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[kol_3] Erlesen: Fettnäpfchenführer Brasilien
 
Das Rezensionsexemplar kommt fünf Minuten nach Redaktionsschluss. Was hätte man von einem Fettnäpfchen auch anderes erwarten können, dazu noch einem brasilianischen, dessen Zeitverständnis nicht unbedingt preußischer Natur ist.

Es wird also bei der Veröffentlichung der Ankündigung des Verlags (s.u.) bleiben, denke ich als ich das Buch auspacke und dann doch aufschlage. Kapitel 1 Linda kommt an und weiß nicht weiter lässt mich schnell urteilen, dass es sich um ein paar handfeste Tipps für individuell reisende Erstlingslateinamerikabesucher handelt. Themen wie öffentliche Telefonzellen und die Wahl des richtigen Taxis werden in den Abschnitten „Was ist diesmal schiefgelaufen?“ und „Was können Sie besser machen?“, die jedes Kapitel abschließen, beleuchtet und mit Tipps angereichert.




Nina Büttner, Emel Mangel und Henrieke Moll
Fettnäpfchenführer Brasilien – Lebenskunst zwischen Karneval und Copacabana

320 Seiten, gebunden, Originalausgabe
€11,95 [D] - €12,30 [A] - sFr. 17,90 [CH] (UVP)

ISBN 978-3-934918-92-4
Conbook Verlag

Von nun an lese ich quer, springe hin und her und eh ich mich versehe, hab ich mich auf dem Balkon in der herbstlichen Sonne Berlins des T-Shits entledigt und bin voll und ganz eingetaucht in die Fettnäpfen und kurios anmutenden Situationen, die die Protagonistin durchlebt.

Einige sind bekannt wie das Verhältnis der Lateinamerikaner zur Nutzung des Taschentuchs in der Öffentlichkeit, einige interessant wie das Gespräch mit dem Chef, bei dem Linda sowohl die Gesprächseinstiegsfloskel Wie läuft der Unterricht? zum Anlass nimmt, sich ausführlich über die kleinen Schwierigkeiten ihrer ersten Tage als Deutschlehrerin auszulassen, als auch den eigentlichen Gesprächsanlass, die Umgehung des bürokratischen Weges ihrer Arbeitserlaubnis durch monatliche Barauszahlung im Briefumschlag, missversteht und ausweichend reagiert. Andere hätte Linda nicht zuletzt als rheinische Frohnatur kennen können, denn eine Einladung auszuschlagen mit den Worten Ich bin lieber alleine! ist in Gesellschaften, die die Geselligkeit bevorzugen, nicht akzeptabel. Und dann gibt es noch reihenweise unverhoffte Fettnäpfchen wie, Unterwäsche gehört nicht in die häusliche Waschmaschine, sondern ist unter der Dusche zu reinigen...

Mittlerweile haben wir fünf Minuten vor Onlinegang, also vor Erscheinen der Ausgabe. Immer noch finde ich Kapitel, die beim Hin- und Herspringen ungelesen geblieben sind. Es ist aber auch wie verhext, denn zu jedem Fettnäpfen, in das  Linda tritt, schweifen meine Gedanken zu Fettnäpfchen, in die ich selbst getapst bin auf meinen Reisen nach Lateinamerika.

Es nutzt aber nichts, der Cut muss her und so bleibt zu sagen, dass der Fettnäpfchenführer Brasilien absolut lesenswert scheint sowohl für Individualreisende oder berufsbedingt Reisende, denen der erste Kontakt mit Brasilien noch bevor steht als auch für Brasilienerprobte, die Fettnäpfchen wiedererkennen oder jetzt erst als solche identifizieren werden.



Ankündigung des Verlags:

Neuerscheinung: Fettnäpfchenführer Brasilien
Kultur und Gesellschaft zwischen Amazonas und Atlantik

Weltberühmt ist der brasilianische Karneval und die Copacabana zieht jedes Jahr Scharen von Touristen an. Doch auch die Schattenseiten des Landes sind bekannt: Drogenkriege, Korruption und Armut. Diese unterschiedlichen Extreme zeigen, wie komplex sich das Leben in Brasilien präsentiert. Wie man sich als Neuankömmling in der Kultur zwischen Zuckerhut und Favela dennoch gut zurechtfindet, erklärt das neue Episodenwerk „Fettnäpfchenführer Brasilien“.

Die Studentin Linda ist die Heldin des Buches. Sie ist zwar ausreichend vorbereitet, um in Brasilien Deutschlektionen zu geben, ahnt jedoch noch nicht, dass ihr im Gegenzug die eine oder andere Lektion in brasilianischer Etikette bevorsteht. Trotz der überschäumenden Lebensfreude der Einheimischen lässt sich nämlich nicht leugnen, dass es auch im bevölkerungsreichsten Staat Südamerikas reihenweise gesellschaftlichen Fettnäpfchen auszuweichen gilt.

Sie nimmt am Karneval teil, besucht die Copacabana und stürzt sich in das Getümmel Rios. Ein Eintauchen in die fremde Kultur, das sich auch für eine weltoffene Reisende wie Linda nicht ganz reibungslos gestaltet. Auf einer Silvesterfeier muss sie feststellen, dass bei der Kleiderwahl vor allen Dingen die Farbe von entscheidender Bedeutung ist. Während einer Übernachtung in São Paulo wird ihr schnell klar, dass sie sich unter einem Motel etwas anderes vorgestellt hat. Und im Verkehr Rio de Janeiros trifft sie die schmerzliche Erkenntnis, dass Busfahren in Brasilien nichts für Feiglinge ist. Drei von zahlreichen Episoden, die für Linda oftmals unangenehm, für den Leser aber sehr lehrreich sind.

Die drei Autorinnen des neuesten Titels der „Fettnäpfchenführer“-Reihe haben die kulturellen Eigenheiten Brasiliens bereits während langer Aufenthalte verinnerlicht und sind von Land und Leuten dort begeistert. Eine von den Dreien hat sich mittlerweile sogar dauerhaft auf das Abenteuer Südamerika eingelassen. Der geballte Erfahrungsschatz des Trios spiegelt sich in den Erlebnissen Lindas wieder und in der Kunst des neuen Episodenwerks, dem Leser das ferne Land auf amüsante Weise nah zu bringen.

Der „Fettnäpfchenführer Brasilien“ ergänzt die beliebte Buchreihe über das Minenfeld kultureller Eigenheiten, ist im Conbook Verlag für Literatur und Länder erschienen und ab sofort im Buchhandel erhältlich.

Text + Fotos: Conbook Verlag
Text Rezension: Dirk Klaiber

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