ed 01/2017 : caiman.de

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spanien: San Pietro in Montorio in Rom
Ein Stück Spanien in der Ewigen Stadt
BERTHOLD VOLBERG
[art. 1] druckversion:

[gesamte ausgabe]


kuba: Der durch die Wolken schwebte
Erinnerung an eine regnerische Begegnung mit Fidel Castro
THOMAS MILZ
[art. 2]
argentinien: Kleine Kredite, die Großes bewirken
KATHARINA NICKOLEIT
[art. 3]
kuba: Kein Land ist derzeit so sexy wie Kuba
Der Lateinamerika-Korrespondent Jens Glüsing über sein neues Kuba-Buch
THOMAS MILZ
[art. 4]
erlesen: "Der Herbst des Goldenen Zeitalters"
von Karin Schüller
BERTHOLD VOLBERG
[kol. 1]
grenzfall: Die Umrundung des Huayhuash
Das beste Trekking in Südamerika?
PROMPERÚ
[kol. 2]
sehen: Angst vor der Trump-Mauer
Mexikaner sitzen fest
SWR
[kol. 3]
lauschrausch: Extraña von Addys Mercedes
TORSTEN EßER
[kol. 4]





[art_1] Spanien: San Pietro in Montorio in Rom
Ein Stück Spanien in der Ewigen Stadt
 
Spanien ist groß, das drittgrößte Land Europas. Und dazu gehören Territorien, die gar nicht in Spanien liegen. Damit meine ich nicht die spanischen Städte in Marokko, Ceuta und Melilla (die übrigens schon länger zu Spanien gehören als Granada) oder die Kanarischen Inseln in Nordafrika, sondern ein winziges aber sehr edles Stück Spanien, von dem kaum jemand weiß, dass es zu Spanien gehört. Es befindet sich auf einem Hügel mit grandiosem Panoramablick über die wohl großartigste aller Städte: Rom. Das exterritoriale Gelände der Academia de España in der Ewigen Stadt liegt auf dem Gianicolo, einem der angeblich sieben Hügel Roms, und umfasst nicht nur die Büroräume, Amtstuben und Bibliothek der Real Academia de España, sondern auch zwei Kirchen mit demselben Namen, von denen eine winzig ist, dafür aber als der reinste Renaissancekirchenbau gilt: San Pietro in Montorio.

Wie der Name schon verrät, war die Verehrung des heiligen Petrus, des Apostelfürsten und nach Interpretation der Katholischen Kirche ersten Papstes, der Grund für die Entstehung eines christlichen Heiligtums auf dem Gianicolo. Denn eine fromme Legende machte diesen Hügel zum Ort, wo Petrus sein Martyrium erlitt - angeblich ist er hier mit dem Kopf nach unten gekreuzigt worden. Mindestens seit dem 8. Jahrhundert gab es hier eine Kirche, die dem heiligen Petrus geweiht war. Dass der erste "Stellvertreter Christi" wirklich hier exekutiert wurde, ist äußerst unwahrscheinlich. Denn es gibt ja wie allgemein bekannt noch einen deutlich prominenteren Ort, der diese Ehre für sich beansprucht: das Terrain des heutigen Petersdoms, in dessen Krypta sich der Sarkophag des Apostels befindet. Und Petrus kann kaum an zwei Orten gleichzeitig gestorben sein.

Der Grund, warum sich die heutige Kirche, ein repräsentativer Rennaissancebau, hier befindet, war profaner und sehr menschlich: die langersehnte Geburt eines Babys. Spaniens Katholische Könige Ferdinand von Aragón und Isabella von Kastilien waren nervös geworden, weil ihnen nach ihrer Hochzeit 1569 Jahre lang nicht die Geburt eines Thronfolgers gelingen wollte. Motiviert von der Angst, die durch ihre folgenreiche Heirat frisch entstandene Großmacht Spanien könnte ohne Nachfolger auf dem Thron bleiben, legten sie das feierliche Gelübde ab, mit ihrem Geld eine Kirche in Rom zu bauen, sobald ihnen endlich ein Thronfolger geboren würde. Im Jahr 1478, neun Jahre nach der Hochzeit, kam ihr Sohn Juan zur Welt und 1480, mit einiger Verzögerung (Gott wurde schon ungeduldig), spendete Ferdinand von Aragón eine beträchtliche Summe und beauftragte den Bau einer Kirche und eines Klosters auf dem Gianicolo. Das Territorium hatte Papst Sixtus IV. bereits vorher einem spanischen Zweig des Franziskanerordens geschenkt. Und König Ferdinand verband viel mit Italien, schließlich herrschte das Haus Aragón schon seit 1282 über die Südhälfte Italiens, und Ferdinand war zugleich König von Neapel-Sizilien (wo spanische Herrscher noch bis 1713 auf dem Thron saßen).

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In der Folge schien es als ob der Verlauf der Geschichte die Katholischen Könige für ihren Kirchenbau belohnen wollte, denn im Jahr 1492 ließ er sie zuerst im Januar Granada erobern und danach im Oktober das Gold der Neuen Welt entdecken.

Dementsprechend fielen der Weiterbau und die Ausstattung der spanischen Kirche auf dem Gianicolo in den Jahrzehnten nach diesem Doppel-Triumph deutlich großzügiger aus als ursprünglich geplant. Aus einer bescheidenen Klosterkirche eines Bettelordens wurde ein sakraler Repräsentationstempel im Herzen Roms, der Spaniens Grandeza und Weltmachtstreben eindrucksvoll untermauern und bebildern sollte. Das zumindest ist gelungen, denn die Pracht von San Pietro in Montorio überdauerte die Zeiten bedeutend besser als Spaniens Weltmachtposition.

Die Hauptfassade der Klosterkirche ist monumental, aber eher schlicht gehalten. Über dem Portal das Wappen der Katholischen Könige und ein gemeißelter Granatapfel - Symbol für das eroberte Granada. Bei der Innenausstattung, zu der auch ihr Enkel Kaiser Karl V. noch einiges spendete, wurde an nichts gespart.

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Das vielleicht berühmteste Gemälde der Originalausstattung von San Pietro in Montorio, Raffaels "Verklärung Christi", befindet sich heute zwar in den Vatikan-Museen. Aber insbesondere die zehn Seitenkapellen der Kirche übertrumpfen sich gegenseitig mit erstrangigen Kunstwerken. In der Capella Borgherini wird alles dominiert von den grandiosen Fresken des Renaissance-Malers Sebastiano del Piombo, besonders gelungen und oft kopiert ist seine dramatische Szene der "Geißelung Christi" (1524 vollendet). Da erscheint Christus mit griechischem Heldenkörper gefesselt an eine Säule den römischen Folterknechten ausgeliefert. Auch für die Bildausstattung der anderen Kapellen wurden namhafte italienische Künstler beauftragt: die Maler Pomarancio und Baldassare Peruzzi (Capella di San Girolamo), Renaissance-Maler Giorgio Vasari und Bildhauer Ammanati (Capella del Monte) sowie noch ein Jahrhundert später der Barockmaler Michelangelo Cerruti sowie der Barock-Bildhauer Francesco Baratta (Capella di Sant Antonio).

Doch selbst die weniger berühmten und kleinen Kunstwerke in diesem Renaissance-Tempel zu Ehren des Apostel Petrus und des spanischen Thronfolgers Juan (der allerdings schon als Kind vor seinen Eltern starb) sind noch von herausragender Qualität. Dazu gehören die Grabmäler der Raimondi-Brüder in ihrer Kapelle, geschaffen von den Bildhauern Niccolo Sale und Andrea Bolgi. Eine Marmorbüste über dem Sarg zeigt den Grafen Raimondi als kultivierten Herrscher, der in Gedanken versunken in einem Buch blättert. Eine exquisite Darstellung, ebenso wie die beiden entzückenden Engelsköpfe unterhalb des Freskos, das in der Capella di San Girolamo die Krönung Marias zeigt.

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Und doch strömen die meisten Besucher ziemlich schnell durch diese Kirche und würdigen die sakrale Kunst kaum mit den Blicken, die sie verdienen würde. Denn die Hauptattraktion in Spaniens winzigem Territorium in Rom befindet sich mitten im Innenhof des Klosterkomplexes. Die Katholischen Könige hatten damit keinen Geringeren als den damaligen Stararchitekten Roms, Donato Bramante (1444 - 1514) beauftragt.

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Bramante hatte auch den ersten architektonischen Entwurf für den neuen Petersdom ausgearbeitet, der später von Michelangelo noch verändert wurde. Bramantes Beitrag zur spanischen Präsenz in Rom ist eher winzig, aber von gewaltiger Nachwirkung. Sein kleiner zwischen 1502 und 1510 errichteter Rundtempel im Innenhof hat einen Durchmesser von nur viereinhalb Metern! Insgesamt wirkt dieses Tempelchen, das sich genau über dem vermuteten Ort der Kreuzigung des Apostels Petrus  erhebt, wie ein Miniaturgebäude. Heute gilt dieses Meisterwerk von Bramante (neben der Kirche von San Biagio bei Montepulciano) als der perfekteste Sakralbau der Renaissance, denn wie kaum ein anderer präsentiert er die Ideale dieser für Europa so entscheidenden Kunstepoche: Rückbesinnung auf die Harmonie antiker Tempel durch den Säulengang, der ihn wie einen Ring umschließt, klare, rationale Gliederung der Formen besonders in der Gestaltung der winzigen Kuppel und dazu in der Innenausstattung Reliefs und Statuen, die sich deutlich an Vorbilder der griechisch-römischen Antike anlehnen - wie die vier Evangelisten, die hier wie muskelbepackte, griechische Götterstatuen dargestellt werden.

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Bramante bricht mit dem traditionell dominierenden Kirchenmodell einer dreischiffigen Basilika und präsentiert das revolutionäre Modell einer Kirche, die quasi nur aus einer Kuppel besteht. Sehr ähnlich war auch Bramantes Ur-Modell des Petersdoms. Und in der Tat ist das elegante Tempelchen von San Pietro in Montorio mehr Vorzeigemodell und Stein gewordene architektonische Idee als ein real zu nutzender Kirchenbau. Dieser Tempel Bramantes wurde nicht erbaut, um dort Messen zu feiern - dafür ist er viel zu klein, es hätten gerade mal ein Priester und vier Ministranten Platz. Erst recht viel zu klein ist dieses Kirchlein, um die zu erwartenden Pilgermassen, die zum legendären Sterbeort des Apostels Petrus strömen, empfangen zu können. Nein, Bramantes Kreation auf dem Gianicolo ist eher ein architektonisches Miniaturmodell, ein Juwel, das eher zur Betrachtung und weniger zur realen Benutzung als Kirche geschaffen wurde. Die Manifestation der Idee von einer Kirche - rund, hell und bekrönt von einem blauen Sternenhimmel und von perfekter Harmonie. Und so wurde im Westen Roms mit dem Geld der spanischen Könige und den besten Künstlern der Renaissance ein Architekturjuwel gezaubert, das weniger der Glorifizierung des spanischen Imperiums dient, sondern vielmehr ein zeitloses, ewig modernes Symbol vollendeter Baukunst darstellt.

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Den Ausflüglern, die vielleicht nur auf diesen Hügel kommen, um neben der spanischen Flagge die Aussicht auf die Ewige Stadt zu genießen, sei empfohlen, dieses kleine und sehr edle Stück Spanien in Rom zu besuchen und dabei besonders Bramantes Mini-Tempel die Aufmerksamkeit zu schenken, die ihm gebührt.

Text + Fotos (1 - 9): Berthold Volberg
Fotos (10 - 14): Vicente Camarasa

[druckversion ed 01/2017] / [druckversion artikel] / [archiv: spanien]





[art_2] Kuba: Der durch die Wolken schwebte
Erinnerung an eine regnerische Begegnung mit Fidel Castro

Es regnete schon seit früh in Strömen an jenem Montag, den 26. Juli 1999 in Cienfuegos. Wir hatten uns Stunden vor Fidels geplanter Ankunft aufgemacht, um einen guten Platz auf dem gigantischen Feld zu ergattern, möglichst nahe an der hölzernen Rednertribüne. Die Straßen waren an jenem Tag mit Fahnen und Spruchbändern geschmückt, auf denen dem "Movimiento 26 de Julio" gedacht wurde, der die kubanische Revolution einleitete: der Angriff auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba im Juli 1953.

Fast ein halbes Jahrhundert war seitdem vergangen. Längst knirschte es an vielen Stellen im kubanischen Staat, hinter vorgehaltener Hand erzählten uns die Menschen von den Missständen ihres Alltags. Trotzdem strömten sie auf das Feld in Cienfuegos, das in diesem Jahr für die Feierlichkeiten auserwählt worden war.

Unter Regenschirmen versuchten sich die Menschen vor dem Regen zu schützen, viele hatten sich transparente Plastikplanen übergestülpt. Solange es regnet, kommt er nicht, raunten sich die Umstehenden zu. Sein Hubschrauber könne bei dem Wetter nicht in Havanna starten. Und wenn doch, so könne er bei dieser geschlossenen Wolkendecke nicht landen. Es wurde immer später und düsterer, der grau-schwarze Himmel tünchte die durchnässte Umgebung in dumpfe Pastelltöne. "Er kommt nicht mehr, gehen wir", sagte mein Nebenmann. "Er kommt", entgegnete ein anderer. Wir blieben.

Als der Regen endlich aufhörte, vernahmen wir aus der Ferne ein leises Rotorengeräusch. Es summte irgendwo oberhalb der tiefhängenden Wolken, bis diese sich plötzlich öffneten, direkt über der Rednerbühne am Horizont unseres Blickfeldes. Durch das Loch im Himmel schoss zuerst ein gleißender Strahl der untergehenden Sonne hinab.Dann senkte sich langsam ein olivgrüner Hubschrauber durch die Wolkendecke und glitt entlang des Sonnenstrahls hinab zur Erde. Über dem Platz lag die Stille des Staunens, dann brandete Beifall auf. Wenig später betrat Castro die Rednertribüne, die er über die nächsten Stunden nicht mehr verlassen sollte.

Warum es mich damals so bewegte, weiss ich nicht, aber eine dürre Gestalt mit Barett und oliv-grüner Tarnuniform, die von einem Licht- und Lautsprecherturm hinab Fotos schoss, bereitete mir eine Gänsehaut. Ob es Alberto Korda war? Ob er ein Bild von mir gemacht hatte, wie ich mit ernstem Blick auf den winzigen Castro am Horizont blickte? Ich musste über meine eigene Dummheit lachen.

Wie lange wir noch in unseren aufgeweichten Kleidern auf dem Feld verharrten, weiss ich nicht mehr. Eine, vielleicht zwei Stunden. Dann gingen wir heim, vorbei an den Häusern, aus deren offenen Fenstern und Türen Castros Rede dröhnte. Alle Sender würden die Rede übertragen, hatten wir gehört. Nun redete er scheinbar ohne Ende weiter. Zum Schluss, als wir längst unseren Gutenachttrunk schlürften, soll er dann mit den Worten "Kuba setzt unerschütterlich seinen Vorwärtsmarsch fort" geendet haben.  

Am 25. November 2016 verstummte er nun für immer. Auf den Tag genau 60 Jahre nachdem er mit der Yacht Granma im mexikanischen Tuxpan Richtung Kuba aufgebrochen war. Ihm, der es stets verstanden hatte, seine Auftritte richtig zu timen, war das nun auch bei seinem Abtritt gelungen. Ob sich an jenem 25. November 2016 die Wolkendecke über Havanna öffnete, um Fidel Castro majestätisch durch sie hindurch in den Himmel zu hieven, ist jedoch nicht bekannt. Überraschen würde es mich nicht.

Text + Foto: Thomas Milz

[druckversion ed 01/2017] / [druckversion artikel] / [archiv: kuba]






[art_3] Argentinien: Kleine Kredite, die Großes bewirken
 
Eine gute Geschäftsidee alleine reicht meist nicht, um sich selbständig zu machen - es braucht auch eine Anschubfinanzierung. Die zu bekommen, ist in Argentinien fast unmöglich. Doch Kolping gibt Kleinunternehmer eine Chance.

Geradezu liebevoll setzt Margarita Graef einen Setzling nach dem anderen in die Erde. Noch ist nicht zu erkennen, welches Gemüse hier mal wachsen wird: Salat, Radieschen, Frühlingszwiebeln, Spinat – das sind nur einige der Produkte, die Familie Graef von ihrer Gemüsefarm an die Supermärkte der Umgebung liefert. "2007 haben wir mit dem ersten Gewächshaus angefangen", erzählt die Gemüsebäuerin. Umgerechnet 4.000 Euro brauchte die Familie, um in das Geschäft einsteigen zu können und die 52jährige erinnert sich mit Schaudern daran, wie schwierig es war, das Geld aufzutreiben. "Zu den Banken wollte ich nicht gehen. Die vereinbaren keine festen Zinsen, sondern passen diese ständig nach oben an, je nachdem wie Inflation und Dollarkurs stehen. Wir kennen viele Leute, die über einen kleinen Bankkredit alles verloren haben". Irgendwann empfahl ihr jemand das Kleinkreditprogramm von Kolping und Margarita und ihr Mann konnten Schattendächer und Schläuche zur Berieselung kaufen.

"Derzeit verlangen wir für einen Kredit 36 Prozent, inklusive aller Verwaltungskosten", erklärt Kati Weber und lacht, als der Besuch aus Deutschland hörbar nach Luft schnappt. "Doch, doch, das sind ausgezeichnete Bedingungen, zumal wir eine Laufzeit von bis zu 18 Monaten bieten und garantieren, dass die Zinsen nicht erhöht werden". Kati Weber von Kolpingwerk Misiones betreut die Kleinkreditnehmer, erörtert mit ihnen Marktchancen und erstellt gemeinsam Finanzierungspläne. Bei einer Inflation von rund 30 Prozent ist die Kreditvergabe in Argentinien ein heikles Geschäft. Banken, die darüber Gewinne erzielen wollen, werden unweigerlich zu Wucherern. Bei Kolping kommt es nur darauf an, das Stiftungsvermögen zu erhalten. "Und das ist uns trotz der in den letzten Jahren ständig steigenden Inflation gelungen!", berichtet Kati Weber nicht ohne Stolz.

Dass das Kleinkreditprogramm von Kolping in Misiones schon seit vielen Jahren erfolgreich läuft, hat viel damit zu tun, dass Kati Weber ein Gespür dafür hat, welche Geschäftsideen gut funktionieren. Einige davon sind recht ungewöhnlich – wie zum Beispiel das kleine Unternehmen "Pesque y Pague"- "Fisch und Zahl". Die zwölf Teiche von Raul Schorf sind eine Kombination aus Ausflugsziel und Fischzucht. Am Wochenende wird es schwer, hier einen freien Platz zu erwischen. Während die Kinder spielen, angeln die Väter mit der Garantie auf einen Fang. Sie bezahlen nach Gewicht, können sich ihren Tilapia, Karpfen oder Barsch gleich ausnehmen lassen und dann bei einem Picknick im Grünen grillen. "Die Teiche konnten wir selber ausheben und anlegen, das war kein Problem", erinnert sich Raul Schorf an die Anfänge seine Geschäfts im Jahr 2008. "Aber wir brauchten Material um Toiletten und einen Unterstand für die Gäste zu bauen. Kolping hat uns einen Kredit von 1500 Euro gegeben. Das ging schnell und unbürokratisch und reichte, um das Geschäft in Gang zu bringen".  Mit einem zweiten Kredit finanzierte der 32jährige Familienvater kleine Grillhütten, die die Gäste mieten können. Eine gute Investition, die sich gelohnt hat. "Je nachdem wie das Geschäft läuft, verdienen wir mit unserem Angelplatz damit zwischen 600 und 900 Euro im Monat. Davon können wir gut leben!"

Auch Margarita Graef nahm über die Jahre mehrere Kredite bei Kolping auf, um weitere Gewächshäuser zu bauen und eine Wasserpumpe anzuschaffen. Die Kredite pünktlich zurück zu zahlen, war kein Problem, die Nachfrage ist groß. "Wir könnten doppelt so viel Gemüse verkaufen, aber wir schaffen es einfach nicht, mehr anzubauen. Wir arbeiten so schon jeden Tag von sechs Uhr früh bis abends um neun", meint sie und wirkt ein wenig erschöpft bei dem Gedanken, was heute noch alles zu tun ist. Obwohl das Geschäft so gut läuft und die ganze Familie mitarbeitet, sinken die Gewinne. Inzwischen bleiben für jeden am Ende des Monats nur noch rund 300 Euro. "Der Klimawandel macht uns sehr zu schaffen, es gibt immer häufiger Starkregen, der unsere Ernte ruiniert." Deshalb will Maragrita Graef demnächst noch mal einen Kredit aufnehmen, diesmal für Regendächer. "Gut, dass ich mich an Kolping wenden kann", sagt sie und wirft einen dankbaren Blick in Richtung Kreditberaterin Kati Weber.

Text: Katharina Nickoleit

Weitere Informationen über die Autorin findet ihr unter:
www.katharina-nickoleit.de

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[art_4] Kuba: Kein Land ist derzeit so sexy wie Kuba
Der Lateinamerika-Korrespondent Jens Glüsing über sein neues Kuba-Buch
 
Seit 25 Jahren schreibt Jens Glüsing als Korrespondent und Autor von Sachbüchern über Lateinamerika. Jetzt hat er sich einen Traum erfüllt: ein Buch über Kuba. Es kam nur wenige Tage vor Fidel Castros Tod auf den Markt. Wir haben Jens Glüsing in Rio de Janeiro getroffen und zu Kuba und seinem neuen Buch befragt.
 
Caiman: Warum ausgerechnet jetzt ein Kuba-Buch?
Glüsing: Ich hatte schon immer vor, ein Buch über Kuba zu schreiben. Das ist ein spannender Moment, die Endzeit Fidels, die Öffnung zu den USA, Raúl Castro an der Macht und damit die Frage, wie es weiter geht. Und gleichzeitig stecken die anderen linken Regierungen in Lateinamerika in der Krise. Zudem ist das Interesse an Kuba im Verhältnis zu anderen Ländern der Region sehr groß. Viele Touristen wollen die Insel jetzt noch einmal sehen, solange sie ein lebendes Museum des Sozialismus untergegangener Zeiten ist. Aus all diesen Gründen ist kein anderes Land der Region derzeit so sexy wie Kuba, wenn ich das mal so profan sagen darf.

Caiman: Was ändert sich denn jetzt mit Castros Tod?
Glüsing: Ich denke, erst einmal nichts. Vor zehn Jahren ist Fidel erkrankt und Raúl macht den Job jetzt schon ein paar Jahre und sitzt fest im Sattel. Auf Kuba gab es stets diesen Witz: was kommt nach Fidels Tod? Eine große Beerdigung! Ich glaube, der wirkliche Einschnitt in Kuba wird das Regierungsende oder der Tod Raúls sein. Denn er ist der Mann des Systems, er ist der Mann der Partei, der Mann der den ganzen Laden zusammenhält. 2018 will er zurücktreten, er wird jedoch versuchen, weiter die Macht über die Partei zu behalten. Aber auch er ist 85 Jahre alt – und nicht unsterblich. Auch wenn er jetzt noch sehr fit wirkt. Aber ich glaube, sobald er abtritt, auf die eine oder andere Weise, dann sind in Kuba Änderungen und vielleicht sogar Unruhen zu erwarten. Dann wird eventuell die Situation weitaus angespannter sein als sie es jetzt ist.
 
Caiman: Wer steht denn als Nachfolger bereit?
Glüsing: Miguel Díaz-Canel ist zum Kronprinzen auserkoren worden. Er ist Mitte Fünfzig, Fan der Rolling Stones und gilt als Reformer und als ehrlich. Und das ist wichtig, denn auch in der Nomenklatura der Kommunistischen Partei herrscht mittlerweile viel Korruption. Außerdem hat Díaz-Canel bisher keine Fehler gemacht. Er ist der erste Vize-Präsident von mehreren und ich bin nicht sicher, ob er derart viel Macht auf sich vereinen wird können wie es jetzt Raúl tut. Vielleicht wird die Partei auch versuchen, den nächsten Präsidenten stärker zu kontrollieren und Raúls Posten mit eigenen Leuten zu besetzen. Das muss man abwarten. Aber Kuba ist immer für Überraschungen gut, bis dahin kann dann auch jemand ganz anderes auftauchen. Man muss aber sagen, dass Raúl eigentlich stets berechenbarer war als Fidel. Insofern deutet alles darauf hin, dass Miguel Díaz-Canel das Rennen machen wird.
 
Caiman: Wie sattelfest ist die Revolution eigentlich noch? Wie steht es um sie? Laufen die Dinge so toll wie man sie gerne darstellt?
Glüsing: Natürlich nicht. Die Revolution steckt in der Krise, und jetzt geht es genau genommen darum, die Macht zu sichern. Was Raúl und seinen Genossen vorschwebt, ist ein System wie in China oder Vietnam, wo eine Marktwirtschaft eingeführt, aber gleichzeitig die Herrschaft der Kommunistischen Partei beibehalten wird. Ob das in Kuba, also im Schatten der USA, gelingt? In einem kleinen Land, das nicht die Produktivität Vietnams oder Chinas hat und auch nach einer möglichen Liberalisierung nicht haben wird – denn Kuba hat in diesem Punkt die gleichen Schwächen wie die anderen lateinamerikanischen Länder. Ob das also gelingen wird, ist fraglich. Trotzdem denke ich, dass dies das angedachte System ist. Politische Reformen wird es nicht geben, die Macht soll bei der Partei bleiben. Aber in wirtschaftlicher Hinsicht lässt sich in Kuba mittlerweile über alles reden. Und jetzt, da Raúl nicht mehr Fidel im Nacken sitzen hat, der ja gegen viele Reformen war, könnte es sein, dass Raúl den Reformkurs sogar beschleunigen wird.
 
Caiman: Welche Rolle spielen denn die Exil-Kubaner in den USA?
Glüsing: Kuba hat halt den Nachteil, im Schatten der USA zu liegen, wo es eine große Exilgemeinde gibt. Von da wird eine Menge Druck kommen, nicht nur in Bezug auf die Öffnung der Wirtschaft, sondern auch auf eine politische Erneuerung. Schaut man sich die Geschichte Kubas an, dann wurde die Zukunft Kubas zum großen Teil in Washington entscheiden. Und aus dieser Zwangslage kommen sie nicht raus. Und vieles wird davon abhängen, wie sich die Politik der USA entwickelt, wen die Regierung in Washington fördert oder bekämpft.
 
Caiman: Der Druck aus den USA hat aber auch immer zu Gegenreaktionen geführt. Auf Kuba war es ja stets eine Art Auszeichnung, wenn man die USA als Gegner hatte....
Glüsing: ...ja, da halten die Kubaner zusammen. Solche Systeme funktionieren immer dann am besten, wenn sie unter Druck von außen stehen. Es schweißt zusammen, sich auf einen gemeinsamen Feind einigen zu können. In Kubas Geschichte der letzten 50 Jahre hat sich immer wieder gezeigt, dass sich das Geschehen verhärtet, sobald die USA die Zügel anziehen. Mit mehr Druck einen Systemwandel zu erzeugen funktioniert nicht. Obama hat das erkannt und richtig gehandelt: okay, es ist kein demokratisches System, aber wir haben 50 Jahre lang versucht, es zu bekämpfen und es zu stürzen. Aber das funktioniert nicht.
 
Caiman: Wie wird es in zehn Jahren auf Kuba aussehen?
Glüsing: Die Oldtimer werden dann wohl als Touristenattraktion durch die Gegend fahren, und nicht mehr als normales Verkehrsmittel. Ansonsten ist es schwer vorauszusehen. Es hängt stark davon ab, was in den USA geschieht. Und davon, wie sich die junge Generation auf Kuba entwickelt. Was man sagen kann, ist, dass es ein weitaus marktwirtschaftlicheres System sein wird als jetzt. Denn das ist nicht zurückzudrehen. Die Wirtschaft wird weitaus offener sein. Aber politisch können wir da noch einige Überraschungen erleben. Vielleicht sogar politische Unruhe. In Kubas Geschichte hat es wenig Zeiten gegeben, in denen es friedlich zugegangen ist und in denen ein Systemwechsel friedlich vonstatten ging. Eine 10-Jahres-Prognose abzugeben ist schwierig. Aber ich würde mal tippen, dass Kuba dann ein kapitalistisches Land mit einer unruhigen politischen Gegenwart sein wird.

Interview + Foto: Thomas Milz

Titel: Kuba: Von der Revolution der Armen, Havanna und Chevrolets, Amis und Zuckerrohr
Autor: Jens Glüsing
ISBN: 978-3737407328
Seiten: 144
Verlag: Corso ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
Auflage: 1 (13. Oktober 2016)

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[kol_1] Erlesen: "Der Herbst des Goldenen Zeitalters" von Karin Schüller

Schon das Cover unter dem programmatischen Titel legt die Meßlatte hoch, denn da räkelt sich – eher elegant als verführerisch – die berühmte Venus von Velázquez dem Leser entgegen. Und wer hinter dem violetten Vorhang der Venus einen anspruchsvollen historischen Roman erwartet, dessen Erwartungen werden von Karin Schüller voll erfüllt.

Im Zentrum ihres Romans steht die Lebensgeschichte eines irischen Mönchs, der fast sein ganzes Leben im goldenen Exil verbringt: im Spanien des 17. Jahrhunderts, vor allem in Salamanca und Madrid. Die unorthodoxen Ansichten dieses Protagonisten, sein Interesse an Kunst, Natur und "weltlichen Dingen" und nicht zuletzt seine Schönheit werden ihn im Spanien der Inquisition einigen Verführungen aussetzen und manches Mal in Bedrängnis bringen.

Der Herbst des Goldenen Zeitalters
Karin Schüller
Pro Business
Auflage: 1 (28. Juni 2016)
442 Seiten
ISBN-10: 3864602157
ISBN-13: 978-3864602153

Die Autorin lässt ihre Hauptfigur Hugh als Jugendlichen um 1605 im Hafen von La Coruña ankommen, am See von Sanabria ganz kurz das Paradies erleben, um ihn dann sein Gelübde für den Franziskanerorden ablegen zu lassen und Jahrzehnte lang durch Verhandlungen mit dem spanischen Königshaus zur Unterstützung des Freiheitskampfes der Iren gegen England und höfische Intrigen zu führen. Sie schickt ihn zur Erfüllung von Geheimaufträgen nach London und Rom, zur Pilgerreise nach Köln und während der großen Pest nach Prag. Bei der Darstellung der politischen Hintergründe (und Abgründe) sowie der diplomatischen Verflechtungen wird deutlich, dass Karin Schüller als Historikerin über reichhaltiges Detailwissen dieser Epoche verfügt, die man trotz aller Kriege und Katastrophen heute in Spanien die goldene nennt.

Dennoch verlangt dieser Roman vom Leser kein Hintergrundwissen, sondern richtet sich durchaus an ein breites Publikum. Dies erreicht die Autorin durch den Kunstgriff, Europas politische und religiöse Konflikte des 17. Jahrhunderts auf die fiktive und spannende Biographie des irischen Franziskaners zu projizieren. Mit den Augen ihres Protagonisten Hugh lässt sie den Leser die Schrecken (Inquisitionsprozesse) und die Schönheit des Goldenen Zeitalters sehen: Kunst und Theatervorstellungen. Dabei setzt Karin Schüller eine sehr ausgefeilte Sprache ein, die sich wohltuend abhebt von Fast Food Literatur und sich im Ton einer Hommage an das Siglo de Oro als würdig erweist.

Zu den besonderen Höhepunkten des Romans gehören die fiktiven Diskussionen der barocken Hofmaler Velázquez und Rubens mit dem Protagonisten. Sie zeugen nicht nur von den profunden kunsthistorischen Kenntnissen der Autorin. Sie glänzen vor allem durch die passende Charakterisierung dieser Künstlergenies des Goldenen Zeitalters: der vornehmen andalusischen Zurückhaltung des jüngeren Velázquez und seiner subtilen Pinselführung wird die polternde Eitelkeit des älteren, schon völlig etablierten Rubens gegenüber gestellt. Und ganz nebenbei lässt Karin Schüller ein im Brand des Alcázar von Madrid verloren gegangenes Gemälde des Velázquez wieder auferstehen und präsentiert zudem eine ebenso originelle wie geniale Idee zur Entstehung der Venus des Velázquez, die auf dem Buchcover erscheint.

Der "Herbst des Goldenen Zeitalters" war in Wahrheit der eigentliche Glanz von Spaniens Goldenem Zeitalter, denn während die Eroberungserfolge und der Wirtschaftsboom sich vor allem über das 16. Jahrhundert erstreckten, kam es zeitversetzt vor allem Mitte des 17. Jahrhunderts, als Spanien von allen Seiten unter Beschuss geriet und zwischen Wirtschaftskrisen und Staatsbankrotten taumelte, zu einer beispiellosen Blüte der spanischen Kunst, deren größte Exponenten die Maler Velázquez, Zurbarán, Murillo, die Bildhauer Martínez Montañés und Pedro Roldán, alle aus Sevilla, Universalkünstler Alonso Cano aus Granada, die Architekten der Barock-Dynastien der Figueroa in Sevilla und der Churriguera in Kastilien sowie die kastilischen (Theater)Dichter Calderón de la Barca, Lope de Vega und Tirso de Molina waren.

Dem Andenken dieser Kunst-Giganten ist Karin Schüllers Roman gewidmet - und ist dabei selbst ein über 400 Seiten starkes Stück Kunstliteratur geworden.

Text: Berthold Volberg
Cover: amazon

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[kol_2] Grenzfall: Die Umrundung des Huayhuash
Das beste Trekking in Südamerika?
 
Zahlreiche Wanderfreunde wählen Peru aufgrund seiner vielfältigen Trekkingoptionen als Reiseziel. Eine der weniger bekannten aber umso lohnenswerteren Touren ist die Umrundung der Gebirgskette Huayhuash circa 360 Kilometer nördlich von Lima.


Geht es um Trekking in Peru fallen meist die Begriffe „Inka Trail“, „Huaraz“ und „Cordillera Blanca“. Eine bisher weniger bekannte Option, die allerdings von hartgesottenen Wanderfreunden bereits das Prädikat „Bestes Trekking in Südamerika“ verliehen bekommen hat, ist die Umrundung der Gebirgskette Huayhuash, Quechua für „Ort des eisigen Windes“. Die tropische Kordillere ist wild zerklüftet und besticht durch eine Landschaft reich an einzigartigen Bergformationen mit mehreren Sechstausendern, tiefblauen Lagunen und endlos weiten Tälern. Nicht ohne Grund wird Huayhuash auch die „kleine schöne Schwester“ der Cordillera Blanca bezeichnet.

Durch die klare, dünne Luft wirkt es als ragten die Berggipfel direkt in den Himmel, und aufgrund des nahegelegenen Äquators ist die Schneefallgrenze sehr niedrig. Auf nur wenigen Trekkingrouten kann man den schneebedeckten Gipfeln der imposanten Berge so nahe kommen wie hier. Außerhalb des Himalayas gibt es kaum eine Bergregion mit einer derart hohen Dichte an Fünfund Sechstausendern.


Trotz der Schönheit der Gebirgskette sind in dieser Gegend noch immer recht wenige Wanderer unterwegs. Fast täglich gilt es während dem Trekking, das je nach Kondition in acht bis 14 Tagen bewältigt werden kann, mindestens einen Pass zu überwinden. Die Landschaft wechselt hier gewissermassen stündlich von schroffen Felsen zu sanften Grassteppen, von grauen Bergmassiven zu weißen Gletschern, von grünen Tälern zu blauen Bergseen. Diese Vielfalt zieht sich auch durch die Campingplätze, die für die Nachtruhe zur Verfügung stehen. Ob direkt neben einer Lamaherde, im Schatten eines schneebedeckten Mehrtausenders oder am Ufer einer türkisfarbenen Lagune, es gibt kaum eine schönere Kulisse für sanfte Träume. Und eines haben alle Zeltlager gemeinsam: Über dem Nachtlager funkelt der Sternenhimmel.

Da sich ein großer Teil der Wanderung auf über 4000 Metern abspielt ist es wichtig, sich vorab gut zu akklimatisieren und beispielsweise einige Tage in der nahegelegenen Stadt Huaraz zu verbringen. Die Höhe birgt die größte Herausforderung.

Eine gute Kondition ist Grundvoraussetzung für das anspruchsvolle Trekking, und es empfiehlt sich, eine geführte Tour zu buchen. Die Guides kennen das Terrain wie ihre Westentasche und kümmern sich um die Campingausrüstung und Verpflegung für die gesamte Dauer der Wanderung. Auch ist es möglich, das eigene Gepäck ab und an einem der Packtiere abzugeben, um einmal ohne Last gehen zu können.

Text und Fotos: PROMPERÚ

[druckversion ed 01/2017] / [druckversion artikel]






[kol_3] Sehen: Angst vor der Trump-Mauer
Mexikaner sitzen fest
 
"Wir müssen schnell machen, bevor Trump sein Amt antritt", erzählt Macario López. Er ist 16 Jahre alt, hat sich aus dem Süden von Mexiko bis nach Tijuana durchgekämpft und wartet nun auf den richtigen Moment, um die Grenze in die USA zu überqueren. Seine Eltern wissen nichts davon. Er will sie überraschen, ihnen Geld schicken, wenn er es geschafft hat. Es ist mehr als Ungewissheit, die in Mexiko zu spüren ist. Seit klar ist, dass Donald Trump der nächste US-amerikanische Präsident wird, geht die Angst um in Mexiko. Auch wenn am Ende keine Mauer aus Stein gebaut wird, die Grenze zwischen Mexiko und den USA wird sicher noch undurchdringlicher. 

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto 1:
Am Grenzzaun.

Bild: SWR


Das Risiko ist groß - auch jetzt schon: Viele schaffen es nicht lebendig über die Grenze. Und wer es schafft ist längst nicht in Sicherheit: 150.000 Menschen wurden allein im letzten Jahr von der Südgrenze der USA abgeschoben, zurück nach Mexiko. Ein Großteil von ihnen hängt nun in Tijuana fest - auf der Suche nach einem Job, oder der nächsten Chance, die Grenze zu überqueren. Die Notunterkünfte platzen bereits jetzt aus allen Nähten. Und ab Januar, so befürchtet man hier, dürfte sich die Lage verschärfen. Die freiwilligen Helfer stellen sich auf eine Abschiebewelle ein - denn Donald Trump hat angekündigt, unmittelbar nach seinem Amtsantritt bis zu drei Millionen Illegale abzuschieben.

Sendetermin und Info
Angst vor der Trump-Mauer
Mexikaner sitzen fest
SWR | 30 Minuten | Film von Joana Jäschke
Samstag, 7. Januar 2017 | 16:30

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto 2: Auffanglager.

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Aber nicht nur für die, die illegal in die USA wollen, wir es eng. Auch für die Unternehmen, die in Mexiko produzieren. Trump will die Arbeitsplätze zurück in die USA holen. Noch mehr Arbeitslosigkeit in Mexiko wäre die Folge.

Kurz vor der Vereidigung von Donald Trump hat Joana Jäschke mit Menschen auf beiden Seiten der Grenze gesprochen. Menschen, die noch schnell rüber wollen, wie Macario oder Menschen, die schon im "gelobten" Teil Amerikas sind, wie Erika Burboa. Seit sechs Jahren lebt sie am Stadtrand von San Diego. Gültige Papiere hat sie nicht. Dafür aber mehr Sicherheit und eine bessere Ausbildung für ihre drei Kinder, sagt sie. Doch der Preis, den sie dafür zahlt ist hoch: Ihre Eltern hat sie in Tijuana zurücklassen müssen. Sie bekommen kein Visum.

"Terra X: Schätze aus der Unterwelt - Entdeckung im Mexiko": Blick von oben auf die Stadt Teotihuacán.
Foto 3:
Die USA - so nah.

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Eine Reportage entlang des Grenzzaunes, die die Stimmung auf beiden Seiten der Grenze einfängt, wenige Tage bevor der neue US-Präsident sein Amt antritt.

Weitere Infos: SWR

[druckversion ed 01/2017] / [druckversion artikel]





[kol_4] Lauschrausch: Extraña von Addys Mercedes

Addys Mercedes brachte die kubanische Musik mit als sie 1993 nach Deutschland kam, um hier zu leben. Als Kind und Jugendliche hatte sie in Guantánamo und Havanna bereits Erfahrung als Musikerin gesammelt.

Addys Mercedes
Extraña
medialuna

Im Gegensatz zu vielen Kubanern fern der Heimat konserviert sie aber nicht die Erinnerung, sondern modernisiert das Material von Album zu Album in Richtung Latin Pop, Rock und Dancefloor, mit Einflüssen von Gypsy-Musik. Und so finden sich auf Extraña Stücke im cumbia-ähnlichen Latin-Pop-Stil von Shakira, Juanes oder Carlos Vives, Beats gepaart mit Akkordeon (Me erizo / Vive la vida) oder Pop-Lieder, die textlich nicht immer leicht daherkommen, da sie auf persönlichen Erfahrungen (in Kuba) beruhen (Pasado, pasado / Extraña). Balladen über eigene Erlebnisse (Doña Rosa) und rockigere Titel (Mi deseo) ergänzen das Portfolio. Ein unterhaltsames, sehr oft auch tanzbares Album, dass in der Rubrik "Latin-Pop" besser aufgehoben ist, als in der Abteilung "Kuba".

Text: Torsten Eßer
Cover: amazon

[druckversion ed 01/2017] / [druckversion artikel] / [archiv: lauschrausch]





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