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[kol_4] Lauschrausch: Perus Partysound
Peru Boom: Bass, Bleeps & Bumps
 
Das Label "Tiger’s Milk", das sonst hervorragende Compilations zur Geschichte der peruanischen Popmusik herausbringt, hat sich diesmal die Gegenwart bzw. Zukunft dergleichen vorgenommen. Labelgründer Martin Morales war so begeistert von einem Auftritt des Duos Dengue Dengue Dengue, das auf einem Rave elektronische Musik und basslines mit alten cumbia- und chicha-Klängen mixte, dass er für "Peru Boom" Titel von DJ‘s und Musikern der boomenden Elektronikszene in Lima, eine der momentan angesagtesten in Südamerika, zusammenstellte. Die Label-Kontinuität wird gewahrt, da zwischen den Bassläufen und Beeps immer wieder traditionelle Stile und Instrumente erklingen. Der erste Track von Animal Chuki, einem Star der Szene, weckt Erinnerungen an Kraftwerk, während Deltatron sich an Jean-Michel Jarre orientiert, gemixt mit langsamen cumbia-Rhythmen und tiefen Bässen. "Como bailar cumbia" von Dengue Dengue Dengue ist ein uninspiriertes Stück Funktionsmusik, das mit der Freude der cumbia wenig zu tun hat, während Pirana Sound System in "Naranja Limones" chicha-Sounds originell mit eher experimenteller Elektronik kombinieren.

Bass, Bleeps & Bumps from Peru's Electronic Underground
Peru Boom
Tiger's Milk Records

Wer kennt noch die "Bayern3 Space Night"? An diese Musik erinnern die Tracks 7-9, unterschiedlich durchsetzt von Percussion- und Basssounds und cumbia-Rhythmen. Vieles auf dieser Sammlung ist eher langweilig, wie die sphärischen Klänge mit cumbia-beat in "Underground cumbia", die tribalistische Elektronik von "Negroide" oder die Loungemusik von Elegante y Imperial. Das konnten die Urväter der Elektronik besser und phantasievoller, die u.a. in den 80ern Wilfried Trenklers Sendung über elektronische Musik "Schwingungen" zum Kult und absoluten Muss machten. Man hört, dass es sich hier größtenteils um Gebrauchsmusik für den dancefloor handelt, vieles ist zu einfach gestrickt. Herausstechend sind noch die beiden Tracks "Sonido chichero" und "Marcha Del Chullachaqui", die mit traditionellen Instrumenten und Klängen arbeiten. Man muss also wieder auf das Alte zurückgreifen, um etwas Interessantes zu produzieren… Insgesamt aber ein guter Einblick in eine Szene, die hierzulande nur Wenigen bekannt sein dürfte und eine gute Compilation für DJ‘s.

Text: Torsten Eßer
Cover: amazon

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