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[kol_4] Lauschrausch: Gregor Huebner - El violin latino Vol. II "For Octavio"

Die Violine hat eine lange Tradition in der lateinamerikanischen Musik. Schon die Jesuiten brachten in ihren Reduktionen der indigenen Bevölkerung Bau und Spiel dieses importierten Instruments bei, mit großem Erfolg. Später fand die Geige ihre Rolle u.a. in der Mariachi-Musik, im Tango oder im kubanischen Danzón. Damit der gebürtige Stuttgarter Geiger Gregor Huebner mit diesen Genres in Berührung kam, musste er nach New York übersiedeln.

Eigentlich kam er 1994 auf den Spuren des Jazz in die Stadt, aber schnell tauchte er in die brodelnde Latin-Szene des Big Apple ein, wo Millionen von Latinos vom ganzen südamerikanischen Kontinent leben. Bald war er in Deutschland Teil von Bands wie Salsafuerte und Tango Five, mit denen er beeindruckende Alben herausbrachte. In den USA spielte er mit Los Jóvenes del Barrio, Eye Contact und Son Radical.

Gregor Huebner
El Violin Latino Vol.II "For Octavio"
GLM / Soulfood

Irgendwann kam ihm die Idee, die Geige als ein verbindendes Element der lateinamerikanischen Musik zu betrachten und ein Album mit Stücken des Kontinents herauszubringen, genauer mit Titeln aus Brasilien, Kuba und Argentinien, denn – ohne die musikalischen Leistungen der anderen lateinamerikanischen Staaten schmälern zu wollen – von dort stammen die meisten Rhythmen, die international Bedeutung erlangt haben. Eine Idee, die gut ankam, weshalb nun Teil 2 erschienen ist. Mit seinen Mitmusikern aus diesen drei und weiteren Ländern spielt er, neben von osteuropäischer Geigentradition beeinflussten Eigenkompositionen, Stücke von Tom Jobim oder Astor Piazzolla ein (erfreulicherweise nicht die üblichen Verdächtigen!), aber auch Titel von jüngeren Komponisten wie dem seit 1993 in New York lebenden Kubaner Oriente López, dessen "La canafistula" ein wunderbar instrumentierter Titel ist.

Aus dessen Feder stammt auch das swingende "El frio y la oscuridad". Der ebenfalls in New York lebende Bandoneonist Raúl Jaurena, der auf den fünf argentinischen Titeln zu hören ist (u.a. auf "La última curda"), steuert auch ein Stück bei. Gastsänger/innen wie Amparo Barón oder Ernesto Camino veredeln die Vokaltitel. Bei den Eigenkompositionen sind hervorzuheben "For Octavio", das mit einem dramatischen Violinsolo endet, eine Hommage an den verstorbenen Freund und Pianisten Octavio Brunetti, das melancholische "Fantasía" sowie "Gitano bambú", Huebners Hommage an den Schmelztiegel New York, die durch den Sprechgesang der Sängerin Yumaria an die jazz and poetry-Aufnahmen der beatgeneration erinnert.

Text: Torsten Eßer
Cover: amazon

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