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[kol_4] Lauschrausch: Zwei Entdeckungen aus Portugal
Dancas Ocultas und Dazkarieh
 
Dancas Ocultas
Tarab
numérica / galileo mc
Eine Überraschung aus Porto: Vier Akkordeonisten, die auf ihren diatonischen Instrumenten herzergreifende Musik spielen, manchmal treibend, nie laut. Von der Melancholie des Fado finden sich Spuren, ebenso vom Tango Nuevo, aber vor allem orientieren sich die Portugiesen an traditioneller und an Kammermusik.

Dancas Ocultas
Tarab
numérica / galileo mc

Diese Mischung zieht einen vom ersten perkussiven Ton in "Héptimo" an in den Bann und entlässt einen erst wieder in die Realität, wenn die letzte Note von "Aragem" verklungen ist. Dazwischen liegen heitere und düstere Momente, die einen in einen wunderbaren Rausch versetzen. Und in etwa bedeutet "Tarab" auch "Rausch". Tipp: Diese leise CD laut hören!


Dazkarieh
Ruído do silêncio
galileo mc
Der Begriff "Folkrockband" für "Dazkarieh" umschreibt nur vage die Musik der Gruppe. Die 1999 gegründete Band war ursprünglich in der Gothic-Szene zu Hause. Von dort ist der Schritt über die Mittelaltermusik zur traditionellen Folklore oft nicht weit und Dazkarieh vollzogen ihn rund vier Jahre nach ihrer Gründung. Spuren ihres Ursprungs sind aber immer noch zu hören, z.B. in der instrumentalen "Mazurka da água". Der Name des Quartetts aus Lissabon bedeutet übrigens gar nichts, er ist ein Kunstwort.

Dazkarieh
Ruído do silêncio
galileo mc

Neben Balladen ("Ruído do silêncio") und schnellen Instrumentalstücken wie "Légua da póvoa" und "Repasseado da Calçada", in dem die traditionellen portugiesischen Instrumente zum Einsatz kommen - die gaita, der portugiesische Dudelsack, sowie die Trommeln adufe, bombo und caixa beiroa - beeindrucken vor allem die Titel an der Grenze zum Rock: Das herausragende "Sons de pó" beginnt mit einer reizvollen Mischung aus dem Klang der cavaquinho (kleine portugiesische Gitarre) und Heavy-Metal-Riffs, Crossover im besten Sinne. Im traditionellen Lied "Moda de ceifa II" wird diese Idee mit einem noch treibenderen Rhythmus erneut aufgegriffen, wobei der gedeckelte Gesang allerdings die Harmonie etwas stört. Insgesamt ein interessantes Album zwischen Folk, Pop und Rock.

Text: Torsten Eßer
Cover: amazon

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