ed 04/2013 : caiman.de

kultur- und reisemagazin für lateinamerika, spanien, portugal : [aktuelle ausgabe] / [startseite] / [archiv]


[kol_4] Lauschrausch: Neue Stimmen aus Portugal
Maria de Fatima trifft Carminho
 
Die Jazzsängerin Maria de Fatima, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Fadista, lebt seit ihrem 20. Lebensjahr außerhalb Portugals. Sie arbeitete als Lehrerin in Schweden und entdeckte erst mit 30 ihre Leidenschaft für die Musik. Sofort begann sie ein Jazzgesangsstudium in Hilversum und ging dann nach Oldenburg. Heute unterrichtet sie dort und an der Hochschule der Künste in Bremen Gesang.

Gemeinsam mit dem belgischen Bassisten Nicolas Thys und dem deutschen Pianisten Sebastian Altekamp interpretiert sie auf dem ihrer Mutter gewidmeten Album "Stella" vor allem Bossa-Nova und MPB-Titel von Ivans Lins, Antonio Jobim oder Dori Caymmi - aber eben nicht in der gewohnten legeren Haltung und Instrumentierung, sondern intim, im kammermusikalischen Gewand, mit reduzierter Bass- und Klavierbegleitung. Und auch die wenigen portugiesischen Titel klingen nicht vordergründig nach Fado, auch wenn es sich z.B. bei "Medo" um einen ernsten fado castiço des berühmten Fado-Komponisten Alain Oulman handelt. Aber es erklingt eben keine portugiesische Gitarre und auch die Haltung ist nicht so expressiv-traurig wie beim Fado. Trotzdem fließen natürlich Elemente des Fado ein, den Fatima seit ihrem Auslandsaufenthalt sehr schätzt. Sie steuert auch zwei Eigenkompositionen bei, eine davon, "Angustia", mit einem Text der Dichterin Florbela Espanca.

Maria de Fatima
Stella
Pirouet Records

Auf dem neuen Album der Fado-Sängerin Carminho finden sich auch zwei Titel brasilianischer Komponisten – Chico Buarque und Vinicius de Moraes –, die allerdings viel expressiver interpretiert werden als bei Maria de Fatima. Die Instrumentierung ist, mit Piano und Streichern, bei Moraes modernisiert, aber der Gesang eindeutig einer Fadista zuzuordnen. Des weiteren hat Carminho bei der Auswahl ihrer Stücke auf die Ausgewogenheit zwischen Tradition und Moderne geachtet: Traditionelle Fados wie der lebhafte "Fado das Queixas" stehen neben Eigenkompositionen ("Folha"), Balladen ("Talvez") und der Vertonung moderner Lyriker ("Impressão digital").

Carminho
Alma
EMI

Ein schönes Album, das Erfolg über die Grenzen Portugals hinaus verdient hat.

Text: Torsten Eßer
Cover: amazon

[druckversion ed 04/2013] / [druckversion artikel] / [archiv: lauschrausch]


© caiman.de : [disclaimer] / [impressum] / [agb] / [kontakt]