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[kol_4] Lauschrausch: Xiomara / Harold López-Nussa Trio
 
Xiomara
La voz
Chesky / inakustik
Die ersten Klänge auf "La voz" stammen von einer türkischen Harfe und führen den Hörer somit weit weg vom Herkunftsort dieser Musik – Kuba. Das Instrument begleitet die Sängerin Xiomara Laugart durch den Klassiker "La tarde". Und schnell wird klar, warum dieses Album "La voz" heißt, denn die variationsreiche, fast kristalline Stimme von Xiomara Laugart ist wirklich beeindruckend. Folgerichtig bleibt die Instrumentierung der weiteren Titel spärlich, aber abwechslungsreich. Von "El manisero" existieren tausend Versionen, diese hier, nur mit Harfe, Bass und Percussion instrumentiert, sticht positiv hervor. Das gilt auch für den Klassiker "Besame mucho", bei dem Xiomaras Stimme nur vom Bass begleitet wird.

Xiomara
La voz
Chesky / inakustik

Der Umzug von Havanna, wo sie bereits als sehr erfolgreiche Sängerin galt, nach New York, hat Xiomara Laugart gut getan. So konnte sie neue Eindrücke gewinnen, andere Musiker kennen lernen und so wunderbar reduzierte Versionen von sonst oftmals sehr überladenen Titeln präsentieren. Auch die beiden "jazzigen" Versionen von "Delirio" und "Son de la loma", nur begleitet vom dezenten Saxophonspiel Yosvani Terrys, sind ein Hörgenuss. In "gewohnter" Besetzung Piano-Gesang kommt nur "Como fue" daher, ein weiterer Titel aus dem "Cuban Songbook". Nun zahlt es sich aus, dass Xiomara in Kuba sowohl zeitgenössische als auch traditionelle Musik interpretiert hat. Ein weiterer Grund, warum sie im Jahr 2007 auf dem Broadway die Rolle von Celia Cruz im Musical "Celia Cruz, the Queen of Latin Music" spielen durfte.


Harold López-Nussa Trio
Herencia
World Village/ Harmonia Mundi
Die Reihe junger Piano-Talente aus Kuba reißt nicht ab. Nun schickt sich Harold López-Nussa an, sie fortzuführen. Nachdem er im Jahr 2005 den 1. Preis im Pianowettbewerb des renommierten Jazzfestivals von Montreux gewonnen hatte, begann man auch international auf ihn aufmerksam zu werden.

Mit "Herencia" liegt nun sein zweites internationales Album vor, diesmal im Trio mit dem Bassisten Felipe Cabrera und seinem Bruder, dem Schlagzeuger Ruy Adrian López-Nussa. Die Brüder stammen aus einer musikalischen Familie und bekamen den Jazz in die Wiege gelegt, u.a. von ihrem Onkel, dem Pianisten Ernán López-Nussa. Studiert aber hat Harold 13 Jahre klassisches Klavier und auch in der traditionellen kubanischen Musik fühlt er sich zuhause. Das ist ein riesiger musikalischer Vorteil vieler kubanischer Pianisten, die so den tumbao der Folklore mit der Präzision der Kunstmusik vereinen können. Und auch "Herencia" enthält neben Eigenkompositionen zwei kubanische Titel: "Los tres golpes" von Ignacio Cervantes und "Es más, te perdono" von Noel Nicola, bei dem Omara Portuondo als Gastsängerin auftritt.

Harold López-Nussa Trio
Herencia
World Village/ Harmonia Mundi

Die weiteren Titel wechseln zwischen Modern- und Latin-Jazz, wobei immer wieder auch López-Nussas Faszination für klassische Musik durchscheint. Als Zugabe gibt es eine entspannte Jazzversion von Eric Claptons "Tears in heaven".

Text: Torsten Eßer
Cover: amazon

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