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[art_4] Spanien: Sechs Buchtipps für Spanien-Neulinge: Aussteiger, Studenten, Unternehmer

Immer mehr Deutsche zieht es nach Spanien, frei nach dem Motto "Brüder zu Sonne, zur Freiheit". Nicht nur Rentner wollen dem deutschen Wetter und dem Reformstau entkommen, auch Studenten, junge Unternehmer oder Aussteiger engagieren sich auf die eine oder andere Weise auf der iberischen Halbinsel. Nun hat sich Spanien zwar seit dem Tode Francos zu einem modernen Land entwickelt (zumindest in den Städten und Touristenzentren) und gehört seit 1986 auch der EU an, das hat aber - erfreulicherweise - keine Angleichung der Sitten und Gebräuche an europäische Normen zur Folge. "España es diferente" lautete ein Werbeslogan der spanischen Tourismusindustrie. So muss jeder Neuankömmling seine eigenen Erfahrungen mit Land, Leuten und Institutionen machen. Dabei können ihm diese Werke helfen:

Grundlegendes zur spanischen Kultur vermitteln neun Autoren in "Spanien: Mitten in Europa". Neben der Geschichte der letzten 30 Jahre finden sich interessante Beiträge zum Nationalbewusstsein und Werteverständnis der Spanier, zur movida, zum Rollenverständnis von Mann und Frau, zur Ideologie des machismo (z.B. warum spanische Männer ihre heterosexuelle Aktivität immer auffällig darstellen müssen) uvm. Die Wirtschaftskultur wird thematisiert, hier gibt es gute Tipps zum Verhalten gegenüber Geschäftspartnern und/oder Kollegen in spanischen Unternehmen (Einladungen, Geschenke), die verhindern, sie vor den Kopf zu stoßen. Sehr aufschlussreich: die Ausführungen zum unterschiedlichen Zeitverständnis, das i.d.R. nicht auf einer geringeren Disziplin beruht. "Trotz seiner breiten Rezipierbarkeit soll das Werk auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügen", heißt es im Vorwort. Das ist gelungen und das Buch trägt dazu bei, Stereotypen über Land und Leute - z.B. der sprichwörtliche Stolz der Spanier - zu widerlegen oder zu mildern, die seit dem Mittelalter in Deutschland vorherrschen. Dabei werden auch immer wieder interessante kleine Details dem Leser nahegebracht, so z.B. über den aus dem Landschaftsbild verschwundenen Osborne-Stier.

Carlos Collado Seidel/ Andreas König (Hrsg.).
Spanien: Mitten in Europa
IKO-Verlag, Frankfurt am Main 2003, S. 408, 24,90 Euro

Hauptsächlich auf mittelständische Unternehmer zielt der Titel "Unternehmenskultur in Spanien", der in Zusammenarbeit mit der spanischen Handelskammer in Deutschland entstanden ist. Die Autoren - in der Mehrheit erfahrene Geschäftsleute, die sich im deutsch-spanischen Business auskennen - möchten mit ihren Kurzbeiträgen die kulturbedingten "Stolpersteine" ausräumen, die so manche Geschäftsanbahnung oder so manchen Start ins Berufsleben vielleicht verhindert haben. Die Themenpalette reicht vom Eintritt in den spanischen Markt, über die Bewerbung, die Marketingstrategie bis zum Führungsstil. Bekannt, aber sehr wichtig: wie fast überall außerhalb Deutschlands ist der "Small-Talk" bedeutend, am besten bei einem guten Essen. Manchmal kann es zwei Stunden dauern, bevor das eigentliche Thema zur Sprache kommt (Deutsche sollten sich in Geduld üben und Themen wie Stierkampf und Religion vermeiden!). Apropos "Sprache": dass Grundkenntnisse der Sprache (auch der Regionalsprachen) sowie ein gewisses Interesse an der Kultur (nicht zuviel, sonst gilt man als Besserwisser) Sympathie erzeugen, ist selbstverständlich. Aber dass der Ritus des gegenseitigen Lobens aus Höflichkeit bis zur Lüge reifen kann, daran werden sich Deutsche in Spanien - zumindest passiv - gewöhnen müssen. Das Buch enthält keine Gesetze, Bestimmungen oder Regelungen, die zu beachten sind, wenn man sich in Spanien niederlassen will, sondern es gibt Unternehmern sowie Arbeitsuchenden Orientierung über die menschliche Dimension des Wirtschaftspartners Spanien.

Andreas Marek/ Susanne Müller et al.
Unternehmenskultur in Spanien - Interkultureller Managementleitfaden
IKO-Verlag, Frankfurt am Main 2004, S. 240, 20 Euro

Gesetze, Bestimmungen oder Regelungen finden sich hingegen reichlich in dem von vier deutschen bzw. spanischen Wirtschaftsanwälten herausgegebenen Handbuch "Firma in Spanien". Ob Unternehmensformen, Finanzierung, Franchising, Arbeits-, Vertrags- oder Steuerrecht, die Autoren haben alle wichtigen Informationen zwischen diese zwei Buchdeckel gepresst. Eine sehr umfangreiche Adressensammlung erleichtert dem potenziellen Unternehmensgründer die weitere Informationsbeschaffung. Das Buch ist verständlich geschrieben und in der Ratgeberreihe zu Spanien erschienen, die viele weitere informative Titel umfasst, so z.B. "Ausländer in Spanien" oder "Wohnungseigentum in Spanien" sowie viele Gesetzeswerke (www.edition-spanien.de).

Löber/ Fabregat/ Poniatowski/ Bilz.
Firma in Spanien - Handbuch für Unternehmer und Firmengründer
Edition für internationale Wirtschaft, Frankfurt am Main 2005, S. 205, 34 Euro

Das Buch "Arbeiten und Studieren in Spanien" des Autorenpaars Neuhaus behandelt die vielen verschiedenen Programme und Institutionen, mit denen junge Arbeitnehmer oder Studenten nach Spanien gehen können sowie den dortigen Arbeitsmarkt. Ausführlich widmen sich die Autoren der Erstellung des Bewerbungsschreibens und des Lebenslaufes und liefern dazu praktische Textbausteine sowie Redewendungen für das evtl. folgende Gespräch. Nützliche Adressen und Internetseiten runden das Büchlein ab.

Dirk Neuhaus/ Karsta Neuhaus.
Arbeiten und Studieren in Spanien
ILT-Europa Verlag, Bochum 2004, S. 126, 9,90 Euro

Um in Spanien zu leben, ist es nicht nur nützlich, die einheimische Mentalität zu verstehen, sondern auch zu wissen, was Spanier über Deutsche und ihre Kultur denken und wie sie sich damit auseinandersetzen. Damit beschäftigen sich viele der Beiträge in dem lesenswerten Tagungsband "Die deutsch-spanischen Kulturbeziehungen im europäischen Kontext", wobei letzterer eine untergeordnete Rolle spielt. Schon in den beiden Beiträgen über das gegenseitige Bild in der Presse erschließt sich die Herkunft vieler Missverständnisse, denn in Deutschland wie in Spanien wird außer in einigen wenigen seriösen Tageszeitungen das gegenseitige Bild von Klischees bestimmt. In dem Buch erfährt man neben vielen weiteren interessanten Details, warum deutsche Literatur bis Mitte der 90er Jahre in Spanien als Ladenhüter galt: "bleischwere Gedanken- und Innerlichkeitsprosa, die das Unbehagen der Deutschen mit sich selbst und ihrer Kultur ausdrückte" (Gut erkannt, möchte ich hinzufügen!), und warum so wenige Spanier Deutsch sprechen: Zwar ist das Angebot in den offiziellen Sprachschulen befriedigend - rund 70% bieten es an - , aber an den Schulen ist es so gut wie nicht vorhanden (in manchen Regionen nicht mal an 1% der Schulen), da auch keine Stellen für Deutschlehrer geschaffen werden.

Wolfgang Bader/ Ignacio Olmos (Hrsg.).
Die deutsch-spanischen Kulturbeziehungen im europäischen Kontext
Vervuert, Frankfurt am Main 2004, S. 370, 24 Euro

Zum Schluss noch ein Buch des Berliner Journalisten Paul-Albert Wagemann: In "Spanien wie es nicht im Reiseführer steht" beschreibt er in Kurzgeschichten seine "Abenteuer" mit Pyrenäengeiern, Kampfstieren sowie seinen Selbstversuch im Restaurant des katalanischen Drei-Sterne-Kochs Ferran Adrià. Amüsante Vorbereitungs- und Abendlektüre in einem.

Paul-Albert Wagemann.
Spanien wie es nicht im Reiseführer steht
Monsenstein & Vannerdat, Münster 2004, S. 165, 12,50 Euro

Text: Torsten Eßer
Fotos: amazon.de