico Moderno" (SEM) lieferten die Musik dazu. 1968 produzierten sie ihr erstes Album, das sich unglaubliche 14.000 mal verkaufte. Ihre Mischung aus Eigenkompositionen und Instrumental-Coverversionen bekannter Titel aus den damaligen Charts kam gut an. Dabei sind die Kompositionen von Organist Armando Tirelli, beispielsweise das funkige "Soul Nuevo", mit dem diese Compilation der fünf Alben des SEM beginnt, den internationalen Hits wie "In the year 2525" von Zager & Evans oder "The look of love" von Dusty Springfield durchaus ebenbürtig.

Die 15 Titel wandern zwischen jazzig und Easy Listening ("Je t’aime") hin und her und bedienen sowohl Fans eingängiger Melodien von Burt Bacharach, als auch Anhänger souliger Melodien von Booker T. & M.G.’s ("Soul limbo"). Gesungen wird glücklicherweise nur beim letzten Titel, denn dann driftet der Klang doch sehr in den Kitsch ab.

Auf einigen der alten Aufnahmen sind Sprünge und Kratzer hörbar (Stück Nr. 8) und manchmal klingen die Titel ein wenig dumpf. Trotzdem gebührt der Arbeit des Labels "Vampisoul" Anerkennung, denn die Originalaufnahmen waren und sind in Europa nicht erhältlich.

Bajofondo Tango Club
Bajofondo Tango Club
Universal
Drei Jahre nach seinem Erscheinen in Argentinien ist das Debütalbum des Projektes "Bajofondo Tango Club" nun auch in Deutschland erhältlich. Dahinter verbirgt sich Gustavo Santaolalla, ein erfolgreicher Musiker und Produzent, der mittlerweile in den USA lebt. Vergleichbar mit dem europäischen "Gotan Project" versucht Santaolalla den Tango der heutigen Musikwelt zu öffnen, indem er ihn mit Elektronik und anderen Stilen mischt. Klassische Instrumente wie Bandoneon, Gitarre oder Klavier finden dabei ebenso Verwendung wie Computer und Sampler. So befreit Santaolalla ihn von seinem staubigen Image und macht ihn der jungen Generation zugänglich.

Das gelingt den vielen am Projekt beteiligten Musikern auf sehr unterschiedliche Weise:

Vom beat-lastigen, und an frühen Acid House erinnernden, aber sehr tanzbaren "Los tangueros" über das jazzig klingende "Bruma" - unter Beteiligung des Jazzpianisten Adrian Iaies - und die sparsame und sehr schöne Instrumentierung von "En mi/Soledad" bis zum Ohrwurm "Mi corazón" mit der gesampleten Stimme des in den 60er Jahren sehr beliebten Sängers Roberto Goyeneche reicht die Bandbreite.

Der Soundtrack des heutigen Buenos Aires, clubtauglich, aber auch für den häuslichen Genuss!

Text: Torsten Eßer
Fotos: amazon.de