suche




newsletter//abonnieren




[kol_3] Lauschrausch: Kampflieder grüner Kartoffeln vs Funky Barcelona

La Papa Verde
Oficialmente y legal
galileo-mc

Als im Gefolge der Spanier die aus den Anden stammende papa Mitte des 16. Jahrhunderts nach Europa kam, wurde sie als Speise abgelehnt: zu bitter! Die Kartoffel wurde wegen ihrer schönen Blüten bewundert. Erst als man sie nicht mehr roh zu essen versuchte, sondern kochte, eroberte die Knolle die Speisepläne der Menschen und machte aus Deutschland das Kartoffelland schlecht hin. Und von dort, genauer aus der rheinischen Spaßmetropole Köln, kommt La Papa Verde.

Auf ihrem Debutalbum "Oficialmente y legal" verbinden die sieben Musiker eben jenen rheinischen Spaß mit politischer und sozialer Kritik (z.B. "La Paloma de la Paz") und machen daraus einen (meist) äußerst tanzbaren Mix, der zwischen cumbia, rumba, Ska und Reggae angesiedelt ist, manchmal mit einem Schuss Hardcore.

Dazu passt ihre Beteiligung am musikalischen "Edelweißpiratenprojekt", aus dem ihr Stück "Hier und Dort" hervorging, die gelungene lateinamerikanische Aufarbeitung eines Textes dieser von den Nazis verfolgten Jugendlichen. In ihrer Mestizo-Musik à la Manu Chao oder mexikanischer Bands wie "El Gran Silencio" kommt auch der Humor nicht zu kurz: "soy la rica papa, no me confundas con el gordo papa de Roma", heißt es in "La Papa Verde". Die in den Texten häufig verehrten porritos empfehle ich aber nach dem Genuss der CD zu rauchen, denn sonst ist die Stimmung zu gedämpft für Tanz und/oder Kampfaufruf ("en cada canción un manifiesto de liberación"). Die Kartoffelgöttin Aro-Mamma wird mit diesem Werk hochzufrieden sein.Muchachito Bombo Infierno


Muchachito Bombo Infierno
Vamos que no vamos
Exil Music 5908-2

Türen zu und los! Durch die Straßen von San Francisco? Nein, durch die Gassen von Raval, auch wenn die Musik zunächst an den 70er-Jahre-Soundtrack der US-Krimiserie erinnert. Aus Barcelona kommt eine (für uns) neue und rauchige Stimme: Jairo Perera Viedma. Er und seine Kumpanen von Muchachito Bombo Infierno rechnen sich zur Mestizo-Szene der katalanischen Hauptstadt, und so finden sich auch hier wieder die üblichen Hilfstruppen (Ojos de Brujo in der rumba "Eima").

Doch viele ihrer Stücke fallen glücklicherweise aus dem rumba-Rahmen: Funky und jazzig im Stil der 70er Jahre, mit einem Schuss Rockabilly kommen die meisten Songs daher. Der Rest wandelt zwischen rumba, Rock und Reggae.

Spannend, unterhaltsam und ein erster folgerichtiger Schritt aus dem Ska-Rumba-Einheitsbrei, den man in Deutschland so liebt.

Text: Torsten Eßer
Fotos: amazon.de